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Permanenter Ausnahmezustand

In einem Beitrag auf Spiegel-Online berichtet einer der Arbeiter von Fukushima, der an der Montage der Wassertanks für die Unmengen radioaktiver Flüssigkeiten beteiligt war, von den Arbeitsbedingungen. Er spricht von Schlampereien bei der Montage. Bei Erdbeben wird der Automechaniker, der im vergangenen Jahr sechs Monate lang am havarierten AKW Fukushima gearbeitet hat, nervös. Dort hat er Tanks zusammengebaut, im Eiltempo. Um stetig neue Behälter für die immer größer werdende Menge kontaminierten Wassers zu schaffen, hätten sie schlampig gearbeitet, gibt der Japaner gegenüber der Nachrichtenagentur AP offen zu. Er sei sich sicher, dass die Tanks schon deswegen lecken.

Das Bekanntwerden weist allerdings auf ein sehr viel tiefer liegendes Problem hin, eine grundsätzliche Dimension des GAU. Im Fall einer nuklearen Katastrophe gibt es keine normierten Arbeitsbedingungen. Wo selbst das Gießen ebener Bodenplatten aus Beton für die Tanks misslingt, das Zusammenschrauben von Metallelementen nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgenommen werden kann –  wie verzweifelt muten die Bedingungen erst bei den notwendigen vielfach komplexeren Arbeiten an? Oder die Bedingungen von Arbeiten in unmittelbarer Nähe der  tödlichen Strahlung? Die Erkenntnis lautet: Reguläres Arbeiten wird es kaum geben. Die Ruinen der Fukushima-Reaktoren sind der permanente Ausnahmezustand. Das ist der GAU.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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