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Japans ex-Regierungschef Koizumi, Spitzname Löwenherz, hat sich vehement gegen Atomkraft ausgesprochen. Der ehemalige, rechtsnationale und neoliberale Premierminister forderte den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien. Die 50 abgeschalteten Reaktoren in ganz Japan sollten nie wieder in Betrieb gehen, verlangte er von seinem Nachfolger Shinzo Abe. Koizumi, während seiner Amtszeit noch Verfechter der Atomkraft, warf bei einem Auftritt vor 350 Journalisten den Befürwortern der Atomkraft vor, „unverantwortlich und allzu optimistisch“ auf den Neustart der Reaktoren zu drängen, wie hier im TAZ-Artikel zu lesen ist. Das Wort des Expremiers hat nach wie vor großes Gewicht in der japanischen Politik.

Derweil lassen Japans Pläne für Olympia 2020 in Tokyo äußerst skeptisch aufhorchen. Die Fußball-Nationalmannschaften der olympischen Spiele sollen nach dem Willen der Präfekturverwaltung, des japanischen Fußballbunds und von Tepco in dem so genannten J-Village untergebracht werden. Die OlympionikInnen sollen die dortigen Sportanlagen nach einer Dekontamination wieder regulär nutzen. Derzeit ist das riesige Areal, vom Spiegel als „verbotener Ort“ und „Japanischer Ground Zero“ bezeichnet, von den Arbeitern in den Reaktoren als zentrale Unterbringung, Lager und Dekontaminationsstädte genutzt. Der Zugang ist nur via Sicherheitskontrollen möglich, das J-Village liegt in der 20 Kilometer-Evakuierungszone.

 

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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