Grafenrheinfeld geht früher vom Netz – (k)ein Grund zum Feiern?

10.04.2014 | Jochen Stay

Für uns AtomkraftgegnerInnen ist es nicht einfach, Erfolge zu feiern. Denn immer dann, wenn wir etwas erreichen – und das kommt glücklicherweise häufig vor – sind die nächsten Herausforderungen schon absehbar. Wir sind gebrannte Kinder: Weil beim rot-grünen „Atomkonsens“ im Jahr 2000 zu viele dachten, die Auseinandersetzung sei schon gewonnen, konnte die Atomlobby zehn Jahre später Laufzeitverlängerungen durchsetzen. Das wollen wir nicht noch einmal erleben.

Als es uns dann 2011 gelungen ist, durch massenhafte Proteste das Abschalten von acht AKW zu erzwingen, da mussten wir aufgrund der gemachten Erfahrungen gleichzeitig laut davor warnen, dass ja neun Meiler noch viel zu lange weiterlaufen und der Atomausstieg noch lange nicht in trockenen Tüchern ist.

Als im vergangenen Jahr entschieden wurde, keine Castor-Transporte mehr nach Gorleben zu bringen, da hatte das natürlich ursächlich direkt mit den massiven Protesten im Wendland zu tun. Trotzdem war uns nicht so richtig nach Feiern zu Mute, denn es ist ja klar, dass diese gefährlichen Behälter jetzt eben in andere Zwischenlager gebracht werden sollen und Gorleben als „Endlager“-Standort weiter im Topf bleibt.

Jetzt haben wir gemeinsam mit den örtlichen Bürgerinitiativen erreicht, dass Eon das AKW Grafenrheinfeld früher als geplant abschalten will, nämlich schon im Mai 2015 statt erst im Dezember 2015. Und dies, obwohl vor kurzem in der bayerischen Wirtschaft und der CSU noch Laufzeitverlängerungen Thema waren. Aber statt zu feiern, sind wir erst mal skeptisch: Wird die Bundesnetzagentur dem Antrag wirklich stattgeben? Oder wird da doch noch getrickst? Und selbst wenn, bedeutet das noch 14 Monate weitere Gefahr. Denn eigentlich könnte das AKW auch schon jetzt vom Netz.

Und selbst wenn dann im nächsten Frühjahr endlich Schluss sein sollte, bleiben eine Menge Sorgen: was wird aus dem Atommüll? Welche Gefahren lauern beim Abriss des Kraftwerks?

Einerseits ist es sehr wichtig, dass wir skeptisch sind, die Rolle des Mahners einnehmen und uns nicht zufrieden geben, bis der Atomausstieg wirklich umgesetzt ist. Andererseits nehmen wir uns dabei die Chance, auch mal zufrieden zu sein und zu feiern, wenn wir wieder einen Schritt in die richtige Richtung bewirkt haben.

Erfolge feiern ist aber extrem wichtig, um dann mit neuer Kraft in die nächsten Auseinandersetzungen zu gehen. Und es muss kein Widerspruch sein: 2011 haben wir auf die Entscheidung, acht AKW stillzulegen und neun weiterlaufen zu lassen einfach mit Sekt und Selters angestoßen.

Also versprechen wir schon heute: Wenn das AKW Grafenrheinfeld wirklich abgeschaltet wird, dann feiern wir! Bist Du dabei?

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Jochen Stay

Jochen Stay, Jahrgang 1965, ist seit seinem 15. Lebensjahr aktiv in außerparlamentarischen Bewegungen, seit Wackersdorf 1985 in der Anti-Atom Bewegung und seit 2008 Sprecher von .ausgestrahlt.

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