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Die 58 Atomreaktoren der staatlichen Gesellschaft Electricité de France (EDF), die in Frankreich 73 Prozent des Strom liefern, kommen das Land noch teuer zu stehen. Laut einem Bericht des französischen Rechnungshofs vom Ende Mai (siehe Artikel in der WELT) sind die Kosten für eine Megawattstunde Strom alleine zwischen 2010 und 2013 um rund 20 Prozent angestiegen.

Zu ähnlichen Aussagen kommt ein Bericht von Greenpeace Frankreich von letzter Woche. Demnach geht die Hälfte der französischen Atomreaktoren auf eine Betriebsdauer von 40 Jahren zu. Um die erforderlichen Sicherheitsstandards einzuhalten, wird EDF in den nächsten Jahren massiv in die alternden Reaktoren investieren müssen – ohne jemals aktuelle Sicherheitsstandards zu erreichen. Trotzdem plant EDF diese Investitionen, hoffend auf Laufzeiten von 50 Jahren und mehr.  Der Greenpeace-Bericht (französisch) zeigt, dass die Instandhaltung der AKW deutlich teurer wird als der Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Aus für AKW-Fessenheim verschoben?

Die französische Politik scheint sich dem Problem derweil nicht anzunehmen, zumindest was das Uralt-AKW Fessenheim angeht. Die bis Ende 2016 versprochene Stilllegung des AKW im Elsass ist nicht im gestern beschlossenen Entwurf eines Energiewende-Gesetztes enthalten.

Energiewende-Gesetz: Effizienz und Erneuerbare aber keine Einschnitte für AKW

Der erste Gesetzentwurf wurde nach zwei Jahren endlich durchgewunken und enthält ein 80 Punkte umfassendes Maßnahmenpaket: Weniger Energie-Importe, mehr Energieeffizienz und tausende Ladesäulen für Elektroautos sollen Frankreichs Energierechnung senken und für grünes Wachstum sorgen. Die sozialistische Regierung arbeitet seit dem Amtsantritt von Präsident François Hollande vor zwei Jahren an dem Vorhaben, wie der Artikel auf klimaretter.info ausführlich beschreibt. Nach Einschätzung von Greenpeace ist das  Gesetz allerdings völlig unzureichend, es regele weder den schrittweisen Ausstieg aus den ältesten und damit gefährlichsten AKW noch schlage es Schritte für eine dringend notwendige echte Energiewende vor. Auch fehle eine Regelung, die es ermöglicht, Atomreaktoren aus energiepolitischen Gründen vorzeitig abzuschalten. Das Gesetz soll bis Anfang 2015 verabschiedet werden.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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