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05.11.2014 | von Jan Becker

Der Atomausstieg braucht keine Brennstäbe aus Lingen

Am heutigen Mittwoch war der niedersächsische Umweltminister Wenzel (Grüne) zu Besuch in der ANF Brennelementefabrik in Lingen. Wenzel bekräftigt den Weiterbetrieb, Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung.

Die Anlage in Lingen sei genehmigt, so Wenzel bei seinem Besuch. Und das sei „ein Recht, das nicht einfach genommen werden kann“. Die Stilllegung der Brennelementefabrik sei nicht Bestandteil des rot-grünen Koalitionsvertrages in Niedersachsen – und auch nicht des Atomausstiegs. Zeitlich unbefristet dürfen von hier aus Atomkraftwerke in aller Welt mit Brennelementen versorgt werden.

„Wer es ernst meint mit einem Atomausstieg, der diesen Namen auch verdient, muss sich für eine Stilllegung der Brennelementefabrik einsetzen“, meint Hanna Poddig vom Antiatomnetzwerk contratom. „Es kann nicht sein, dass der Betrieb von AKW als unvertretbar eingestuft wird, die Zulieferung des Brennstoffs dafür in alle Welt aber nicht.“

Auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert von Wenzel die sofortige Aufhebung der Betriebsgenehmigung für die Brennelementefabrik: Es sei „unbegreiflich, dass die Fabrik in Lingen dauerhaft Brennstäbe für den Betrieb zahlreicher AKW in aller Welt produzieren darf“, so Udo Buchholz vom BBU. Die Stilllegung der Anlage würde nicht nur die Bevölkerung in und um Lingen schützen.

Denn der Betrieb der Anlage verursacht zum Beispiel zahllose Atomtransporte von und nach Lingen:

„Durchschnittlich alle drei Tage fährt ein radioaktiver Transport in die Brennelementefabrik oder verlässt sie. Dabei fahren auch Atomtransporte um die halbe Welt, werden im Hamburger Hafen verladen und weiter nach Lingen befördert“, so Irene Thesing, die sich in der Kampagne „Atomtransporte-durch-Hamburg-stoppen“ engagiert. Diese Transporte gefährden Menschen also auch an den Transportstrecken weitab von Lingen.

„Wenn Minister Wenzel den Schutz der Bevölkerung wirklich als wichtig empfindet, dann muss er die sofortige Stillegung der Atomanlagen in Lingen (und in ganz Niedersachsen) verfügen. Störfälle und Pannen gab es „genug“, auch in der Lingener ANF-Brennelemetefabrik. Der nächste Störfall könnte der letzte sein…“, meint Udo Buchholz.

Auf seiner Homepage weist Wenzel auf aktuelle Störfälle in der Brennelementefabrik hin: Erst vor wenigen Tagen musste die Anlage ein sog. „meldepflichtiges Ereignis“ an die Aufsichtsbehörden melden. Im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung war ein Riss im Ofenrohr des Drehrohrofens im Bereich der Trockenkonversion entdeckt worden. Als Ursache dafür wird ein Alterungseffekt angenommen. Außerdem war ein Riss in einer Stahlbetonkonsole unterhalb eines Dachträgers aufgetreten, der ebenfalls meldepflichtig war. Bezüglich einer falschen Assemblierung von Brennelementen, die wegen des Atomausstiegs nicht zum Einsatz kamen, werde zudem der Bund um eine Einschätzung gebeten.

weiterlesen:

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    Die angeblich „saubere“ Atomenergie erzeugt schon am Anfang einen gigantischen Haufen strahlenden Mülls: radioaktiver, giftiger Schlamm, der das Grundwasser bedroht, die Luft verseucht, die Bevölkerung verstrahlt. – mehr

Quellen (Auszug): umwelt.niedersachsen.de, nirgendwo.info, bbu-online.de; 5.11.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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