.ausgestrahlt-Blog

Horst Seehofer, Ministerpräsident des Landes mit der höchsten Abhängigkeit zur Atomkraft ist weiter auf Crashkurs mit dem Atomausstieg. Bei einem Besuch in China unterzeichnete er kürzlich eine Absichtserklärung für die Zusammenarbeit im Bereich der Öko-Energie als auch der Atomkraft.

Seehofer besuchte die Region Guangdong, das seit Oktober 2004 ein Partnerabkommen mit Bayern unterhält. In Guangdong befinden sich die meisten Atomkraftwerke Chinas. Allein am Standort Yangjiang, 500 Kilometer westlich von Hongkong, werden sechs Blöcke gebaut. Zufall, dass sich in der deutschen Partnerregion auch die meisten Atomprojekte Deutschlands befinden?

In der Absichtserklärung heißt es nun, Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollen „gleichermaßen unterstützt werden, insbesondere solche, die in der Entwicklung und Nutzung der Solar-, Biomasse, Wind- und Kernenergie tätig sind“.

Dass Seehofer den auch von der CSU unterstützten Atomausstieg immer wieder konterkariert, dokumentieren die AtomkraftgegnerInnen des „FORUM – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.“ um das AKW Gundremmingen. Ständig würde Bayerns Staatsregierung Fakten schaffen, „um die Energiewende auszubremsen“, schreibt Raimund Kamm. So würden „Scheinzwänge für eine Laufzeitverlängerung der AKW erzeugt“. Mithilfe von Gesetzen deckelt das Land zum Beispiel den Zubau von Windkraft- und Solaranlagen.

„Seehofer erläutert nicht die notwendigen Teile der Energiewende sondern hetzt Bürger gegen Speicher, Stromleitungen und Windräder auf“, kritisiert Kamm. Es heiße sogar, dass die Staatskanzlei Landratsämter dazu anhalte, Genehmigungsverfahren bei Windkraftwerken „bürokratisch“ langsam zu machen.

In Bayern laufen mit Grafenrheinfeld, Gundremmingen B, Gundremmingen C und Isar-2 noch vier große Atomreaktoren, die jeden Tag so viel neue Radioaktivität erzeugen, wie insgesamt im kaputten Atommüll-Lager Asse stecke. Seit Inbetriebnahme des erste kommerzielle AKW der Bundesrepublik Deutschland in Kahl am 13. November 1960 wird in Bayern hochradioaktiver Atommüll erzeugt. Und bis heute ist nicht ein Kilogramm sicher entsorgt. Es sei „ein Verbrechen an unseren Nachkommen“, findet Kamm. Und dennoch lasse Horst Seehofer die Atommeiler weiter laufen.

weiterlesen:

  • Windkraft laut Seehofer gefährlicher als AKW
    10. Juli 2014 – Anfrage der SPD zeigt: Abstand von AWK zu Siedlungen in Bayern geringer als geplante 10H-Regelung. “Jeder Meter zählt für Horst Seehofer, wenn es um den Abstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern geht, jedenfalls in Bayern. Geht es nach dem Willen des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs, kann dieser Abstand gar nicht groß genug sein,” schreibt Spiegel Online.
  • contratom.de – In Bayern dominiert weiterhin Atomkraft – 30 Jahre AKW Isar-II
    15. September 2012 – Bayerns Strommix besteht im 1. Halbjahr 2012 immer noch zu einem großen Teil aus Kernenergie. Dieser Anteil ist zwar rückläufig, dennoch dominiert die Atomkraft mit 58,3 Prozent immer noch die bayerische Stromerzeugung. Heut vor 30 Jahren wurde mit dem Bau des größten deutschen AKW Isar-II begonnen – das sich in Bayern befindet.
  • contratom.de – Fliegen ohne Landebahn: 50 Jahre Atomkraft – eine Bilanz
    7. August 2012 – Am 24. Juli 1962 gründeten der Stromkonzern RWE und das damalige Bayernwerk (heute E.On) eine Gesellschaft, die den Betrieb eines Atomkraftwerks (AKW) in Gundremmingen im Donauried vorsah. Es sollte das erste Groß-AKW in Deutschland werden. Damit ist es gerade einmal 50 Jahre her, dass der Startschuss für die Atomenergie in Deutschland fiel. In zehn Jahren soll der letzte Reaktor abgeschaltet werden. Die Kosten für den Bau, den Abriss und eine Lösung für den Atommüll sind gigantisch.

Quellen (Auszug): mittelbayerische.de, atommuell-lager.de; 03./21.11.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

« zurück