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02.12.2014 | von Jan Becker

Kein Ausbau der Atomkraft in Schweden

Deutschland ist kein Einzelfall: Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hat alle Pläne zum Ausbau der Atomenergie in Schweden auf Eis gelegt. Das Land will den Atomausstieg.

Magnus Hall, Direktor von Vattenfall, erklärte am Donnerstag bei einem Besuch im schwedischen Reichstag in Stockholm, dass der Konzern damit der Übereinkunft der rot-grünen Regierung folgen werde: Die Atomenergie soll in Schweden auslaufen. Zwar gibt es keinen konkreten Plan wie in Deutschland, im kommenden Jahr soll aber ein „Zukunftskonzept zur Versorgung Schwedens mit nachhaltiger Energie“ erarbeitet werden.

Der Energiekonzern Vattenfall hatte sich mit Kooperationspartnern, einer Gruppe industrieller Stromgroßverbraucher der Papier- und Stahlbranche unter dem Namen „Industrikraft“ zusammengeschlossen und wollten „gemeinsam mindestens ein neues AKW bauen, da die Sicherung von Arbeitsplätzen auf konkurrenzkräftigen Strompreisen beruht“, so die Gruppe in 2009. Die Planung für den Bau eines neuen Atomkraftwerks sollte „in den nächsten Jahren beginnen“. Eine Inbetriebnahme wurde in den 2020er Jahren ins Auge gefasst. 2010 hatte die bürgerliche Vorgängerregierung für den Neubau von Atomkraftwerken gestimmt.

Schweden ist aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Stromproduktion auf dem Weg zu einem Stromüberschuss: Dieser werde 2020 etwa 23 Terawattstunden betragen. Und deshalb rechnet sich der Bau von Atomkraftwerken nicht mehr, vermuten Atomkraftgegner. Allerdings sollen bis 2016 25 Milliarden Kronen (etwa 2,8 Milliarden Euro) in Modernisierung, Leistungssteigerung und Sicherheit der Atomkraftwerke Ringhals und Forsmark investiert werden, verkündete Vattenfall im Juli 2011. Das spricht wohl für eine Laufzeitverlängerung der Meiler.

Nach der nur knapp verhinderten Kernschmelze im US-Atomkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg (Pennsylvania) im Jahr 1979 entschied sich die Bevölkerung des skandinavischen Landes am 23. März 1980 bei einer Volksabstimmung für den grundsätzlichen Ausstieg aus der Atomenergie. Weil die Volksabstimmung aber keine konkreten Handlungsanweisungen beinhaltete, entschied der Stockholmer Reichstag, dass alle Reaktoren bis 2010 abgeschaltet sein sollten. Außerdem wurde ein Verbot von Neubauten verabschiedet.

Einziger konkreter Schritt blieb aber die zweistufige Abschaltung des Atomkraftwerkes Barsebäck bei Malmö 1999 und 2005. Die Zielmarke 2010 wurde schon 1997 aufgegeben, weil die Regierung feststellte, dass bis dahin nicht genügend alternative Energiequellen erschlossen sein würden.

  • contratom.de – Auch kein AKW-Neubau in Schweden
    7. Juli 2011 – Vattenfall gibt auf: Auch in Schweden wird kein neues Atomkraftwerk gebaut. Dank des Ausbaus der Erneuerbaren Energien rechnet sich ein neuer Reaktor nicht mehr, denn das Land ist auf dem Weg zum Stromüberschuss.

Quelle (Auszug): kleinezeitung.at, 28.11.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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