.ausgestrahlt-Blog

04.12.2014 | von Jan Becker

Fachtagung zur Sicherheit der niedersächsischen AKW

Wie sicher sind die niedersächsischen Atomkraftwerke? Mit einer Fachtagung in Hameln wollten Experten diese Frage gestern klären. AtomkraftgegnerInnen fordern: Das für das Treffen mit ausschlaggebende Atomkraftwerk Grohnde muss sofort stillgelegt werden.

Die AKW-Betreiber, Behörden und Forschungseinrichtungen beschäftigten sich auf der Tagung mit Alterung, Korrosion und Ermüdungsverhalten einzelner Komponenten der Atomkraftwerke. Anlass der Veranstaltung ist nicht zuletzt ein Störfall im AKW Grohnde: Im Frühjahr waren unter anderem defekte Drosselkörper gefunden worden. Bei der jährlichen Inspektion hat der Betreiber das allerdings übersehen. Niemand hatte bis dahin vermutet, dass bestimmte Federn in den Bauteilen brechen könnten. Doch nach 30 Jahren Betrieb hatte der Werkstoff schlichtweg versagt. Darüber hinaus war ein Generator defekt und musste getauscht werden – ein ungeplanter Betriebsstopp von 2 Monaten war nötig.

Nachdem Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) vergeblich versucht hatte, eine Wiederinbetriebnahme des AKW Grohnde zu verhindern, kündigte er schon im Frühjahr „verstärkte Kontrollen technischer Teile in den beiden noch laufenden Kernkraftwerken Grohnde in Emmerthal und Lingen im Emsland“ an. In der gestrigen Fachtagung unterstrich er dieses Vorhaben erneut. Seine Vermutung: möglicherweise gibt es auch in anderen Bereichen Werkstoffe, „die sich anders verhalten, als vermutet“. Um die Sicherheit bis zum letzten Tag zu gewährleisten, müssten Komponenten auch vorsorglich ausgetauscht werden.

Der Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), forderte „häufigere und strengere Kontrollen“ des AKW Grohnde, das laut Atomausstieg noch bis 2021 in Betrieb bleiben soll. Er befürchtet angesichts des fortgeschrittenen Alters „weitere technische Fehler“. Je älter ein Atomkraftwerk sei, „desto häufiger sind Mangel- und Ausfallerscheinungen“, so Bartels im NRD. Diese Ansicht belegt auch eine Greenpeace-Studie, die sich mit den Alterungsverhalten europäischer AKW beschäftigt hat.

AtomkraftgegnerInnen gehen mit ihren Forderungen noch einen Schritt weiter: Das Atomkraftwerk Grohnde müsse „wegen rissanfälligen Stahls sofort abgeschaltet werden“. Laut der Umweltschutzorganisation Robin Wood erfülle die beim Sicherheitsbehälter verwendete Stahlsorte „WStE 51“ die Anforderungen des TÜV-Weisungsbeschlusses von 1977 nicht. Statt der in den Regeln des Kerntechnischen Ausschusses (KTA) geforderten Zähigkeit von 68 Joule hätten Proben Einzelwerte von lediglich 22 Joule aufgewiesen, berichtet Energiereferent Tobias Darge.

„Bundesweit ist die Stahlsorte WStE 51 außer in Grohnde nur noch im AKW Grafenrheinfeld im Einsatz“, so Darge. „Während Grafenrheinfeld im nächsten Jahr abgeschaltet werden soll, soll das AKW Grohnde aber noch bis Ende 2021 weiterlaufen.“

Quellen (Auszug): robinwood.de, ndr.de, focus.de; 03.12.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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