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12.12.2014 | von Jan Becker

Asse-2: Eiszeit zwischen BfS und Begleitgruppe

Wegen „anhaltenden Streitigkeiten“ zwischen dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und der Asse-2-Begleitgruppe ist die Suche nach einem Zwischenlager für die aus der Asse zu bergenden Abfälle vorerst gestoppt worden. Gleichzeitig erteilt das BfS der Arbeit an einer gemeinsamen Problemlösung eine Absage.

In der Asse lagern 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Sie sollen nach derzeitigen Plänen frühestens im Jahr 2033 aus dem Bergwerk geholt werden. AtomkraftgegnerInnen haben in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass die politisch versprochenen Maßnahmen zügiger beginnen müssen. Zahlreiche Beispiele lassen den Verdacht einer zeitlichen Verschleppung zu. Möglicherweise hat der Betreiber BfS letztlich gar kein Interesse mehr, das Bergwerk zu räumen.

Denn mit der Räumung kommt auf die Bundesregierung ein neues Problem zu: Bis ein passendes Endlager zur Verfügung steht, sollen die Fässer in ein Zwischenlager kommen. Die Suche danach ist nach Angaben des BfS schon im Sommer 2014 eingestellt worden und soll nicht vor August 2015 wieder aufgenommen werden. Interessanterweise muss bis August 2015 auch durch die Bundesregierung im „nationalen Entsorgungsprogramm“ darlegt werden, welche Planungen sie für die Endlagerung des bundeseigenen Atommülls hat. Dazu gehören nach einer kürzlichen „Neuberechnung“ auch der auf etwa 200.000 Kubikmeter geschätzte Asse-Müll. Bis heute gibt es dazu keine offiziellen Angaben sondern nur das Eingeständnis, dass die genehmigten Kapazitäten des für die Endlagerung von schwach- und mittelaktiven Müll vorgesehenen Schacht Konrads zu klein sind.

Um die Lösung der Asse-Havarie möglichst transparent zu gestalten, wurde eine Asse-2-Begleitgruppe (A2B) installiert in der sich vor allem Kritiker befinden. Gemeinsam mit dem Betreiber sollen Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden. Soweit die Theorie. Doch aktuell gibt es Streit um geplanten Betonierarbeiten vor Einlagerungskammern auf der 750-m-Sohle. Kritiker fordern erweiterte Drainage und den Erhalt künftiger Überwachungsmöglichkeiten.

  • Das BfS hat nun verdeutlicht, dass es „strittige Fragen nicht solange diskutieren werde, bis man sich mit der A2B oder Arbeitsgruppe Optionenvergleich Rückholung (AGO) auf eine gemeinsame Position in strittigen Fragen verständigt habe“.

Während bisher immer wieder durch die als „bundesweit einmaligen Begleitprozess“ dargestellte Beteiligungsform suggeriert werde, dass alle Entscheidungen im Einvernehmen zwischen dem Betreiber, Vertretern der Lokalpolitik, Bürgerinitiativen und den Fachleuten in der AGO getroffen werden, habe das BfS „deutlich gemacht, dass dieser Konsens nicht mehr als notwendig erachtet wird“, kritisieren AtomkraftgegnerInnen. Fraglich sei jetzt, ob es Fachfragen oder etwa die Aufgabe des Bergungskonzepts sind, die das BfS zu diesem Schritt bewegt haben.

weiterlesen:

weitere Infos: WAAG – Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe

  • 600.000 Kubikmeter: Bundesregierung prognostiziert viel mehr Atommüll
    18. November 2014 — Schonungslose Neuberechnung des Bundesumweltministeriums haben ergeben: Die Bundesrepublik muss in den nächsten Jahrzehnten viel mehr Atommüll entsorgen als bislang geplant. Erstmalig tauchen in offiziellen Dokumenten Abfälle aus der Urananreicherung und der Asse-II auf. Eine Entsorgungslösung gibt es nicht.
  • contratom.de – Asse: Lauge nur noch 5cm vom Atommüll entfernt
    10. September 2014 – Dramatische Meldung aus dem havarierten Atommüllendlager Asse-2 bei Wolfenbüttel: Der Laugen-Pegelstand ist nach Auswertungen von Atomkraftgegnern nur noch wenige Zentimeter von strahlenden Abfällen entfernt. ROBIN WOOD fordert nun, das Zubetonieren von Teilen des Bergwerk umgehend rückgängig zu machen.
  • contratom.de – Atommüll-Rückholung aus Asse ab 2033
    4. März 2014 – Noch immer ist weitgehend unbekannt, wie es hinter den meterdicken Wänden in dem früheren Bergwerk aussieht, wo die Fässer mit mittel- und schwachradioaktiven Abfällen lagern. Täglich dringt mehr Wasser in das Endlager – und aus Sicht der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) rückt der mögliche Beginn einer Bergung der 126.000 Atommüllgebinde in weite Ferne.
  • Asse weiter undicht
    30. November 2013 — Das Atommülllager Asse ist weiter undicht – radioaktive Lauge findet immer wieder Wege aus den Einlagerungskammern für Atommüll. Ein tragischer Beleg dafür ereignete sich am 7. November.

Quellen (Auszug): spiegel.de, waagwf.wordpress.com; 4./5.12.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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