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05.01.2015 | von Jan Becker

Folgen des Fukushima-GAU: Im Pazifik steigt die Strahlung

Der Beginn der Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima liegt heute fast vier Jahre zurück. Täglich gibt es Meldungen über die Folgen oder Berichte über Komplikationen bei der Bewältigung des GAU – und immer wieder auch Versuche, diese kleinzureden.

Weltweit beobachten Wissenschaftler mögliche Spätfolgen oder Ereignisse im Zusammenhang mit den Fukushima-Unfällen. Kürzlich wurde in Kanada ein Studie veröffentlicht, laut der die Werte der Cäsium-Isotope 134 und 137 im Wasser des Nordpazifik vor Nordamerikas Küste gestiegen sind. Da die radioaktiven Teilchen hauptsächlich in den Wasserschichten der oberen 150 Meter transportiert werden, erreichen sie auch küstennahe Gebiete. Das Forscherteam des Bedford Institute of Oceanography in Dartmouth erwartet in den kommenden Jahren eine weitere Zunahme der Strahlung, spricht aber von keiner Gefahr für Menschen und Ökosystem.

Anders klingt ein Artikel der Netzfrauen: Eine „riesige radioaktive Wasserblase“ würde im März 2016 Kalifornien erreichen. Doch obwohl ein Höchststand der Strahlung erst noch zu erwarten sei, gäbe es schon heute fatale Folgen für die Meeresbewohner. Nachweisbar seien Veränderungen etwa in der Population der Seelöwen, bei Rotlachsen oder Blauflossen-Thunfischen. Zwischen Hawaii und der Westküste der USA konnte Cäsium 137 in „sehr große Mengen“ in Plankton nachgewiesen werden.

Die Meeresfauna sei durch die Fukushima-Katastrophe „tödlich betroffen“, berichten die „Netzfrauen“. Laut Daten des National Geographic und der National Acadamy of Sciences sei im Juli 2012 ein Bereich 145 Meilen von der kalifornischen Küste entdeckt worden, in dem 98% des überprüften Meeresbodens mit toten und zerfallenden Meereskreaturen bedeckt war. Im März seien es nur 1% gewesen. Doch ein Zusammenhang mit Fukushima wird bestritten, denn offiziell sei die Radioaktivität in den USA „noch nicht angekommen“.

Auf dem Gelände der havarierten Reaktoren in Japan bereiten vor allem die riesigen Mengen radioaktiv verseuchten Wassers dem Betreiber TEPCO Probleme. Hunderte Tonnen Abwässer werden täglich ins Meer gepumpt, immer wieder kommt es im Bereich von Lagertanks zu Leckagen. Fast 1.000 dieser Behälter mit einer Kapazität von 560.000 Kubikmeter wurden bereits errichtet. Eine Abschottung gegen das Eindringen von immer mehr Grundwasser in die Reaktoren erweist sich als sehr schwierig. TEPCO spricht heute von Abrisskosten in Höhe von 80 Milliarden Dollar und einer Dauer von 40 Jahren.

Die tatsächlichen Folgen des GAU und die weitreichenden Wirkungen wie etwa auf das Leben im Meer sind schwer zu ermitteln. Viele Effekte lassen sich erst Jahre nach Beginn des Unfalls feststellen und ein Zusammenhang mit dem Atomunfall wird von der Atomlobby mit Unterstützung aus der Politik bewusst verschleiert. Denn Japan will in diesem Jahr seine Atomkraftwerke reaktivieren.

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Quellen (Auszug): netzfrauen.org, sueddeutsche.de, welt.de, 14./16.12.2014/03.01.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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