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19.03.2015 | von Jan Becker

AKW Brunsbüttel: Einwendungen gegen Rückbau und weiteres Atommülllager

Am abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ist der Bau eines weiteren Atommülllagers geplant. Gegen dieses Vorhaben und die Rückbaupläne sammeln AtomkraftgegnerInnen der Initiative „Brokdorf-akut“ zur Zeit Einwendungen.

Die Sammeleinwendung richtet sich gegen den Antrag des Betreibers Vattenfall für den Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Stoffe (LasmA) und gegen den Antrag zur Stilllegung und zum Abbau des AKW Brunsbüttel. Wie an anderen Atomstandorten, an denen in den kommenden Jahren Meiler zurückgebaut werden sollen, richtet sich die Kritik vor allem auf die unkalkulierbaren Abfallmengen und die geplante Freisetzung großer Mengen in den Materialkreislauf.

Es sei „unmöglich zu beurteilen“, ob Menschen durch den geplanten Abriss des AKW Brunsbüttel in ihren Rechten verletzt würden, urteilen die AktivistInnen. Denn es fehle ein radiologisches Gesamtkataster – und es sei auch nicht geplant ein Gutachten über die zu erwartende Strahlenbelastung vorzulegen. Der Betreiber Vattenfall wolle aber radioaktive Gase und Staube über den Kamin ableiten, die bis zu 100mal höher sein, als die im Leistungsbetrieb getätigten Emissionen. Eine Begründung dafür fehlt. Für LasmA beantragte Vattenfall die Einlagerung von Müll mit einer Strahlungsintensität von bis zu 500 000 000 000 000 000 radioaktiven Zerfällen pro Sekunde. Da ein Gesamtkataster fehle und keine konkreten Angaben über den Verbleib der radioaktiven Abfälle vorliegen, „sei nicht nachgewiesen, dass ein derart großes Lager benötigt wird“, heisst es in der Einwendung.

Bei soviel Unklarheit sei eines aber offensichtlich: Der Verstoß gegen das gesetzlich verankerte Strahlenminimierungsgebot. „Das Dekontaminieren der radioaktiv verseuchten Materialen stellt eine enorme Strahlengefahr für die ausführenden Mitarbeiter dar“, warnen die Verfasser der Einwendung.

„Vattenfall will sich einen Freibrief ausstellen lassen, um (End)Lagerkapazität einzusparen“, attestieren die AktivistInnen. „Der Missbrauch von Mensch und Umwelt als Abfalldeponie stellt die billigere Entsorgungsmöglichkeit dar. Dies gilt es zu verhindern.“

Die Unterschriftenliste mit dem Einwendungstext kann hier als pdf heruntergeladen werden. Bis zum 20.4.15 werden die Listen gesammelt und sollen am 24.4. im Stadtbauamt Brunsbüttel abgegeben werden.

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Quelle (Auszug): brokdorf-akut.de, 19.3.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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