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17.06.2015 | von Jan Becker

Französisches AKW Fessenheim: Präsident Hollande bricht Abschalt-Versprechen

Das direkt an der deutschen Grenze stehende und älteste Atomkraftwerk Frankreichs wird vermutlich doch nicht bis Ende 2016 abgeschaltet. Präsident Hollande wird damit sein Wahlversprechen brechen, Fessenheim stillzulegen.

Sophie Letournel, seit letztem Jahr Leiterin der Straßburger Abteilung der französischen Atomaufsicht („Autorité de sûreté nucléaire“, ASN), hält den angekündigten Termin für die endgültige Abschaltung der beiden AKW-Blöcke am Rhein für „nicht mehr haltbar“. Der Energiekonzern EDF habe der Atomaufsicht noch keinen Beschluss über die Schließung eingereicht. Es würden erst daraufhin „langwierige Verwaltungsverfahren“ folgen, die bis zu fünf Jahre dauern könnten. In diesem Zeitfenster dürfte das Kraftwerk weiter in Betrieb bleiben.

Die ASN fordert allerdings von EDF gründlichere Instandhaltungsarbeiten. Zudem müssten „hunderte von Millionen Euro“ in das Kraftwerk investiert werden, um es auf den nach Fukushima geforderten Sicherheitsstand zu bringen.

Auf einer kürzlichen Zusammenkunft des „Trinationalen Atomschutzverbands“ (Tras) in Freiburg im Breisgau wurde in Vorträgen dargestellt, dass es vor allem die ökonomischen Fragen seien werden, die Fessenheim am stärksten unter Druck setzen. Neue Investitionen könnten gar nicht amortisiert werden, weil das Kraftwerk nach wenigen Jahren schon wieder eine neue Betriebsgenehmigung braucht und dem Sicherheitsstandard eines neuen AKW entsprechen müsste.

Neue gesetzliche Regelungen schreiben in Frankreich nach 40 Jahren Betriebszeit ein neues Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit Anhörungsverfahren durch die ASN vor. Danach muss es alle fünf Jahre erfolgen. Beide Blöcke des AKW Fessenheim wurden 1977 in Betrieb genommen und werden also in zwei Jahren diese Grenze überschreiten.

AtomkraftgegnerInnen warnen Präsident Holland und erinnern an sein Wahlversprechen, Fessenheim Ende 2016 zu schließen: Wolle er 2017 Präsident bleiben, dann brauche er auch die Stimmen der grünen Wähler.

weiterlesen:

  • Bericht zur 100%-Versorgung in Frankreich
    14. April 2015 — Veröffentlichung von atomkritischer Studie abgesagt: Ein Bericht der regierungsnahen französischen Umweltagentur Ademe (Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie) erklärte die Atomenergie für völlig ersetzbar.
  • Französische Umweltministerin: Fessenheim geht „ab 2017“ vom Netz
    3. März 2015 — Am vergangenen Wochenende machte das älteste Atomkraftwerk Frankreichs, das sich direkt an der deutschen Grenze befindet, erneut Schlagzeilen. Nachdem die Regierung sich über Monate nicht mehr auf eine versprochene Stilllegung festlegen wollte nun die Ankündigung, der Schrottmeiler solle „ab 2017“ vom Netz gehen.
  • Frankreich: Atomrenaissance geht in Konkurs
    25. November 2014 — Der “Europäische Druckwasserreaktor” (EPR) sollte Areva den ganz großen Durchbruch auf dem international umkämpften Markt um den Bau von neuen Atomkraftwerken bringen. Doch nun steht der französische Atomkonzern vor der Pleite.

Quellen (Auszug): bzbasel.ch, dpa; 12./16.6.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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