.ausgestrahlt-Blog

14.07.2015 | von Jan Becker

Letzter Plutoniumtransport für Niedersachsens AKW gerollt

Es ist ein Hammer: Unter der Überschrift „Keine Transporte mehr mit MOX-Brennelementen in niedersächsische AKW“ verkündet Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel, dass vor Kurzem einer dieser Plutoniumtransporte durchgeführt wurde.

Ende Juni sei „der letzte Transport von sogenannten Mischoxid-Brennelementen (MOX-BE) in ein niedersächsisches Atomkraftwerk erfolgt“, berichtet das Umweltministerium (NMU). Empfänger von 24 dieser hochumstrittenen Brennelemente sei das Atomkraftwerk Emsland bei Lingen gewesen. Absender der MOX-BE war das Areva-Werk im belgischen Dessel, das nun geschlossen werde. Die „letzten 12 angelieferten Brennelemente werden voraussichtlich beim nächsten Brennelemente-Wechsel im Jahr 2016 eingesetzt“, schreibt das NMU. Insgesamt wurden seit der Inbetriebnahme von Emsland im Jahre 1988 156 MOX-BE ausgeliefert.

Die Transporte sowie der Einsatz dieser Brennelemente in AKW sind heiß umstritten. Die MOX-BE enthalten das Ultragift Plutonium, das bei der Wiederaufarbeitung von Atommüll extrahiert wird. Geringste Mengen sind absolut tödlich. Neben Gefahren bei Transportunfällen sehen KritikerInnen auch beim Einsatz in AKW größere Risiken als bei der Verwendung von herkömmlichen Uranbrennelementen. Außerdem ist Plutonium Grundlage für den Bau von Atombomben. 2012 behinderten AtomkraftgegnerInnen mehrfach eine Lieferung für das AKW Grohnde über den niedersächsischen Hafen Nordenham.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat sich zwar gegen MOX-Brennelemente eingesetzt, doch weiterhin werden sowohl das AKW Grohnde als auch das AKW Emsland damit betrieben. In Grohnde wurden die MOX-BE letztmalig während der Revision 2014 eingesetzt. Danach lagern die Plutonium-Stäbe noch Jahre in den internen Lagerbecken. Beim GAU von Fukushima machte diese Tatsache in Reaktorblock 4 größte Probleme.

Es ist natürlich ein Erfolg, dass in Zukunft beide Meiler ein „kleines bisschen weniger risikoreich“ sind. Doch der nächste wichtige Schritt ist der Verbot von MOX-Transporten über niedersächsische Häfen, Straßen und Schienen. Auch muss Wenzel seine LänderkollegInnen drängen, sich ebenfalls für den Verzicht von MOX in den sechs anderen noch laufenden Meilern einzusetzen. Das gilt besonders für Bayern – im dortigen AKW Gundremmingen wurden gerade MOX-BE installiert.

Parallel zu diesen Ereignissen fordert Niedersachsen von einem Aktivisten, der im November 2012 gegen den Transport von MOX-BE protestierte, 20.000 Euro Schadensersatz. Seine Aktion, eine Ankettblockade unter einem der Lkw kurz vor deren Ziel in Grohnde, ist spätestens jetzt politisch legitimiert.

weiterlesen:

  • Hintergrund: Was ist MOX?
    Warum sind diese Brennelemente so gefährlich? Hier findest Du die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um Plutonium-Transporte in Atomkraftwerke.
  • Hafensperrung für Atomtransporte: Bundesverfassungsgericht soll entscheiden
    10. Juli 2015 — Das Bremer Betriebshafengesetz verbietet seit 2012 den Umschlag von Kernbrennstoffen in den Häfen von Bremen und Bremerhaven. Der Wirtschaftsverband Kernbrennstoff-Kreislauf und Kerntechnik e.V. (WKK) zog dagegen vor Gericht. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Die nächsten Jahre bleiben Atomtransporte somit verboten.

Quellen (Auszug): umwelt.niedersachsen.de, grohnde.wordpress.com; 7./11.7.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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