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16.07.2015 | von Jan Becker

Auslaufmodell Atomkraft: Report liefert Zahlen

Der „World Nuclear Industry Status Report“ beschreibt einmal im Jahr die weltweite Entwicklung der Atombranche und nimmt kritische Bewertungen vor. Auch 2015 kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis: Die Atomenergie ist ein Auslaufmodell, weltweit befindet sie sich auf Talfahrt.

Der am 15. Juli in London vorgestellte Bericht beschreibt die desolate Situation der Atombranche. Unzählige Atomkraftwerke sind überaltert und müssen deshalb bald vom Netz, mehr als die Hälfte der Reaktoren sind bereits länger als 30 Jahre in Betrieb. Zahlreichen Ländern fehlt der Umgang mit diesem Sicherheitsrisiko.

Diverse Atomkonzerne befinden sich in einer finanziellen Krise. So ist beispielsweise der Aktienkurs des einst führenden französischen Unternehmens AREVA im Vergleich zu 2007 um 90% eingebrochen. Auch werden AKW-Neubauten kaum mehr in Angriff genommen. Grund dafür sind u.a. Kostenexplosionen und jahrelange Verzögerungen bei den bereits im Bau befindlichen Reaktoren. Bei 47 der 62 Reaktorbauten gab es Verzögerungen, fünf der Meiler sind bereits seit über 30 Jahren in Konstruktion. Bislang konnte weltweit noch kein einziges AKW der Generation III+ fertig gestellt werden.

Der Statusreport zeigt auch, wie in verschiedenen Ländern das Ende der Atomkraft-Ära naht: Schweden will ältere AKW früher als geplant herunterfahren, Frankreich hat beschlossen den Atomstrom-Anteil von heute 77% auf 50% bis 2050 zu senken. Deutschland und Belgien haben einen genauen Ausstiegsplan bis 2022 bzw. 2025.

weiterlesen:

  • Mehrheit hält Atomkraft für unsicher
    28. April 2015 — Laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov, internationales Marktforschungs- und Beratungsinstitut, hält die Mehrheit der Deutschen Atomkraft für „unsicher“ und befürwortet den Atomausstieg.
  • Kosten für AKW-Abriss: Das dicke Ende kommt noch
    17. November 2014 — Altersbedingt sollen in den kommenden Jahrzehnten weltweit rund 200 Atomreaktoren stillgelegt werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit gewaltigen Kosten von mehr als 100 Milliarden Dollar – und warnt davor, dass die betroffenen Länder, darunter auch Deutschland, darauf nicht ausreichend vorbereitet seien. Zudem gebe es weltweit kein Endlager für hochradioaktiven Müll.

Quelle (Auszug): worldnuclearreport.org, ee-news.ch; 16.7.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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