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06.08.2015 | von Jan Becker

70 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki

Mit einem Appell zum Frieden und zur Abschaffung aller Atomwaffen gedenken in dieser Woche Menschen in aller Welt den Opfern der Atombombenabwürfe auf Hirsohima und Nagasaki. 70 Jahre nach diesen grausamen Ereignissen ist die Gefahr eines Nuklearkriegs dennoch so groß wie nie.

In einem Friedensappell forderten Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Abschaffung aller Atomwaffen: „No more Hiroshimas. No more Nagasakis.“

Am 6. August 1945 wurde über Hiroshima die weltweit erste Atombombe gegen die zivile Bevölkerung eingesetzt. Von den 350.000 Bewohnern starben mehr als 70.000 Menschen sofort, bis Ende Dezember 1945 erhöhte sich die Zahl der Toten auf 140.000. Am 9. August warfen die Amerikaner eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Bis heute soll es schätzungsweise 400.000 Opfer geben, etliche starben qualvoll an den Folgen der Verstrahlung. Die Überlebenden leideten weiter – physisch und psychisch.

Nach dem Wettrüsten zu Zeiten des Kalten Krieges und der anschließend beschlossenen Abrüstung ist laut dem schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) die Gefahr eines nuklearen Kriegs trotzdem „gegenwärtig so groß wie nie“. Nicht nur die neun Atommächte arbeiten derzeit an Neuentwicklungen, sondern auch „unberechenbare“ Staaten wie Nordkorea oder Pakistan. Die Gesamtzahl der Sprengköpfe ging zwar im Vergleich zu 2014 von weltweit 16.350 auf 15.850 zurück. Die Zahl einsatzbereiter Waffen stieg jedoch von 4.000 auf 4.300. Nach Auskunft des Instituts seien 1.800 dieser Waffen „in besonders hoher Einsatzbereitschaft“.

Die „zivile Nutzung” der Atomkraft, also die Stromproduktion in Atomkraftwerken, steht in direktem Zusammenhang mit der Herstellung von Atomwaffen. Elektrische Energie war damals in den USA eher als ein Nebenprodukt der Bombenstoffproduktion entstanden. Unter dem Eindruck der US-Doktrin „Atoms-for-Peace” von 1953 starteten zahlreiche Länder offiziell ein rein ziviles Atomprogramm, obwohl es ihnen um den Zugang zur Bombentechnologie ging. Mit einer umfassenden Lobbykampagne gelang es der Atomindustrie nach den Atombombenabwürfen, Reaktoren gegenüber der Bombe als „beherrschbar“ darzustellen. Allein Japan errichtete 54 Meiler und redete der Bevölkerung ein, sie seien „absolut sicher“.

„Fukushima lässt uns für den Wahn büßen, die atomaren Gewalten berechenbar und beherrschbar machen zu wollen“, sagte der verstorbene IPPNW-Gründer Horst-Eberhard Richter 2011 in seiner letzten großen Rede. Auf grausame Weise habe die Havarie des AKW diese Lügen beendet.

Als logische Konsequenz aus dem Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Atombomben bedeutet die Forderung „Abschaffen aller Atomwaffen“ auch „Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit!“.

weiterlesen:

  • Keinen Cent für Atomwaffen!
    10. November 2014 — Mit einer Kampagne wollen AtomkraftgegnerInnen erreichen, dass sich deutsche Banken aus dem Geschäft mit Atomwaffen zurückziehen. Die Aktion kann aktuell mit einer Protestmail an betroffene Konzernvorstände unterstützt werden.

Quellen (Auszug): dpa, rp-online.de; 1./6.8.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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