.ausgestrahlt-Blog

15.10.2015 | von Jan Becker

Schwedens langsamer Abschied von der Atomkraft

Noch vor einigen Jahren gab es in Schweden AKW-Neubaupläne, doch heute fehlt es den Reaktoren an Wirtschaftlichkeit. Aktuell bestätigte der Betreiber des Atomkraftwerks Oskarshamn die Stilllegung von zwei Meilern.

Am Standort Oskarshamn sollen zwei der drei Reaktoren stillgelegt werden, hat nun der Betreiber OKG, an dem der deutsche Energiekonzern E.ON mehrheitlich beteiligt ist, offiziell bekannt gegeben. Block 1, der seit 1971 in Betrieb ist, soll bis zum Jahr 2019 für immer vom Netz. Einen konkreten Zeitplan für den benachbarten und nur drei Jahre jüngeren Block 2 nannte OKG nicht.

Block 2 steht aber schon seit 2013 vorwiegend still. Eigentlich war ein umfangreiches Modernisierungs- und Leistungssteigerungsprogramm geplant gewesen, bereits 850 Millionen Euro sind investiert worden. Diese Pläne sind nun endgültig vom Tisch und die „Abwicklungsphase“ hätte bereits im Juni eingeleitet werden sollen. Es fehlte da noch die aktuell ergangene formale Bestätigung durch den Betreiber.

Das AKW Oskarshamn machte in der Vergangenheit mehrfach brisante Schlagzeilen. So wurde das Kraftwerk im Dezember 2012 von der schwedischen Atomaufsichtsbehörde zwangsabgeschaltet und unter „besondere Aufsicht“ gestellt, es drohte der Entzug der Betriebserlaubnis. Der Betreiber hatte „mehrere Sicherheitsprobleme nicht in den Griff bekommen“, unter anderem waren Notstromgeneratoren für die Kühlung in Block 1 zehn Jahre lang nicht betriebsbereit gewesen.

Bereits im Juni 2013 hatte E.ON die Absicht zum Verkauf seiner Anteile an Oskarshamn geäußert. Zwei Jahre später kündigte der Konzern dann die Abschaltung von Block 1 und 2 an, weil beide Kraftwerke im letzten Jahr hohe Verluste eingefahren hatten. Es würden die „wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Betrieb über das Jahr 2020 hinaus“ fehlen, so E.ON im Juni. In Schweden ist eine sog. „Effektsteuer“ für Atomkraft fällig, was „Rentabilitätsprobleme vor allem für kleine Reaktoren“ verursache.

Doch der Atomausstieg kommt für Schweden viel zu langsam. Im aktuellen .ausgestrahlt-Rundbrief hat sich Reinhard Wolff damit befasst und meint: „Seit fünf Jahren eigentlich sollte Atomkraft in Schweden der Vergangenheit angehören. Alle 12 Atommeiler bis 2010 abzuschalten – dafür hatte eine Mehrheit der Bevölkerung beim Atomkraftreferendum 1980 votiert. Es kam bekanntlich anders…“ – zum Artikel

USA: Marktbedingungen zwingen zu Stilllegungen

Mit dem AKW Pilgrim im US-Bundesstaat Massachusetts soll ein weiterer Reaktor „spätestens am 1. Juni 2019“ stillgelegt werden. Aufgrund „der Marktbedingungen und den steigenden Kosten“ habe sich der Betreiber Entergy „widerwillig dazu entschlossen“, das Kraftwerk abzuschalten, sagte Konzern-Chef Leo Denault. Eigentlich hatte die US-Atombehörde den Weiterbetrieb des 43 Jahre alten Meilers bis 2032 genehmigt.

weiterlesen:

  • Schweden verabschiedet sich von der Atomkraft
    8. Juli 2015 — Schweden plante Laufzeitverlängerungen, Leistungserhöhung bei bestehenden Meilern und AKW-Neubauten. Das alles ist vom Tisch. Aus wirtschaftlichen Gründen sollen kleinere Reaktoren nun sogar vorzeitig stillgelegt werden.
  • Kein Ausbau der Atomkraft in Schweden
    2. Dezember 2014 — Deutschland ist kein Einzelfall: Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hat alle Pläne zum Ausbau der Atomenergie in Schweden auf Eis gelegt. Das Land will den Atomausstieg.

Quellen (Auszug): klimaretter.info, zeit.de, de.atomkraftwerkeplag.wikia.com, bizzenergytoday.com; 14.10.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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