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29.10.2015 | von Jan Becker

AKW Unterweser: Einspruch gegen Abriß- und Neubaupläne

Der Arbeitskreis Wesermarsch ruft zu Einwendungen gegen die Pläne des AKW-Betreibers E.ON auf, der am Standort Unterweser den abgeschalteten Meiler zurückbauen und ein neues Atommülllager errichten will.

Zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November 2015 sind die 700-Seiten starken Antragsunterlagen des Energiekonzerns E.ON öffentlich ausgelegt. Darin beschreibt E.ON, Betreiber des AKW an der Weser, wie der alte Meiler abgebaut werden soll. Zur Erlangung der ersten atomrechtlichen Genehmigung ist ein umfangreiches atomrechtliches Genehmigungsverfahren durchzuführen. Bestandteil ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Somit ist es allen Bürgerinnnen und Bürgern möglich, inhaltliche Kritik an den Plänen in Form einer Einwendung zu üben. Anfang 2016 soll der mündliche Erörterungstermin in der Markthalle Rodenkirchen stattfinden.

Die AktivistInnen aus der Wesermarsch haben zur Vereinfachung eine Sammeleinwendung erstellt, die mitgezeichnet werden kann. Als besonders brisant wird erachtet, dass E.ON im Dezember 2015 die Anträge um den Punkt erweiterte, den Abbau mit noch in der Anlage vorhandenen Brennelementen bereits beginnen zu wollen. Die KritikerInnen fordern, dass alle Brennelemente wie auch die Defektstäbe „vor einem potentiellen Abrissbeginn zu entfernen“ seien. Damit würden mehr als 95% der Gesamtradioaktivität aus der Anlage entfernt und so folgenschwere Unfälle gebannt. Denn es mangelt dem Reaktor an Terrorschutz und Sicherheit gegen Umwelteinflüsse. So lange die heissen Brennstäbe im Reaktor sind, müssen die Kühlanlagen ausnahmslos funktionieren – ansonsten droht möglicherweise eine Kernschmelze im Abklingbecken.

Außerdem hat E.ON beantragt, die Abgabemengen an radioaktiven Gasen und Stäuben über Kamin, Festabfälle und Abwasser in die Weser gegenüber des Leistungsbetriebs zu erhöhen. Dafür fehle jedoch eine Begründung. Es mangele auch an „schlüssigen Strahlenminimierungskonzepten“, „hinreichende Artenschutzrechtliche Strahlenminimierungsansätze für die auch das AKW umfassenden Europäischen Vogelschutzgebiete und Natura 2000 Gebiete“ fehlen sowie Angaben zum Verbleib der „freigemessenen“ Abfälle, die in der Regel auf Bauschuttdeponien landen.

Nach dem Brunsbüttel-Urteil, welches dem dortigen Standortzwischenlager die Betriebserlaubnis entzog, halten die AktivistInnen zudem auch das baugleiche Zwischenlager in Unterweser für „illegal“ – und widersprechen einer Einlagerung des Atommülls. Es bleibt vor einem Abbau also zu klären, wo die hochradioaktiven Abfällen überhaupt gelagert werden sollen. Für den von E.ON geplanten Neubau einer Lagerhalle für schwach- und mittelaktiven Müll fehle es neben Sicherheitsvorkehrungen auch um eine „Festlegung der Laufzeit“. Wie bereits an anderen AKW-Standorten gleichlautend wird auch für Unterweser vor allem ein „radioaktives Gesamtkataster“ gefordert, in dem alle Abfallstoffe und -ströme aufgezählt sind.

weiterlesen:

  • AKW-Abriss: Kein Plan für den Bauschutt
    31. März 2015 — Beim Abriss eines Atomkraftwerks fallen tausende Tonnen Material an. Offiziell gilt es nicht mehr als „radioaktiv“ und darf kostengünstig für die Betreiber als „Bauschutt“ auf Deponien abgekippt werden. Doch im ganzen Land regt sich Widerstand gegen diese Art der Atommüll-Entsorgung. Die Landkreise sind planlos, so deckt der NDR in seiner aktuellen Sendung auf.
  • Experte zweifelt an der sicheren Finanzierung des AKW-Rückbaus
    12. Dezember 2014 — Eon-Chef Johannes Teyssen ist sich sicher, dass trotz der angekündigten Konzernaufspaltung die gebildeten Rückstellungen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls ausreichen werden. Im Gegenteil habe eine Prüfung ergeben, dass bislang mit zu hohen Kosten gerechnet wurde. Ein Experte zweifelt das an.

Quellen (Auszug): aktion-z.de, umwelt.niedersachsen.de; 29.10.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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