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08.11.2016 | von Jan Becker

Klimaschutz in Europa ist ohne Atomkraft möglich

Ein vollständiger Atomausstieg in Europa bis 2050 würde weder die Klimaschutzziele noch die Versorgungssicherheit gefährden, so das Fazit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin. Setze die EU weiter auf Atomkraftwerke, werde die Stromproduktion künftig die teuerste Variante zur Herstellung von Elektrizität.

Plakat Mehr Tempo beim Atomausstieg

Kurz vor der laufenden Klimakonferenz von Marrakesch haben die Fachleute in der vergangenen Woche eine Studie vorgelegt, die sehr deutlich für einen europaweiten Atomausstieg spricht: Neue Simulationen, die auf früheren Szenarioberechnungen aufbauen und um aktuelle Daten und Rahmenbedingungen ergänzt wurden, prognostizieren für 2050 einen Preis für Energie aus Kernspaltung von gut 12 Cent pro Kilowattstunde. Diese Kosten liegen deutlich höher als die Stromerzeugung in Kohle- und Gaskraftwerken oder durch erneuerbare Energien, so die Studie.

„Die Atomkraft ist eine Technologie der Vergangenheit, die ohne Subventionen nicht wettbewerbsfähig war und es auch niemals sein wird - selbst dann nicht, wenn man die Umweltrisiken und die Entsorgung des Atommülls außen vor lässt“, sagt die Energieökonomin Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin.

Atomausstieg auch in Frankreich machbar

Das Institut hat außerdem Modellrechnungen für Frankreich und England angefertigt und weist für diese Länder nach, dass der Atomausstieg sogar die kostengünstigste Variante für die Energieversorgung der Zukunft darstellen könnte. Nach 2030 würde ein Großteil der benötigten Energie durch Windkraftanlagen oder Photovoltaik erzeugt werden, 2050 wäre Atomkraft selbst in Frankreich nicht mehr nötig.

„Unsere Modellrechnungen bestätigen erneut, dass die Atomkraft in Europa nicht gebraucht wird“, sagt Christian von Hirschhausen, Forschungsdirektor für internationale Infrastrukturpolitik und Industrieökonomie am DIW Berlin und Professor an der TU Berlin.

Die Europäische Kommission nimmt im Gegensatz in ihrem aktuellen Referenzszenario aus dem Jahr 2016 einen hohen Anteil von Atomenergie am europäischen Strommix der Zukunft an. So sollen für den Zeitraum von 2030 bis 2050 etwa 50 Atomkraftwerke neu gebaut werden. Die EU sei auch gegen den Widerstand vieler Menschen in den betroffenen Ländern „auf dem Holzweg“, so von Hirschhausen.

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Quelle (Auszug): fr-online.de, diw.de, 2.11.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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