.ausgestrahlt-Blog

25.04.2018 | von Jan Becker

Angerostet oder beschädigt

Die Bestandsaufnahme im Abfalllager in Gorleben ist beendet. 26 Fässer mit Atommüll sind beschädigt. Laut Atomaufsicht besteht „kein Anlass zur Besorgnis“.

November 2016: Atomtransport zum Zwischenlager Gorleben
Foto: BI Lüchow-Dannenberg November 2016: Atomtransport am Zwischenlager Gorleben

In Norddeutschland rollt eine Welle von Atomtransporten: Bis Ende des nächsten Jahres soll eine Zwischenlagerhalle in Gorleben geräumt werden. Darin befanden sich 1.300 Fässer mit radioaktivem Müll aus Atomkraftwerken, Medizin oder Forschung. Bis März wurden bereits 725 Behälter abtransportiert. Ziel für die restlichen 584 Gebinde ist das Transportbehälterlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen, wo sie erneut in einer Zwischenlagerhalle unterkommen. Bis „spätestens Mitte 2019“ sollen die LKW-Transporte stattfinden.

26 Fässer beschädigt - aber dicht

Nachdem in einigen Atomkraftwerken beschädigte Fässer gefunden wurden, ordnete der damalige niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) eine Untersuchung in Gorleben an. Der Betreiber reichte Klage gegen die angeordneten Maßnahmen ein. Zwischen März 2016 und Februar 2017 wurden dennoch alle 1.309 Fässer im Abfalllager inspiziert. Gefunden wurden 26 beschädigte Behälter, wurde nun aus einer Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Miriam Staudte (Grüne) bekannt. 17 seien korrodiert, bei den übrigen wurden „Deformierungen oder abgeplatzte Farbe“ festgestellt. Zwei der Fässer seien 2017 geöffnet worden. Als Ursache für die Korrosion wurde Restfeuchtigkeit am Fassboden ermittelt.

Seit August 2017 ist die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) verantwortlich für das Zwischenlager. Für die niedersächische Atomaufsicht besteht „kein Anlass zur Besorgnis“. Denn die „Dichtheit" aller Fässer sei gewährleistet, so das Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Präventiver Protest in Braunschweig

Laut Ministerium soll der Atommüll in sogenannte „Konrad-Container“ verpackt werden. Dafür nötig ist eine entsprechende Konditionierungsanlage. Allein die umstrittene Braunschweiger Firma Eckert & Ziegler besitzt die Lizenz für solche speziell genormten Container. Atomkraftgegner*innen haben deshalb schonmal Protest gegen eine „Atomdrehscheibe Braunschweig“ angekündigt. Die Firma beteuert hingegen, sie habe sich nicht für diese Aufträge beworben...

Perspektivlose Atommüll-Verschiebung

Der Atommüll war teilweise 1999 für eine Frist von 20 Jahren in Gorleben eingelagert worden. Damals fokussierten sich die Planungen der Bundesregierung für ein zentrales Atommülllager auf den Salzstock unmittelbar unter dem Zwischenlager. Bekanntlich ist diese Vorfestlegung durch den „Neustart“ der Suche nach einem Atommülllager erstmal relativiert.

Nach dem Stopp der Castortransporte nach Gorleben, die jährlich zur Kraftprobe der Anti-Atom-Bewegung gegen die staatliche Atommüll-Politik wurden, könnte auch diese Auslagerungskampagne als „vertrauensbildende Maßnahme“ aufgefasst werden. Doch sie blendet.

In Ahaus kann der Müll nämlich auch nicht bleiben. Die Zwischenlagerung ist auch dort zeitlich befristet. Am Ende soll die Reise des Mülls in den Schacht Konrad bei Salzgitter gehen, wo entgegen aller Zweifel sämtlicher schwach- und mittelaktiver Atommüll eingelagert werden soll. Die Inbetriebnahme ist jedoch völlig unklar. Zeitliche Plaungen wurden in der Vergangenheit immer wieder korrigiert. Atomkraftgegner*innen haben massive Sicherheitsbedenken und warnen vor unkalkulierbaren Spätfolgen.

Damit sind die vielen Atommülltransporte aus dem Wendland nach Ahaus eine „perspektivlose Atommüll-Verschiebung“.

weiterlesen:

  • Niedersächsische Atomaufsicht hat Vertrauen verspielt
    17.04.2018 - Atomkraftgegner*innen um das Zwischenlager Leese in Niedersachsen haben jedes Vertrauen in die Atomaufsichtsbehörde verloren: Bisher war geheim gehalten worden, dass nicht sieben sondern fast 450 Fässer mit Atommüll „nachbehandelt“ werden müssen. Möglicherweise sind viele defekt. Auf die Region rollt eine Welle von zusätzlichen Atomtransporten zu.

  • Zwischenlager: Diebstahl nicht ausgeschlossen
    13.04.2018 - Ein Gutachten hält es für möglich, dass jemand in das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus eindringen, einen Brennstab aus einem Castorbehälter entnehmen und damit wieder aus dem Lager entkommen könnte. Ein apokalyptisches Szenario. Denn der Inhalt von Behältern, die 2019 angeliefert werden sollen, könnte zum Bau einer Atombombe genutzt werden. Die Bundesregierung schließt hingegen jedes Risiko aus - und kündigt wesentlich längere Betriebszeiten der Lagerhallen an.

  • Gorleben: Der Widerstand ist hellwach
    04.01.2018 - Seit Jahresanfang wird Gorleben offiziell nicht mehr erkundet sondern „nur noch“ für ein künftiges Atommüll-Lager „offen gehalten“. Atomkraftgegner*innen schlagen nun ein Mahnmal für die verkorkste Suche vor.

Quellen (Auszug): rtl.de, ndr.de, umwelt.niedersachsen.de, DR 18/734; 23./24.4.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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