.ausgestrahlt-Blog

Vor gut einem Jahr haben sich die AKW-Betreiber mit einer Einmalzahlung von 24 Milliarden Euro aus ihrer Verantwortung für die Atommüll-Lagerung freigekauft. Das Geld landete in einem staatlichen Atomfonds, aus dem nun bis zum Ende des Jahrhunderts alle Kosten getragen werden sollen. Die Zweifel, ob das Geld reicht, wachsen.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters musste die als „Starmanagerin“ gepriesene Fondschefin Anja Mikus nun einräumen, dass die Finanzkraft nach dem ersten Jahr nicht gewachsen ist, sondern schmilzt. Aufgrund von derzeit durchaus üblichen Negativzinsen, etwa wenn das Geld in Staatsanleihen investiert ist, hat der Fonds bisher einen Verlust von 70 Millionen Euro gemacht.

Das ist deswegen so fatal, weil am Ende ja nicht nur 24 Milliarden nötig sind, um die gewaltigen Kosten der Atommüll-Verwahrung zu decken, sondern selbst nach den offiziellen, viel zu niedrig geschätzten Zahlen des Wirtschaftsministeriums, 169 Milliarden. Erreicht werden soll dieser Betrag über die jährliche Verzinsung der Gelder im Fonds. Die AKW-Betreiber hatten mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 4,58 Prozent kalkuliert. Laut Anja Mikus strebt der Fonds 3,3 Prozent an. Im ersten Jahr hat das nun so gar nicht funktioniert.

Aber selbst wenn die 3,3 Prozent irgendwann erreicht würden, geht die Rechnung nicht auf: Die durchschnittliche Inflationsrate der letzten 25 Jahre beträgt 1,7 Prozent. Die Verwaltung eines so großen Vermögens kann auch bis zu einem Prozent des Geldes verschlingen. Die Summe wird also weit weniger wachsen, als notwendig wäre. Und wenn am Ende, wie zu erwarten, die Kosten der Atommüll-Lager doch nochmal deutlich größer werden als geschätzt, dann bleiben riesige Finanzierungslücken. Einspringen muss der Staat. Die Stromkonzerne sind fein raus.

Hintergrund:

 

Jochen Stay

Jochen Stay, Jahrgang 1965, ist seit seinem 15. Lebensjahr aktiv in außerparlamentarischen Bewegungen, seit Wackersdorf 1985 in der Anti-Atom Bewegung und seit 2008 Sprecher von .ausgestrahlt.

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