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18.09.2018 | von Jan Becker

Klimaschutz: USA setzt weiter auf Atomkraftwerke

Amerika fliegt derzeit wieder einmal das Klima um die Ohren: Der Hurrikan „Florence“ sorgt für heftigen Regen und meterhohe Fluten an der Südostküste. Auch Atomanlagen sind betroffen und wurden vorsorglich abgeschaltet. Die USA will dieser Herausforderung perfiderweise mit weiteren Atomanlagen begegnen.

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US-Ostküste: Hurrikan "Florence" trifft auf zahlreiche Atomanlagen

Eine Meldung, die erstmal Mut macht: Der US-Bundesstaat Kalifornien will bis 2045 auf „100 Prozent saubere Energie“ umsteigen und „keine Treibhausgase mehr ausstoßen“. Gouverneur Jerry Brown unterschrieb am 10. September in Sacramento ein Gesetz mit dieser neuen Zielvorgabe. Stromerzeuger*innen müssen demnach in einem ersten Schritt bis 2030 zu 60 Prozent regenerative Stromquellen wie Wind- und Sonnenenergie verwenden. Bis 2045 soll dann das 100-Prozent-Ziel erreicht werden. Kalifornien ist für sich gesehen die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat.

Derzeit findet im kalifornischen San Francisco der „Global Climate Action Summit“ statt, von dem u.a. mit dieser Ankündigung ein „starkes Signal für den Klimaschutz“ ausgehe, so Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Kalifornien leidet unter den größten Waldbränden seit deren Aufzeichnung und ist so von der zunehmenden Realität des Klimawandels selbst stark betroffen. Mit den Beschlüssen setzt sich der Bundesstaat deutlich von den Positionen des US-Präsident Donald Trump ab, der vor allem Kohlekraftwerke fördern und gesetzliche Auflagen für Emissionen lockern will.

Allerdings sollen auch Atomkraftwerke zu diesen „regenerative Stromquellen“ zählen, weil bei der Stromproduktion angeblich kein Kohlendioxid entstehe. Studien belegen das Gegenteil. Auch die Gefahr, die von den Atomanlagen ausgeht, wird dabei außer Acht gelassen, bzw. wird die Gefahr der stärkeren Erderwärmung dem Risiko eines Super-GAU mit großflächiger Verseuchung ganzer Landstriche und einem jahrtausendelang tödlich strahlenden Atommüllberg übergeordnet. Das mag nachvollziehbar sein – der Rückschluss jedoch ist falsch.

  • Atomausstieg und Klimaschutz
    Atomstrom ist kein Klimaretter. 2015 wurde lediglich zwei Prozent des weltweiten Energiebedarfs durch Atomkraft gedeckt – eine solche Nischentechnologie kann das Klima nicht retten. Atomenergie ist zudem keine CO2-freie Stromquelle, sondern hat eine deutlich schlechtere Klimabilanz als z. B. Windenergie.

Hurrikan „Florence“ trifft auf Atomanlagen

Das US-Energieunternehmen Duke Energy hat in Erwartung des Hurrikans „Florence“ an der Südostküste der Vereinigten Staaten sein Atomkraftwerk Brunswick vom Netz genommen. Die Anlage befindet sich direkt an der Atlantikküste, wo mit dem Auftreffen des Hurrikans aufs Festland gerechnet wird. Der Gouverneur des Bundesstaates North Carolina, Roy Cooper, spricht von „katastrophalen Fluten“, die zu erwarten seien. Die Wellen könnten mehrere Meter hoch ausfallen. Der Energieversorger geht davon aus, dass mehrere Millionen Haushalte für Wochen ohne Strom sein werden. Im Einzugsgebiet des Sturmes liegen mindestens fünf weitere Atomkraftwerke.

2012 traf der Tropensturm „Sandy“ unter anderem das älteste AKW der USA, das daraufhin zahlreiche Probleme meldete. Mehrere Meiler waren vorsorglich abgeschaltet worden oder liefen auf Notstromaggregaten. Experten sprachen von „kritischen Zuständen“ und „Risikosituation“. „Ein Atomkraftwerk, das auf Notstromaggregaten läuft, ist immer ein kritischer Zustand“, sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital damals.

Vortragsreise gestartet

Auf die Risiken der Atomenergie und der nuklearen Hinterlassenschaften will auch Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gemeinsam mit amerikanischen Kolleg*innen aufmerksam machen. In Kürze startet sie eine Vortragsreise an der Ostküste der USA sowie in Texas. Mithilfe eines nachgebauten Castor-Behälters soll auf die Missstände aufmerksam gemacht werden, dass auch Amerika keine Lösung für den Atommüll hat. Über tausende von Meilen sollen die Müllbehälter von den AKWs nach Texas und New Mexico transportiert werden. Auch auf das „neue Märchen der weltweiten Atomlobby“, dass mithilfe der Atomkraft dem Klimawandel begegnet werden könne, wollen die Referent*innen eingehen.

„Keine Kohle, kein Atom, Klimaschutz gelingt nur durch Erneuerbare Energien“, sind sich die amerikanische und wendländische Initiative einig.

weiterlesen:

  • USA: Keine Rettung für die Atomindustrie
    10.01.2018 - US-Präsident Donald Trump hatte der Atomindustrie versprochen, er werde sich für ihr Fortbestehen einsetzen. Ende September gab das US-Energieministerium eine gewaltige Rettungsaktion für den Nuklearsektor bekannt. Die Netzregulierungsbehörde lehnte die Pläne jetzt ab.

Quellen (Auszug): dpa, bmu.de, deutschlandfunk.de, zeit.de; 14.9.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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