Windkraft-Anlage mit Anti-Atom-Fahnen
Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG

Atomausstieg und Klimaschutz

Atomstrom ist kein Klimaretter. Vielmehr bremst der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke die Energiewende. Deutschland könnte seinen Energiebedarf schon heute komplett ohne AKW decken.

Atomkraft deckt weltweit etwas über als zwei Prozent des Energiebedarfs. Eine solche Nischentechnik kann das Klima nicht retten. Im Gegenteil: AKW behindern den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Umbau der Energieversorgung. Da sich Atomkraftwerke aus technischen Gründen nur sehr eingeschränkt regeln lassen, eignen sie sich auch nicht als flexible Ergänzung zu den wetterabhängigen regenerativen Energien.

Betrachtet man den gesamten Prozess von Uranabbau und -anreicherung über Transport, Brennelementeherstellung bis hin zum AKW-Rückbau und der Behandlung der radioaktiven Abfälle, weist Atomstrom eine schlechtere CO2-Bilanz auf als Ökostrom aus Windenergie und sogar als Strom aus kleinen Gas-Blockheizkraftwerken.

Atomkraft ist seit jeher hoch subventioniert. Müssten die Atom-Risiken versichert und die Folgekosten, etwa für den Atommüll, vollständig in den Strompreis eingerechnet werden, wäre Atomstrom unbezahlbar. Neubauprojekte für AKW gibt es nur dort, wo der Staat diese massiv unterstützt.

In Deutschland stehen selbst unter extrem pessimistischen Annahmen wie Dunkelheit und flächendeckender Windstille genügend nicht-atomare Kraftwerke zur Verfügung, um auch den höchsten Stromverbrauch jederzeit zu decken.



Schauermärchen zur Energiewende

Mit dreisten Falschbehauptungen versucht die Atomlobby die Energiewende zu stoppen. Wir entlarven die Argumente als Schauermärchen. Denn die Fakten sprechen dagegen.

  • Schauermärchen 1: „Deutschland wird zum Stromimporteur“

    Auch im Jahr 2013 hat Deutschland mehr Strom exportiert als importiert – trotz der Abschaltung von acht AKW. Der deutsche Exportüberschuss lag im Jahr 2012 bei rund 23 Milliarden Kilowattstunden – ein neuer Rekord. Im Jahr 2013 stieg das Exportsaldo nach vorläufigen Angaben sogar auf gut 33 Milliarden Kilowattstunden, den höchsten Wert seit 1990. Im Mittel floss damit  Strom von drei großen Atomkraftwerken komplett ins Ausland.

    » Nachlesen bei der AG Energiebilanzen

  • Schauermärchen 2: „Die Netzstabilität ist gefährdet.“

    Haushalte in Deutschland waren im Jahr 2011 im Durchschnitt 15,3 Minuten ohne Strom. Dieser sogenannte SAIDI-Wert lag nach Zahlen der Bundesnetzagentur trotz des Abschaltens von acht AKW sogar noch niedriger als im Mittel der fünf Jahre zuvor (17,4 Minuten). Der SAIDI-Wert veränderte sich 2012 mit 15,9 und 2013 mit 15,3 Minuten kaum. Die Versorgungssicherheit erreicht damit auch im internationalen Vergleich einen Spitzenwert.

    » Nachlesen bei der Bundesnetzagentur und im »internationalen Vergleich

  • Schauermärchen 3: „Strom wird knapp, am Strommarkt steigen die Preise“

    Wenn Händler an den Terminmärkten der Strombörse EEX aktuell Strom für die Jahre 2013 bis 2015 einkaufen, bezahlen sie für die Kilowattstunde zwischen 4,7 und 4,9 Cent – und damit inzwischen sogar einen halben Cent weniger als vor Fukushima. Da die Strombörse wie jede Börse unter anderem von Stimmungen getrieben wird, waren die Preise direkt nach dem Abschalten der acht AKW zwar leicht angestiegen. Schon bald aber bröckelten die Notierungen wieder: Bei den Händlern setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch ohne die Meiler kein Strommangel absehbar ist.

  • Schauermärchen 4: „Die Energiewende ist unbezahlbar.“

    Die Umlage für die Förderung des Ökostroms nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) liegt seit Anfang 2014 bei  6,24 Cent pro Kilowattstunde und wird 2015 voraussichtlich leicht sinken. Einen nicht sparsamen Vier-Personen-Haushalt (3.500 kWh/a) kostet das – inklusive Mehrwertsteuer – also gut 21 Euro im Monat. Dafür deckten die erneuerbaren Energien 2013 schon mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Stromverbrauchs.

    Allerdings ist die Umlage deutlich höher als nötig: Viele Industriebetriebe nämlich profitieren zwar von den durch die erneuerbaren Energien sinkenden Börsenstrompreisen, zahlen jedoch keine EEG-Umlage. Ohne diese Ausnahmeregelungen läge die Umlage über einen Cent niedriger. Die Bundesregierung hat zuletzt immer mehr Betriebe von der Umlage befreit; das steigert die Last für alle anderen. Besonders absurd: Auch Atom- und Kohlekraftwerke müssen für ihren erheblichen Eigenstromverbrauch keine EEG-Umlage zahlen. Das verbilligt den Atom- und Kohlestrom – und erhöht die Umlage für alle gewöhnlichen Stromkunden um etwa 0,75 Cent.

    Weitere 0,51 Cent der Umlage 2014 dienten allein dazu, ein Finanzpolster („Liquiditätsreserve“) auf den EEG-Konten aufzubauen. Der Zubau an Ökostromkraftwerken  dagegen ist nach Berechnungen des Öko-Instituts nur für rund 0,4 Cent Steigerung im Jahr 2014 verantwortlich – vor allem dank der weiter gesunkenen Vergütungssätze.

    Nachlesen bei »oeko.de und »bund.net

  • Schauermärchen 5: „Die erneuerbaren Energien lassen sich nicht schnell genug ausbauen“

    Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um gut 9 Milliarden Kilowattstunden gestiegen, vor allem durch den Zubau bei Windkraft und Photovoltaik. Das entspricht einem Anstieg von 23,6 auf 25,4 Prozent am Stromverbrauch. Alleine der Zuwachs an Ökostrom binnen eines Jahres entspricht der Jahresproduktion eines Atomkraftwerks. Von politischen Störmanövern abgesehen spricht nichts dagegen, dass der Zubau an Ökostrom-Kraftwerken in mindestens dem gleichen Tempo weitergehen kann.
    Nachlesen im Bericht „Erneuerbare Energien im Jahr 2013“ der AG Erneuerbare Energien-Statistik

  • Schauermärchen 6: „Der Ausstieg ist mit dem Klimaschutz nicht vereinbar“

    Die Erzeugung von Strom aus fossilen Energien ging im Jahr 2012 mit 356 Milliarden Kilowattstunden gegenüber dem Vor-Fukushima-Jahr 2010 leicht zurück (358 Milliarden). Der Rückgang der Atomstromerzeugung um etwa 41 Milliarden Kilowattstunden von 2010 auf 2012 wurde zu einem großen Teil durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und einen Rückgang des Exportüberschusses um etwa 12 Milliarden Kilowattstunden kompensiert. Befürchtungen, der Atomausstieg führe zu mehr CO2-Emissionen, haben die Märkte widerlegt: Zwar stiegen die Preise für CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel unmittelbar nach Fukushima leicht an. Inzwischen kostet eine Tonne Kohlendioxid mit 4 bis 5 Euro jedoch nur noch ein Viertel des Preises vom ersten Quartal 2011.  Dass die CO2-Emissionen aus deutschen Kohlekraftwerken 2013 stark angestiegen sind, liegt daran, dass vor allem die besonders schmutzigen Braunkohlekraftwerke riesige Mengen Strom für den Export produzieren.

    » Nachlesen bei der AG Energiebilanzen

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