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Die Inhalte dieser Seite ziehen demnächst um nach Klima und Atom.

Atomausstieg und Klimaschutz

Atomstrom ist kein Klimaretter. Vielmehr bremst der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke die Energiewende. Deutschland könnte seinen Energiebedarf schon heute komplett ohne AKW decken.

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Atomkraft deckt nur etwas mehr als zwei Prozent des gesamten Energiebedarfs weltweit. Eine solche Nischentechnik kann das Klima nicht retten. Im Gegenteil: AKW behindern den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Umbau der Energieversorgung. Da sich Atomkraftwerke aus technischen Gründen nur sehr eingeschränkt regeln lassen, eignen sie sich auch nicht als flexible Ergänzung zu den wetterabhängigen regenerativen Energien.

Betrachtet man den gesamten Prozess von Uranabbau und -anreicherung über Transport, Brennelementeherstellung bis hin zum AKW-Abriss und der Behandlung der radioaktiven Abfälle, weist Atomstrom eine schlechtere CO2-Bilanz auf als Ökostrom aus Windenergie und sogar als Strom aus kleinen Gas-Blockheizkraftwerken.

Atomkraft ist seit jeher hoch subventioniert. Müssten die Atom-Risiken versichert und die Folgekosten, etwa für den Atommüll, vollständig in den Strompreis eingerechnet werden, wäre Atomstrom unbezahlbar. Neubauprojekte für AKW gibt es nur dort, wo der Staat diese massiv unterstützt.

In Deutschland stehen selbst unter extrem pessimistischen Annahmen wie Dunkelheit und flächendeckender Windstille genügend nicht-atomare Kraftwerke zur Verfügung, um auch den maximalen Strombedarf jederzeit zu decken.

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Strahlende Verführung

Kaum rückt der Schutz des Weltklimas – zu Recht! – mal richtig in den Fokus, wittern die Atom-Fans schon wieder Morgenluft. Dabei behindert Atomkraft effektiven Klimaschutz in jeder Hinsicht

Erinnert sich noch jemand an die niedlichen Buchsbäumchen, zu AKW-Silhouetten geschnitten, die im Auftrag des Deutschen Atomforums den echten Klimawandel missbrauchten, um einen gesellschaftlichen Klimawandel herbeizuführen in der Energiepolitik? Die Zeitungsanzeigen, in denen Atomkraft auf einmal nicht mehr gelb giftig gefährlich, sondern grün und öko aussah. „Ungeliebte Klimaschützer“ betitelten sich die Meiler damals, deren Betrieb tagtäglich Leben und Gesundheit von Millionen Menschen aufs Spiel setzte. Zehn, zwölf Jahre ist das her, die Story zündete. Sie mündete in einen Beschluss des Bundestages, die Laufzeit der damals noch 17 AKW in Deutschland um bis zu 14 Jahre zu verlängern – das nannte sich dann „Klima- und Energiekonzept“.

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Foto: Andreas Conradt / PubliXviewing Braunkohle-Tagebau in Garzweiler

Ganz so weit sind wir noch nicht wieder. Aber wer die Kommentarspalten der Zeitungen liest, sich durch die Talkshows zappt, kann manches Déjà-vu nicht mehr vermeiden. Da orakelt ein schriftstellernder Investmentbanker im „Spiegel“ von einer atomaren „Brückentechnologie“. Im „Handelsblatt“ träumt ein Volontär von Kernfusion. Die EU will Forschungsmilliarden für ein Reaktorexperiment als „Klimaschutzmaßnahme“ verbuchen. Und eine Pro-Atom-Initiative lässt freitags „Greta, go nuclear!“-Postkarten an Schüler*innen verteilen.

Provokation oder Verführung

Überhaupt, Greta Thunberg: Die 16-jährige Schülerin, deren hartnäckiger Protest jeden Freitag Zigtausende anspornt, eine Klimaschutzpolitik einzufordern, die diesen Namen auch verdient, hat in einem Facebook-Post einen ziemlich verhaltenen Satz des Weltklimarats zu Atomkraft bloß zitiert, da nehmen Kommentator*innen quer durch die Bank sie schon feixend als angebliche Kronzeugin pro Atomkraft in Beschlag – ungeachtet ihrer Klarstellung, dass sie mit AKWs gar nichts am Hut haben will.

Mit Atomkraft gegen den Klimawandel – ist das nur die erwartbare Sau, die noch ein letztes Mal durchs Dorf getrieben wird? Die kleine, aber harmlose Provokation, mit der noch jede Provinzzeitung zu punkten hofft? Oder ist es doch auf ein Neues – siehe oben! – die strahlende Verführung, der viele, zu viele, bewusst oder unbewusst erliegen? Weil es so einleuchtend erscheint, mit der guten alten Atomkraft, vor deren Risiken man die Augen ja einfach mal verschließen kann, ein bisschen weniger CO2 in die Luft zu jagen als aus rauchqualmenden Kohleschloten. Eine Frage, alles drumrum ausgeblendet, nur zwei Antworten: Diese Falle ist perfekt. In Meinungsumfragen sind die einer Laufzeitverlängerung der AKW Wohlgesonnenen schon fast eine Mehrheit. Dabei spricht, will man die Erderwärmung ernsthaft begrenzen, nichts für, sondern vielmehr alles gegen Atomkraft. Aber der Reihe nach.

2-Prozent-Technik

Global gesehen hat Atomkraft schlicht und einfach keine Chance, das Klima zu retten. Alle rund 400 AKW weltweit decken zusammen gerade einmal 2 (!) Prozent des derzeitigen Weltenergiebedarfs. Wer diesen Anteil auch nur halten will, muss neue AKW im Monatsrhythmus in Betrieb nehmen, darf aber keine alten Reaktoren abschalten, denn der Weltenergiebedarf steigt ja. Die tatsächlich installierte Reaktorleistung hingegen ist heute nicht höher als vor zehn Jahren.

Wer darüber hinaus noch Treibhausgasemissionen reduzieren will, müsste fossile Kraftwerke durch AKW ersetzen, also den Anteil der Atomkraft merklich steigern. Das hieße AKW-Neubauten im Tages- oder Stundenrhythmus – fernab jeder Realität, und das Uran würde dann auch ziemlich schnell knapp. Bau-, Planungs- und Genehmigungszeiten für neue Atommeiler lassen ebenfalls keine aus Klimasicht rechtzeitigen Effekte erwarten.
Auch die viel zitierten Entwicklungen famoser neuer Reaktortypen kommen schon rein zeitlich nicht in Betracht: Der Klimawandel muss in den nächsten zehn bis 20 Jahren verhindert werden. Keine dieser neuen Technologien wird in dieser Zeit reell zur Verfügung stehen.

Ökonomisch ist Atomkraft ebenfalls kontraproduktiv, und zwar sowohl für den eigenen Geldbeutel als auch für die Klimaschutzkasse: AKW sind erstens die teuerste Stromerzeugungstechnik, ohne gewaltige Subventionen nirgendwo wirtschaftlich; von den immensen nuklearen Folgekosten für Atommüll und Atomunfälle ganz zu schweigen. Zweitens würde jeder für Atomkraft ausgegebene Euro in kürzerer Zeit mit geringerem Risiko größere CO2-Einsparungen bewirken, wenn er in Effizienz, Erneuerbare Energien oder Wärmedämmung flösse. Auf Atomkraft zu setzen, verhindert also Klimaschutz schon rein monetär.

Zu hohe CO2-Emissionen

Atomkraft ist darüber hinaus beileibe keine CO2-freie Technologie. Ihr Klima-Fußabdruck nimmt sogar zu, weil immer gigantischere Mengen Gestein aufwendig bewegt und zermahlen werden müssen, um immer weniger Uran daraus zu gewinnen. Die Anreicherung des Brennstoffs, die Behandlung und Lagerung der Abfälle sowie die Renaturierung der Uranfördergebiete verursachen weitere bedeutende CO2-Emissionen, wie eine aktuelle Studie des „World Information Service on Energy“ (WISE) zeigt. Wobei der Aufwand und damit auch die Treibhausgasemissionen, die insbesondere die langfristige Lagerung des Atommülls noch erfordern wird, bisher komplett unbekannt ist.

Auf Atomkraft zu setzen oder daran festzuhalten, zementiert auch die bisherige, durch Großkraftwerke geprägte Struktur der Stromversorgung. In einem solchen fossil-atomaren System ist für Erneuerbare Energien nur sehr eingeschränkt Platz. Wer auf Erneuerbare Energien umstellen will – und das, sagen alle Expert*innen, ist unabdingbar, um die Erderwärmung zu begrenzen – muss die Kraftwerke, die dem Umbau am meisten im Weg stehen, möglichst schnell abschalten: Das sind die Atomkraftwerke, denn sie sind aus Sicherheits‑ und technischen Gründen nicht in der Lage und auch ökonomisch nicht geeignet, eine fluktuierende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom passgenau zu ergänzen. Ein Blick auf die reale Stromeinspeisung der unterschiedlichen Kraftwerkstypen in Deutschland an windigen und sonnigen Tagen spricht da Bände.

Energiewende oder Blockade

Sowohl die sieben noch laufenden AKW in Deutschland als auch etliche Kohlekraftwerke könnten, was die Versorgungssicherheit angeht, sofort vom Netz gehen. Ob sie das tun, hängt in erster Linie von politischen Beschlüssen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab – und nicht vom restlichen Kraftwerkspark. Die Kohlekraftwerksbetreiber etwa pokern gerade mit der Bundesregierung um möglichst hohe Entschädigungen für das Abschalten ihrer Anlagen. Keiner der Betreiber würde seinen Ofen freiwillig vom Netz nehmen, bloß weil AKW länger laufen dürfen.

Eine Verlängerung von AKW-Laufzeiten hätte vor allem einen Effekt: Investitionen in und den Ausbau von Erneuerbaren Energien sowie in den Umbau der Energieversorgung zu verhindern und so die Energiewende insgesamt auszubremsen. Davon würden am Ende nicht nur die AKW‑, sondern sogar die Kohlekraftwerksbetreiber profitieren. Der große Verlierer eines solchen Deals wäre, neben uns selbst: das Klima.

Armin Simon

Dieser Artikel erschien ursprünglich im .ausgestrahlt-Magazin Nr. 43 / April 2019

 


Schauermärchen der Atomlobby

Der Atomlobby gehen die Schauermärchen nicht aus. Immer wieder tischt sie der Bevölkerung neue Behauptungen auf, die angeblich belegen, dass der Ausstieg aus der Atomkraft nicht machbar ist. Dass keine dieser Geschichten wahr ist oder uns gar das Fürchten lehren müsste, stellen diese Fakten klar und beweisen: Gruselig ist nur die Atomlobby selbst!

  • Schauermärchen 1: „Deutschland wird zum Stromimporteur“

    Fakt ist:

    Deutschland hat im Jahr 2017 abermals mehr Strom fürs Ausland erzeugt als je zuvor. Im Jahr 2017 lag der Exportüberschuss laut Arbeitsgemeinschaft der Energiebilanzen bei 55 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden), was gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres abermals ein leichter Anstieg war (53,7 Terawattstunden). Der Wert für 2017 ergibt sich aus einem Export von rund 83 und einem Import von rund 28 Terawattstunden. Der Exportüberschuss, der seit sechs Jahren stetig zunimmt, entsprach gut 70 Prozent der deutschen Atomstromerzeugung von rund 76 Terawattstunden.
    Deutschland erzielte durch den Stromexport Einnahmen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro und bezahlte gut eine Milliarde für den Import.

    Verhältnis Stomex- und importe.JPG

    Seit Jahren liegen die Preise für importieren und exportierten Strom etwa auf gleichem Niveau. Im Jahr 2017 wurde die Kilowattstunde im Mittel für 3,56 Cent ans Ausland verkauft, der Importstrom kostete durchschnittlich 3,83 Cent, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg errechnete.

    Nachschlagen:

  • Schauermärchen 2: „Strom wird knapp, am Strommarkt steigen die Preise"

    Fakt ist:

    Im Mittel lag der Preis am Spotmarkt der Strombörse (Day Ahead Auktion) im Jahr 2017 bei knapp 3,3 Cent je Kilowattstunde. Damit war der Strom deutlich billiger als zu Zeiten vor Fukushima: Im Jahr 2010, als in Deutschland noch 17 Atomkraftwerke liefen, lag der Preis noch bei 4,56 Cent, 2008 sogar bei 6,68 Cent. Der Spotmarktpreis, der für jede Stunde in einer vortägigen Auktion ermittelt wird, und gemäß Angebot und Nachfrage stets die aktuelle Verfügbarkeit widerspiegelt, zeigt somit, dass ausreichend Strom vorhanden war. Auch für die kommenden Jahre erwartet der Markt keine Knappheit, was sich in stabilen Preisen niederschlägt: Am Terminmarkt wird der Strom für die Jahre bis 2021 für rund 3,4 Cent je Kilowattstunde verkauft.

    Die Strompreise stagnieren auch für Endverbraucher; seit 2013 haben sie sich kaum verändert. Und das betrifft wohlgemerkt die nominalen Preise. Rechnet man dann noch gegen, dass in den vergangenen Jahren zugleich die Löhne gestiegen sind, ist der Strom kaufkraftbereinigt sogar billiger geworden.

    Nachschlagen:

     

     

     

  • Schauermärchen 3: „Die erneuerbaren Energien lassen sich nicht schnell genug ausbauen"

    Fakt ist:

    Erneuerbare Energien haben 2017 28 Terawattstunden mehr Strom produziert als noch im Jahr zuvor, vor allem durch den Zubau von Windkraftanlagen. Alleine der Zuwachs binnen dieses einen Jahres entspricht der Jahresproduktion von drei Atomkraftwerken.

    Im Jahr 2017 erreichte der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Strommix bereits 33 Prozent, nachdem es 2016 noch 29 Prozent waren. Im Vergleich zum Vor-Fukushima-Jahr 2010 legten die Erneuerbaren in Deutschland im Jahr 2017 um 112 Terawattstunden zu. Im gleichen Zeitraum ging die Atomstromerzeugung aber nur um etwa 65 Terawattstunden (von 141 im Jahr 2010 auf nunmehr etwa 76) zurück. Es hätte also noch viel mehr Atomstrom ersetzt werden können.

    Anteil, Atomenergie und Erneuerbare Energien an Bruttostromerzeugung

    Nachlesen:

     

     

  • Schauermärchen 4: „Die EEG-Umlage schnellt in die Höhe"

    Fakt ist:

    Die Umlage für die Förderung des Ökostroms nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ist in den zurückliegenden Jahren kaum noch gestiegen. Im Jahr 2014 lag sie bei 6,24 Cent je Kilowattstunde, im Jahr 2018 beträgt sie 6,79 Cent. Im Vergleich zu 2017, als die Umlage bei 6,88 Cent lag, ist sie zuletzt sogar leicht gesunken.

    Der Betrag für 2018 basiert auf Schätzungen der Stromwirtschaft hinsichtlich der Ökostromerzeugung und der Strommärkte in diesem Jahr. Die Umlage könnte deutlich niedriger liegen, wenn sie nicht vor allem von Haushalten und Kleinverbrauchern bezahlt werden müsste; große Unternehmen bekommen sie zu großen Teilen erlassen.

    Entwicklung EEG-Umlage.JPG

    Nachlesen:

  • Schauermärchen 5: „Die Netzstabilität ist gefährdet“

    Fakt ist:

    Haushalte in Deutschland waren im Jahr 2016 im Durchschnitt 12,8 Minuten ohne Strom. Damit erreicht Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenwert der Versorgungssicherheit; andere Länder mit einem großen Netz, liegen allesamt darüber. Großbritannien und Frankreich zum Beispiel lagen zuletzt jeweils bei rund einer Stunde Ausfallzeit pro Haushaltskunde.

    In Deutschland lag die jährliche Zeit des Netzausfalls in den vergangenen drei Jahren stets konstant zwischen 12 und 13 Minuten. In den Jahren 2006 bis 2009 hatte der sogenannte Saidi-Wert (System Average Interruption Duration Index) noch
    zwischen 16 und 22 Minuten gelegen. Es gibt keine Hinweise drauf, dass dieser Wert in 2017 nennenswert abweicht.

    Stromausfall in Deutschland.JPG

    Nachlesen:

  • Schauermärchen 6: „Der Ausstieg ist mit dem Klimaschutz nicht vereinbar“

    Fakt ist:

    Das Abschalten der AKW macht den Weg zu echtem Klimaschutz erst frei. So hat das Plus bei den Erneuerbaren seit 2010 nicht nur das Aus von neun AKW kompensiert, sondern auch die Produktion von Kohlestrom gedrosselt. Das Abschalten der AKW würde den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien erleichtern, gerade auch der kostengünstigen und ertragreichen Windkraft. Der zügige, engagierte Ausbau der erneuerbare Energien ist wiederum Voraussetzung für einen erfolgreichen Kohleausstieg.

    Stromerzeugung und Verbrauch.JPG

    Atomkraft deckt weltweit übrigens nur etwas mehr als zwei Prozent des Energiebedarfs. Eine solche Nischentechnik kann das Klima nicht retten. Um nur zehn Prozent der weltweiten Treibhaus-Emissionen einzusparen, müsste bis 2050 die Anzahl der bestehenden Atomkraftwerke verdreifacht werden. Durch diesen massiven Ausbau der Atomenergie wären allerdings bereits 2040 die Uranvorräte erschöpft, und die neu gebauten AKW könnten nicht mehr betrieben werden.

    Atomenergie ist im Übrigen keine CO2-freie Stromquelle. Vor allem bei der Förderung von Uran entstehen klimaschädliche Treibhausgase. Eine Kilowattstunde verursacht dadurch 88 bis 146 Gramm CO2. Damit hat Atomstrom eine deutlich schlechtere Klimabilanz als Windenergie.

    Nachlesen:


IPCC – Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) und Atomkraft

  • Bei den IPCC-Berichten handelt es sich um ein Auswerten und Zusammentragen des wissenschaftlichen Forschungsstandes zum Klimawandel und zu Klimawandel-Minderungs- und Anpassungsstrategien.
  • Ein Hauptprodukt des IPCC sind die z.T. mehrere tausend Seiten starken Sachstandsberichte (Assessment Reports, AR), an denen hunderte Autor*innen aus mehreren Ländern mitarbeiten. Im Schnitt ist seit 1990 alle 6 Jahre ein AR erschienen.
  • Die Berichte beschreiben u.a. Wahrscheinlichkeiten, mit denen welcher Zustand zukünftig eintritt, es handelt sich also nicht um eigene Klimaszenarien.
  • Neben den AR gibt es Sonderberichte zu engeren Fragestellungen, wie zuletzt zum 1,5°C-Ziel.
  • Das alles führt dazu, dass die Sachstands- und Sonderberichte naturgemäß Aussagen zur vorhandenen Energielandschaft treffen, entsprechend auch Aussagen zur Atomkraft. Ebenso sind Verweise zur kontroversen (wissenschaftliche) Diskussion der Atomkraft zu finden.
  • Zum Teil treffen Berichte verschiedener Jahre auch unterschiedliche Aussagen zur Atomkraft, oder sind sogar in sich diesbezüglich nicht konsistent.
  • Der aktuelle 1,5-Grad-Sonderbericht nimmt kaum positiv Bezug zur Atomkraft, sondern beschreibt u.a., welche Anteile Atomkraft je nach wissenschaftlichen Szenarien einnimmt, bzw. wertet Atomkraft eher kritisch (s. S. 315: "The political, economic, social and technical feasibility of solar energy, wind energy and electricity storage technologies has improved dramatically over the past few years, while that of nuclear energy and carbon dioxide capture and storage (CCS) in the electricity sector have not shown similar improvements.") oder beschreibt Atomkraft einschließlich der kritischen Aspekte ausführlich (z.B o.g. Link/chapter4 S. 325).

Mehr dazu: Greta Thunberg und die Atomkraft

Leistungsbilanz:

Eine Rechenmethode, mit der bisher die Versorgungssicherheit in Deutschland nachgewiesen wurde: Die wetterunabhängig verfügbaren Kraftwerksleistungen in Deutschland wurden dem errechneten maximalen Strombedarf gegenübergestellt. In einem international vernetzten Stromsystem mit viel erneuerbaren Energien hat das wenig Aussagekraft. Die Versorgungssicherheit muss daher künftig anders geprüft werden.

Dunkelflaute:

Erneuerbare Energien liefern rund ums Jahr Strom – im Sommer mehr aus Sonne, im Winter mehr aus Wind. Allerdings schwankt ihre Erzeugung wetterbedingt. Situationen, in denen weder Solar- noch Windkraftanlagen nennenswert Strom erzeugen, nennt man Dunkelflauten. Für diese braucht es wetterunabhängige Möglichkeiten, den Strombedarf zu decken.

Redispatch:

Der derzeitige Strommarkt nimmt keine Rücksicht auf die Leitungskapazitäten in Deutschland. Wird mehr Strom verkauft, als sie transportieren können, ordnen Netzbetreiber einen Redispatch an: Kraftwerke am einen Ende der Leitung müssen ihre Leistung drosseln, (teurere) Ersatzkraftwerke am anderen Ende einspringen. Insbesondere die Nord-Süd-Leitungen sind überlastet, wenn über sie nicht nur Strom für Süddeutschland, sondern auch fürs angrenzende Ausland fließt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn viel günstiger Windstrom im Angebot ist. Ab Herbst wird der Stromexport über die deutsch-österreichische Grenze gegebenenfalls limitiert, um den Bedarf an Reservekraftwerken in Süddeutschland zu reduzieren.