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01.03.2019 | von Jan Becker

Wer bekommt den neuen Atommüll-Standort?

Im Zusammenhang mit der geplanten Inbetriebnahme des Atommüll-Lagers Schacht Konrad soll ein großer, neuer Logistikstandort entstehen. Acht Bundesländer sind im Rennen. Proteste sind vorprogrammiert.

 

Anti-Atom-Treck 2018

 

Im Entsorgungsübergangsgesetz vom Januar 2017 wurde erstmals die Möglichkeit zur Errichtung eines „zentralen Bereitstellungslagers […] als Eingangslager für das Endlager KONRAD“ erwähnt. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vom März 2018 heißt es bereits: „Für einen zügigen Einlagerungsbetrieb ist die Errichtung eines Bereitstellungslager unverzichtbar.“ Seitdem wird mit Hochdruck an diesem Projekt gearbeitet.

Doppelt so groß wie Gorleben

In einem Umkreis von 150 - 200 Kilometern um das Berkwerk soll das zentrale Zwischenlager für gering wärmeentwickelnde Abfälle entstehen, von dem „über mehrere Jahrzehnte regelmäßig zahlreiche Transporte durchgeführt werden müssen“, in dem „möglichst einfach optimierte Einlagerungschargen für Konrad“ zusammengestellt werden und Konditionierungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Es sollte zudem „ausreichend Platz im und vor dem Lagergebäude für Transporte, Rangierfahrten und Inspektionen“ geben, heißt es aus dem Bundesumweltministerium. Die Fläche soll mindestens 30 Hektar groß sein, Gleis- und Straßenanschlüsse vorhanden oder wenigstens gut zu bauen sein. Zum Vergleich: Das Betriebsgelände des Zwischenlagers in Gorleben umfasst gerade einmal 15 Hektar.

Atommüll-Logistikpark um Kosten zu sparen

Hintergrundmotivation für dieses Projekt ist es, die Kosten zu reduzieren. Für die künftigen Einlagerungen in Schacht Konrad wird nach Kubikmeter abgerechnet. Wie der „Atommüllreport“ weiß, ermöglichen technische Weiterentwicklungen bei der Konditionierung von Atommüll und der hohe Anfall einzelner Radionuklide inzwischen, dass die genehmigten Obergrenzen der Radioaktivität in den Gebinden bis zum Letzten ausgereizt werden können. Die Abfall-Anlieferer würden sich mithilfe des Bereitstellungslagers „untereinander abstimmen“ bzw. „einen Ausgleich der Aktivitätskontingente“ schaffen können. Es handelt sich also um einen „Atommüll-Logistikpark“.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) beabsichtigt, in diesem Jahr eine Entscheidung über den Standort zu treffen. Acht Bundesländer kann es treffen: Neben Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Brandenburg auch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Nordrhein-Westfalen. Ausgeschlossen ist allerdings, dass es Salzgitter selbst treffen wird. Das Planfeststellungsverfahren für Schacht Konrad aus dem Jahr 2002 sieht ein solches Bereitstellungslager nicht vor. Würde diese Anlage in den bestehenden Komplex integriert werden, müsste das ganze Genehmigungsverfahren neu aufgerollt werden - und damit auch die Möglichkeit eröffnen, dagegen zu klagen.

Proteste vorprogrammiert

Als möglicher Standort geisterte im letzten Oktober Ilsenburg in Sachsen-Anhalt durch die Medien. Die Anforderungen für das geplante Atommüll-Zwischenlager wären dort erfüllt, weil eine Schienenanbindung vom Stahlkonzern Salzgitter AG bis nach Ilsenburg existiert.

Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) wurde auf die Diskussion im Internet aufmerksam und bezieht deutlich Stellung: „Ein Zwischenlager für atomare Abfälle schließe ich kategorisch aus“. Seine Stadt setze auf die Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus - und nicht auf „neue Umweltbelastung“. Auch die Salzgitter AG hat „überhaupt kein Interesse“, dass radioaktiver Müll in Ilsenburg und Umgebung gelagert werde. Vor Ort habe es aber bereits besorgte Nachfragen gegeben, ob eine Halle, die dort gerade gebaut werde, etwa als Atommüll-Zwischenlager dienen solle.

Das Atommüll-Lager Schacht Konrad ist hochumstritten. Kritiker*innen haben massive und begründete Zweifel, dass Konrad heutigen Anforderungen an ein Atommüll-Lager noch gerecht werden könnte. Das Bereitstellungslager ist ein Baustein im gesamten Konrad-Projekt - deshalb sind Proteste gegen die Standortauswahl unterstützenswert und dringend nötig.

weiterlesen:

Quellen (Auszug): hubertus-zdebel.de, braunschweiger-zeutung.de, atommuellreport.de, mz-web.de, ndr.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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