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26.04.2019 | von Jan Becker

33 Jahre Tschernobyl: Aus der Geschichte lernen - Atomanlagen abschalten!

Nun sind es schon 33 Jahre her, dass Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodierte. Doch die Folgen der Katastrophe wirken bis heute. Mit Aktionen erinneren Atomkraftgegner*innen erneut an das unverantwortliche Risiko, das mit dem Weiterbetrieb der Atommeiler verbunden ist.

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„Die Bedrohung endlich beenden“ ist die zentrale Forderung der siebten „Protest- und Kulturmeile“ vor dem norddeutschen Atomkraftwerk Brokdorf. Das Kraftwerk soll erst Ende 2021 vom Netz gehen. Bis dahin sind wir dem täglichen Risiko schwerer Unfälle mit möglichen katastrophalen Folgen ausgesetzt. Brokdorf hat eine besondere Verknüpfung mit Tschernobyl: Im gleichen Jahr, am 14. Oktober 1986, wurde dort der Betrieb aufgenommen. Es handelte sich dabei um die weltweit erste Inbetriebnahme nach dem Super-GAU.

Nach 32 Jahren Betrieb wird das Material störungsanfälliger, warnen die Initiator*innen der Aktion. Zahlreiche Defekte wie zum Beispiel der Absturz der Brennelemente-Lademaschine im Februar diesen Jahres belegen das. Erst vor wenigen Tagen war das AKW nach einem unplanmäßigen Zwischenfall, nötige Reparaturarbeiten an der Turbine, wieder in Betrieb genommen worden.

Demonstration am AKW Brokdorf
Sonntag, 28. April 2019, ab 12.00 Uhr
Infos: https://akw-brokdorf-abschalten.de

weitere Aktionen und Mahnwachen rund um den Tschernobyl-Jahrestag

Aus der Geschichte lernen - Atomanlagen abschalten!

Es sollte ein Experiment sein und wurde zum Super-GAU: Menschliche Fehler und technische Mängel führten am 26. April 1986 zum bis dahin größten Unfall in der Geschichte der zivilen Atomkraft. Der Block 4 des AKW Tschernobyl flog in die Luft, ein riesiges Gebiet wurde radioaktiv verseucht, die „Wolke“ zog über halb Europa und verteilte dort die strahlenden Partikel. Über 600.000 Soldaten und Bergleute, sogenannte „Liquidatoren“ wurden am Kraftwerk eingesetzt, um die Folgen der Katastrophe einzudämmen. Sie errichteten eine „Schutzhülle“, den Sarkophag, um den zerstörten Meiler. Der Versuch, Roboter für diese Aufräumarbeiten einzusetzen, scheiterte, denn die Technik versagte wegen der hohen Strahlung. So wurden Menschen eingesetzt, die sich selber „Bio-Roboter“ nannten. Viele leben heute nicht mehr, die meisten der wenigen Überlebenden führen ein Dasein in Krankheit und Armut.

2016 wurde der provisorisch errichtete „Sarkopharg“ gegen ein „New Safe Confinement“ ersetzt. Es handelt sich um ein gigantisches Industrieprojekt, um das größte bewegbare Bauwerk der Menschheit, 31.000 Tonnen schwer, das nach mehreren Jahren Bauzeit und Kosten von fast 2 Milliarden Euro über den Block 4 geschoben wurde. Unter dieser Hülle befinden sich 400.000 Kubikmeter radioaktiver Abfall, davon 40.000 Kubikmeter mit langlebigen radioaktiven Stoffen.

Einen Plan für die Bergung geschweige denn für eine „fachgerechte Lagerung“ gibt es bisher nicht. Die neue Schutzhülle ist außerdem nur ein weiteres Provisorium, das den ersten Sarkophag für die nächsten 100 Jahre ablösen soll. Ein Ende der Katastrophe ist nicht abzusehen.

weiterlesen:

  • Tschernobyl als Weltkatastrophe. Über die unbekannten Folgen des Super-GAU
    24.04.2019 - Was geschah in Tschernobyl? Die Folgen des Super-GAU werden klassischerweise rein auf medizinischer und ökologischer Ebene betrachtet. Die noch junge „Soziologie der Weltbeziehung“ bietet nun eine neue, zusätzliche Perspektive auf die Katrastrophe – mit erschreckendem Ergebnis.
  • Alte AKW: Europa, Du hast ein Problem!
    08.03.2019 - Wissenschaftler haben festgestellt: Keiner der 125 Atomreaktoren in Europa würde nach den heutigen Sicherheitsstandards bei einem Neustart überhaupt eine Betriebserlaubnis erhalten.

  • Atomkraft 2018: Sicher, sauber, alles im Griff?
    26.04.2018 - Anlässlich des 32. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine neue Studie zum AKW-Risiko veröffentlicht. Das Ergebnis: Ein größerer Störfall oder ein Super-Gau sind jederzeit möglich.

Quellen (Auszug): greenpeace.de, wikipedia.org, akw-brokdorf-abschalten.de, atomradar.ausgestrahlt.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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