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Atomkraftgegner*innen forderten schon vor drei Wochen nach dem Ausfall eines Notstromgenerators die Abschaltung des baden-württembergischen Meilers. Der Betreiber hat Philippsburg-2 jetzt vom Netz genommen, weil der Vorfall „vertieft technisch geprüft werden“ müsse.

Protest am AKW Philippsburg
Foto: philippsburg-abschalten.de

Am 24. Mai 2019 meldeten der Atomkonzern EnBW und das baden-württembergische Umweltministerium den Ausfall eines von acht Notstromdiesel-Generatoren. Am internen Kühlkreislauf des Dieselmotors, der das Aggregat antreibt, war eine Undichtigkeit aufgetreten. Anti-Atom-Aktivist*innen forderten daraufhin die Abschaltung des Meilers:

„Für uns stellt sich sehr drängend die Frage nach dem systemischen Fehler bei den Notstromdieseln, wenn man das aktuelle Problem mit anderen aus der Serie von Notstromdiesel-Störfällen des KKP 2 vergleicht“, schrieb die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe in einer Pressemitteilung am 28. Mai.

Die Aktivist*innen führen dazu eine ganze Reihe von Ereignissen in Philippsburg auf, die in den letzten 5 Jahren die Notstromversorgung betrafen: Im April 2018 war beispielsweise Kühlwasser durch die Abgasleitung in den Motor geflossen und hatte zu Rauchentwicklung geführt. Die Aktivist*innen interpretieren, dass es sich nicht um betrieblichen Verschleiß handeln könne, sondern um Material-, Konstruktions-, Herstellungsfehler oder schlicht Alterung, weil die Notstromdiesel sehr selten laufen.

Reaktor vom Netz genommen

Der Atomkonzern EnBW spricht nun - 3 Wochen nach dem Ereignis - vom „vorsorglichen“ Abfahren der Anlage. Es müsse der Befund am Notstromaggregat „im Zusammenhang mit einem früheren Schaden“ betrachtet werden. Solange nicht ausgeschlossen werden könne, dass es sich „um die gleiche Ursache“ handelt, unterstellt der Konzern, „dass der gleiche Schaden auch an anderen Aggregaten auftreten könnte“. Die EnBW geht davon aus, dass der Befund meldepflichtig ist. Erst nach Klärung der Ursache für den Schaden solle der Block wieder ans Netz gehen und Strom produzieren.

Atomkraftgegner*innen sprechen von „grober Fahrlässigkeit“, EnBW würde Pannenserien „aussitzen“. Insbesondere gegen Ende der Laufzeit des AKWs, das Ende dieses Jahres endgültig vom Netz gehen muss, wächst offenbar die Fehlerhäufigkeit. Notwendige Wartungs-, Reparatur-, oder Sicherheitsupdates könnten sich „nicht mehr lohnen bzw. zu viel Geld kosten“, unterstellen die Karlsruher Aktivist*innen dem Atomkonzern.

weiterlesen:

  • Alte AKW: Europa, Du hast ein Problem!
    08.03.2019 - Wissenschaftler haben festgestellt: Keiner der 125 Atomreaktoren in Europa würde nach den heutigen Sicherheitsstandards bei einem Neustart überhaupt eine Betriebserlaubnis erhalten.

  • Reaktoren sind „abgenutzt und anfälliger“
    11.10.2018 - Risikoforscher weisen darauf hin, dass Atomkraftwerke am Anfang und am Ende ihres Betriebes riskanter sind. Eine ganze Reihe von Defekten in verschiedenen Anlagen untermauern diese These.

Quellen (Auszug): anti-atom-ka.de, enbw.com

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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