.ausgestrahlt-Blog

18.11.2019 | von Jan Becker

Protest gegen neuen Uranmüll-Export

Entschieden protestieren heute Atomkraftgegner*innen in und um Gronau gegen einen neuen Zug mit Uranmüll aus der Urananreicherung, der nach Russland fahren soll. Während bereits zehntausende Menschen mit ihrer Unterschrift den Stopp der unrechtmäßigen Transporte fordern, verweigert RWE als Mitbetreiber der Anlage Gespräche.

Uranmüllzug-Blockade am 18.11.2019
Foto: urantransport.de / contratrom.de Blockade des Uranmüllzuges bei Gronau, 18.11.2019

Mit Abseilaktionen wurde heute vormittag ein Zug mit abgereichertem Uranhexafluorid an Bord nach seiner Abfahrt aus der nordrhein-westfälischen Urananreicherungsanlage in Gronau blockiert. Auf Transparenten forderten die Aktivist*innen einen sofortigen und endgültigen Exportstopp für das Abfallprodukt aus der Brennstoffherstellung für AKW.

„Wir werden weiter hier hängen und wieder kommen zum Blockieren, bis die Urananreicherungsanlage stillgelegt ist und bis unsere Energieversorgung nicht mehr auf fossilen Brennstoffen wie Uran oder Kohle basiert. Denn fossile Energien zerstören unsere Welt”, kündigen die Aktivist*innen an.

Nachdem diese Uranmüll-Exporte nach Russland 2009 - nach länderübergreifendem Widerstand - eingestellt worden waren, rollen wieder Züge und LKWs mit dem Material in die russische Steppe. Kürzlich wurde bekannt, dass die Transporte schon seit 2016 stattfinden. Bis 2022 sollen insgesamt 12.000 Tonnen gefährliches Uranhexafluorid außer Landes geschafft werden. Eine „billige Entsorgung“, sagen Atomkraftgegner*innen, denn das auf dem Gelände in Gronau gelagerte Material ist eigentlich schwachaktiver „Atommüll“ und müsste in ein Atommülllager. Nach Russland ausgeführt wird es mit dem Trick, dass es als „Wertstoff“ deklariert wird, weil in dortigen Anlagen angeblich eine Wiederanreicherung stattfindet - in Deutschland unterbleibt das mangels Wirtschaftlichkeit. RWE als Miteigner der Anreicherunganlage hat unterdessen ein Gesprächsangebot von russischen Atomkraftgegner*innen ausgeschlagen.

„Es wird immer deutlicher, dass Urenco und ihre deutschen Anteilseigner RWE und EON vor allem den hohen Kosten für eine sichere Atommüllentsorgung in Deutschland ausweichen wollen. Wer so verantwortungslos handelt, sollte keine Atomanlage betreiben dürfen – wir fordern deshalb von der Bundes- und Landesregierung die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau,“ so Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Strahlenmessung an Uranzug
Foto: Rashid Alimov / greenpeace RU Radioaktiv! Strahlenmessung von Greenpeace

Schon wenige Wochen nach Bekanntwerden der neuen Uranmüllexporte nehmen die Proteste Form an: Seit einigen Tagen sammelt Greenpeace in Russland und in Deutschland Unterschriften gegen die Transporte, mehrere zehntausend Menschen haben sich bereits beteiligt. Gestern fand an der Urananreicherungsanlage ein Sonntagsspaziergang statt, heute blockierten Aktivist*innen den Zug, während hunderte weitere an Protestmahnwachen teilnahmen.

weiterlesen:

  • Gronau exportiert weitere 600 Tonnen Atommüll
    28.10.2019 - Heute ist die Abfahrt eines Uranmüllzuges aus der Urananreicherungsanlage Gronau mit Ziel Russland bestätigt worden. Atomkraftgegner*innen reagieren mit Protesten.

  • Ist Russland wieder unsere Atommüllhalde?
    08.10.2019 - Die Lagerung von deutschem Uranmüll in rostigen Fässern unter offenem Himmel in Russland sorgte vor zehn Jahren für heftige Proteste. Die Lieferungen aus der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau wurden dann eingestellt. Offenbar nutzt URENCO diese „billige Atommüllverschiebung“ wieder.

 

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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