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08.02.2016 | von Jan Becker

Tritium-Leck: US-Meiler "schützt die öffentliche Gesundheit nicht"

Das Grundwasser in der Nähe des amerikanischen Atomkraftwerks Indian Point ist verseucht: Die Werte für Tritium lägen um das 650-fache über dem Normalwert, erklärte der Gouverneur des US-Bundesstaat New York. Doch es braucht kein Leck. Im „Normalbetrieb“ geben alle AKW Tritium in die Umwelt ab.

Atomkraft: Sicher ist nur das Risiko!

Der Standort Indian Point befindet sich etwa 50 Kilometer nördlich von New York. Im Grundwasser um das AKW ist Tritium im Grundwasser gemessen worden, dessen radioaktive Belastung deutlich höher als normal sei. Ursprung der Verseuchung soll ein Leck direkt unter einem der drei Reaktoren sein. Untersuchungen sollen nun die Gesundheitsgefährung für die Bevölkerung klären, so Andrew Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates. Es sei allerdings „nicht das erste Austreten radioaktiven Wassers dieser Art“ und dieser „Störfall zeige erneut, dass Indian Point nicht auf eine Art betrieben werden kann, die die öffentliche Gesundheit schützt“.

Je größer die AKW-Leistung, desto größer die Tritium-Abgabe

Allerdings braucht es gar kein Leck: Jedes Atomkraftwerk - auch in Deutschland - leitet mit dem Kühlwasser oder durch den Abluftkamin Tritium in die Umwelt ab – durch gesetzliche Grenzwerte genehmigt. Laut einer Antwort der Bundesregierung aus dem Jahr 2009 ist das Vorkommen von Tritium „proportional zur erzeugten Strommenge“. Das radioaktive Tritium entsteht im Reaktor durch die Reaktion von Neutronen und Bor, das als Moderator dem Kühlwasser zugemischt wird. Insbesondere die Druckwasserreaktoren geben große Mengen Tritium mit dem Abwasser ab. Von den noch im Betrieb befindlichen acht deutsche Meilern sind sechs Druckwasserreaktoren.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e.V. warnt vor diesem „besonders problematischen radioaktiven Stoff“. Tritium wird vom Körper aufgenommen und führt zu einer „gleichmäßigen Strahlenbelastung aller Organe“. Es kann im Körper organisch gebunden werden und bei seinem radioaktiven Zerfall noch nach Jahren Krebs hervorrufen. Tritium zerfällt mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren. Eine im Juni 2007 von Greenpeace Kanada veröffentliche Studie zeigt auf, dass die Schädlichkeit von Tritium deutlich größer ist, als bis dahin offiziell angenommen wurde.

Tritium kann bei der herkömmlichen Wasseraufbereitung weder durch den AKW-Betreiber noch durch die Kommunen beseitigt werden.

 

Flüsse bleiben belastet

Im Jahr 2006 sind nach damaligen französischen Angaben mit dem Abwasser des grenznahen AKW Cattenom 131 Terabecquerel in die Mosel abgeleitet worden. Die gemessenen Jahresmittelwerte der Mosel mit Tritiumbelastung lag bei 28,1 Bequerel pro Liter (Bq/l), wobei Spitzenwerte von 49,9 Bq/l gemessen wurden. In unbelasteten Flüssen liegt die Tritiumbelastung im allgemeinen bei weniger als 1 Bq/l.

weiterlesen:

  • Hintergrund: Strahlung – Atomkraftwerke machen krank
    Schon im Normalbetrieb geben Atomkraftwerke laufend radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Die von ihnen ausgehende Strahlung ist selbst in geringen Dosen gesundheitsschädlich und kann Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie genetische Schäden verursachen.
  • Feuer in US-Atomkraftwerk
    12.05.2015 - Eine dunkle Rauchsäule stand am Wochenende über Reaktorblock 3 des US-Atomkraftwerks Indian Point. Alle Notfallsysteme hätten funktioniert, beschwichtigt der Betreiber. Der Meiler befindet sich nur 50 Kilometer nördlich von Manhatten.

Quellen (Auszug): taz.de, spiegel.de; 5./7.2.16; bbu-online.de, Strahlentelex Nr. 534-535 / 2009

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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