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24.10.2016 | von Jan Becker

Gorleben mit Asse-Lauge fluten

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat ein Problem: Ab 2017 muss ein neuer Abnehmer für die Salzlauge gefunden werden, die täglich in das havarierte Atommüll-Lager Asse-2 eindringt und die Grube absaufen lässt. AtomkraftgegnerInnen aus dem Wendland haben einen Vorschlag: Das Bergwerk in Gorleben damit fluten!

Austritt der Pipeline vom Bergwerk Gorleben in die Elbe
Foto: bi-luechow-dannenberg.de Austritt der Pipeline vom Bergwerk Gorleben in die Elbe

Täglich werden in der Asse-2 zwölf Kubikmeter Laugenzufluss abgepumpt, um ein endgültiges Absaufen der Lagerstätte von 130.000 Fässern schwach- und mittelaktiven Abfällen zu verhindern. Seit 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiberin der Anlage und konnte durch ein verändertes Wassermanagement die radiologische Belastung der Lauge erheblich reduzieren. 2008 wurden noch Tritium-Werte von über 200 Becquerel pro Liter gemessen, Spitzenwerte lagen bei 320 Becquerel/Liter. Heute heißt es vom BfS, die Zutrittswässer sind „radiologisch unbelastet“, weil sie vor Erreichen der Atommüll-Kammern aufgefangen und nicht mehr in offenen Behältern gelagert werden. Der Tritium-Wert liegt mit durchschnittlich 5 Becquerel pro Liter weit unter dem Grenzwert für Trinkwasser (100 Becquerel/Liter).

Die Zutrittslauge muss übertage entsorgt werden, so fordert es auch die derzeit gültige Genehmigung. Seit Ende 2005 wird die Flüssigkeit mithilfe von Tankwagen abtransportiert und in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt. Ende diesen Jahres läuft die Genehmigung dazu aus und das BfS ist auf der Suche nach Alternativen, wohl auch aus Kostengründen. Eine Möglichkeit ist Gorleben, weil hier eine Genehmigung für die Einleitung von Salzwasser über eine Pipeline vom Gelände des Bergwerks in die nahe Elbe existiert.

Kritik aus der Region

Das BfS hat diesen neuen Entsorgungsweg bereits beantragt, das Landesbergamt werde ihn „nach Recht und Gesetz“ prüfen, heißt es aus dem niedersächischen Umweltministerium. Laut der Wasserrahmenrichtlinie darf sich die Wasserqualität durch die zusätzliche Salzeinleitung weder verschlechtern noch verbessern. Aus der Region kommt harsche Kritik, nachdem die BfS-Pläne bekannt geworden waren. Der Salzgehalt der Elbe sei bereits dreifach erhöht, moniert ein Fischer aus Gorleben.

Statt des versprochenen „Rückbaus“ auf dem Gelände in Gorleben herrsche dann wieder Betrieb, so die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI). Das sei eine Provokation. Dass Gorleben eines Tages zur Entsorgung des havarierten Atommüllendlagers Asse II beitragen könnte, sieht die BI als „Ironie der Nukleargeschichte“, denn damit hole das Asse-Debakel Gorleben ein.

Bergwerk fluten

Doch die Gorleben-GegnerInnen unterbreiten einen Vorschlag: Weil eine Bergung der Atommüllabfälle aus der Asse II nicht ohne das Auffangen der Lauge funktioniere, habe die Entsorgung der Zuflusswässer Priorität. Vorausgesetzt die Lauge sei tatsächlich nicht kontaminiert, solle auf eine der Rückbau-Varianten für das Erkundungsbergwerk Gorleben zurückgegriffen werden, welche das BfS selbst erörterte: die Flutung.

„Einmal abgesehen davon, dass die Flutung als Verschlussvariante die preisgünstige ist, so hätte Gorleben doch für die Asse II noch etwas Gutes“, so BI-Pressesprecher Wolfgang Ehmke.

weiterlesen:

  • Asse-2: KritikerInnen fordern Moratorium für Betonierungsarbeiten
    07.09.2016 - Handelt es sich um eine „systematisch betriebene Täuschungsstrategie“? Die Verfüllung von Hohlräumen in dem havarierten Atommülllager Asse-2 könnte die versprochene Rückholung der strahlenden Abfälle erschweren oder sogar unmöglich machen, befürchtet die „ASSE II-Begleitgruppe“ und fordert neben einem Masterplan ein Moratorium für die angekündigten Arbeiten unter Tage.

  • Atommülllager in Salzgestein: Hauptargument für Gorleben ist „weggebrochen“
    02.12.2015 - Die bisherige Suche nach einem tiefengeologischen Lager für hochradioaktiven Atommüll verlief in Deutschland entlang der „Salzlinie“. Anstatt wie andere Länder auch alternative Gesteinsarten zu untersuchen, wurde unbeirrt seit über 40 Jahren am Standort Gorleben festgehalten. Laut einer neuen Studie eignet sich Steinsalz aber „äußerst schlecht“.

Quellen (Auszug): bi-luechow-dannenberg.de, wendland-net.de, 19./20./23.10.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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