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25.04.2017 | von Jan Becker

Entgegen Versprechen: Mehr Urantransporte durch Hamburg

Anders als der rot-grüne Senat in Hamburg es versprochen hatte, steigt die Anzahl der Atomtransporte durch den dortigen Hafen an. Atomkraftgegner*innen nahmen das kürzlich zum Anlass für eine spektakuläre Aktion.

11.4.2017: Robin Wood protestiert gegen Atomtransporte
Foto: Tim Christensen/RoWo

Mit einem großen Banner „Urantransporte stoppen! Sofort!“ seilten sich am 11. April Aktivist*innen von Robin Wood vom Dach des Gebäudes ab, in dem der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen (in Hamburg: GAL) seine Büros hat.

„Seit knapp zwei Jahren sind die Grünen in der Regierung, und noch immer fahren Woche für Woche Atomtransporte durch Hamburg. Das ist ein Armutszeugnis für eine Partei, die sich den Atomausstieg auf die Fahnen schreibt“, so Robin Wood-Aktivistin Cécile Lecomte.

Rot-Grün hatten 2015 im Koalitionsvertrag vereinbart, darauf hinzuwirken, dass „relevante Unternehmen“ auf Transport und Umschlag von „radioaktiven Stoffen aus Zwecken oder für Zwecke als Kernbrennstoff“ verzichten. Passiert aber ist nichts, obwohl die Stadt Mehrheitseigner der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) ist und Anteile an der Reederei Hapag Lloyd hält.

Derzeit verlässt durchschnittlich einmal im Monat ein mit Uranerzkonzentrat beladener Zug den Hamburger Hafen Richtung Südfrankreich, wo sich eine Fabrik zur Herstellung von AKW-Brennstoff befindet. Vor wenigen Tagen beobachteten Aktivist*innen erst die Abfahrt eines Atomtransports: Am 20.04.17 gegen 17:55 Uhr verließ ein Güterzug, u.a. mit sechs Containern Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) beladen, den Hafenbahnhof Hamburg-Süd in Richtung Süden.

Anstieg der Transporte um fast 50 Prozent

Allein in 2016 liefen rund 160 Atomtransporte per Schiff, Zug und LKW durch Hamburg. Im Zeitraum 1. Januar bis 1. Dezember 2016 stellte die Hamburger Polizei dabei an Schiffstransporten von radioaktiver Fracht 232 Mängel fest, darunter 79 sicherheitsrelevante wie „keine Ladungssicherung“, „Schweißnaht eingerissen“ oder „Loch im Querträger“.

Die Hamburger Gruppe SAND hat eine Auswertung von Angaben des Hamburger Senats zu Urantransporten aus Namibia in den Hamburger Hafen durchgeführt. In den Jahren 2014 bis 2016 ist demnach die Anzahl der Anlieferungen zum Süd-West Terminal der Hamburger Firma C. Steinweg (Süd-West Terminal) GmbH & Co. KG mit Schiffen der Hamburger Reederei Maritime Carrier Shipping GmbH & Co. (MACS) um fast 50 Prozent angestiegen.

Aktionen auch in Frankreich

Widerstand gegen die Transporte, durch die der Fortbestand der internationalen Atomindustrie gesichert wird, gab es kürzlich auch in Frankreich. Atomkraftgegner*innen vom Bündnis „Stop Uranium“ blockierten am 15. April einen Uranzug im französischen Narbonne für zwei Stunden mit einer Dreibein-Konstruktion auf den Gleisen. Der Zug bestand aus 13 mit Urantetrafluorid (UF4) beladenen Container. UF4 wird in der Uranfabrik von AREVA in Narbonne Malvési aus Uranerzkonzentrat hergestellt. Das Uran stammt aus Minen in aller Welt. Ein Großteil des Urans wird über den Hamburger Hafen umgeschlagen.

weiterlesen:

  • Urantransporte in Hamburg gesichtet
    28.09.2016 - Immer wieder sichten Anti-Atom-AktivistInnen in Hamburg Urantransporte. Mit Protesten weisen sie darauf hin, dass der Hafen eine wichtige Drehscheibe für den Weiterbetrieb der Atomanlagen darstellt.

  • Ostsee: Stena Line stellt nach Protesten Atomtransporte ein
    06.01.2015 - Öffentlicher Druck hilft: Die Reederei „Stena Line“ transportiert seit Jahresbeginn keine Atomtransporte mehr über die Ostsee. AtomkraftgegnerInnen hatten auf unkalkulierbare Risiken für Urlaubsreisende hingewiesen.

Quellen (Auszug): twitter.com/urantransport, robinwood.de, nirgendwo.info; 11./15./23.4.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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