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03.08.2017 | von Jan Becker

Urananreicherung: Urenco spielt „Uranopoly“

Atomkraftgegner*innen fordern von dem Betreiber der einzigen Urananreicherungsanlage in Deutschland, dass er die Genehmigung für eine große Lagerhalle für Atommüll aus dem Produktionsprozeß „freiwillig und rechtsverbindlich zurückgibt“. Der Konzern verschiebt offenbar große Mengen Uranmüll ohne Entsorgungskonzept über die Landesgrenzen hin- und her.

Juli 2012: Ankettaktion gegen Uranzug aus der UAA Gronau
Foto: Marcel Seehuber, Projekt A / nirgendwo.info Juli 2012: Protest gegen Uranzug aus Gronau

Die Urenco Deutschland GmbH hat es mit der Inbetriebnahme ihrer neuen Lagerhalle für 60.000 Tonnen Uranoxid offenbar nicht eilig, berichteten die „Westfälische Nachrichten“ vor einer Woche. Die Inbetriebnahme des Uranoxid-Lagers werde „nicht prioritär angegangen“, so der Urenco-Sprecher Dr. Chris Breuer gegenüber der Zeitung. Münsterländer Anti-Atomkraft-Initiativen hatten darauf hingewiesen, dass das Unternehmen die Inbetriebnahme erneut verschoben habe, zuletzt hatte Urenco erste Einlagerungen für das erste Halbjahr 2017 angekündigt.

Baulich abgenommen wurde das Lager bereits 2014 durch die Stadt Gronau. Derzeit habe die Urenco noch „ausreichende Lagerkapazitäten“ für das Abfallprodukt aus der Herstellung von Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt. Urenco selbst spricht bei dem abgereicherten Uran von einem „Wertstoff“, der teilweise bereits in einer französischen Anlage „dekonvertiert“ worden sei. Atomkraftgegner*innen verwiesen in der Vergangenheit immer wieder darauf, dass dieser Prozess gar nicht wirtschaftlich sei, das Material deshalb in Frankreich gelagert werde. Der Export von deutschem Atommüll ist illegal.

Zehntausend Tonnen Uranmüll „getauscht“

Beim Betrieb der Gronauer Urananreicherungsanlage fällt in großen Mengen abgereichertes Uran an. Bis Ende März 2017 lagerten neben der Anlage rund 21.000 Tonnen in Containern. Bis 2009 waren rund 30.000 Tonnen nach Russland exportiert worden. Nach Protesten aus der Bevölkerung wurden die Transporte aber eingestellt. Bis heute rollen dafür regelmäßig Züge aus Gronau in die französische Uranfabrik Pierrelatte, wo bereits rund 10.000 Tonnen lagern sollen. Wie der Urenco-Konzern jetzt berichtet, habe er „rund 10.100 Tonnen“ mit seiner britischen Schwestergesellschaft gegen Uranhexafluorid, die Grundlage für neuen AKW-Brennstoff, „getauscht“. Atomkraftgegner*innen kritisieren, dass der Konzern keine Angaben über diesen „Tausch“ mache und darüber, welche Konsequenzen dieses „Uranopoly“ für die Gronauer Uranlagerhalle habe.

„Was soll zukünftig mit dem Uranoxid in Frankreich oder Großbritannien geschehen? Wird es von dort weiter exportiert? Und wenn ja, womöglich wieder nach Russland? Welche deutschen Behörden haben diesen Urantausch kontrolliert und bewilligt und wie viel Uranhexafluorid wurde nach diesem Tauschgeschäft von Großbritannien nach Gronau transportiert? Zu all diesen Fragen müssen Urenco, die NRW-Landesregierung sowie ggf. auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks klare Antworten geben“, fordert Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Für neue Halle offenbar kein Bedarf

Wenn Urenco die Inbetriebnahme der Abfall-Lagerhalle nach mehr als 15 Jahren Planung, Bau und Leerstand nicht „prioritär“ angehe, dann solle der Konzern die Genehmigung für die Halle und zur Lagerung von rund 60.000 Tonnen Uranoxid in der Halle freiwillig und rechtsverbindlich zurückgeben, fordert parallel der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Andernfalls müsse die NRW-Landesregierung die Genehmigung offiziell widerrufen, da es seitens von Urenco offensichtlich keinen Bedarf an dem neuen Uranmüll-Lager gibt.

„Der nukleare Schlingerkurs der Urenco muss endlich ein Ende haben. Es ist nicht hinnehmbar, dass Urenco jahrelang die betroffene Bevölkerung und die zuständigen Behörden im Unklaren darüber lässt, was eigentlich mit dem Uranmüll der Urenco passieren soll. Das NRW-Wirtschaftsministerium muss unverzüglich aktiv werden. In Gronau darf kein weiterer Atommüll produziert werden und jegliche Lagerung von Uranoxid in der Lagerhalle muss generell untersagt werden“, fordert BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Wegen der ungelösten, langfristigen Lagerung dieses „Uranmülls“ hatte die Halle in der Vergangenheit für heftige Kritik gesorgt. Durch die zeitlich unbefristete Lagerung in Gronau könnte „de facto ein Endlager entstehen“, befürchten Atomkraftgegner*innen.

Neue Proteste angekündigt

Für den 6. August um 13.00 Uhr rufen Aktivist*innen zu einer Protestkundgebung vor der Urananreicherungsanlage in Gronau auf. Sie richtet sich gegen den Weiterbetrieb der Anlage und thematisiert anlässlich des 72. Hiroshima-Jahrestages die enge Verknüpfung zwischen der sogenannten „friedlichen Nutzung der Atomenergie“ und der Atomwaffenproduktion.

weiterlesen:

Quelle (Auszug): bbu-online.de, wn.de; 21.,31.7./2.8.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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