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Unter höchster Geheimhaltung handelte die Regierung Südafrikas einen Atomdeal mit Russland aus, welcher den Bau neuer Atomkraftwerke am Kap vorsah. Es ging um das teuerste Regierungsvorhaben in der Geschichte Südafrikas. Die Planungen sind erstmal vom Tisch.

Atomkraftwerk in Südafrika
Foto: Jonathan Happ Atomkraftwerk in Südafrika

Südafrikas Staatspräsident Cyril Ramaphosa hat nach seiner Amtsübernahme das Energiekonzept seines Vorgängers revidiert. Zur Enttäuschung Moskaus sind die Pläne, Atomkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt fast 10.000 Megawatt und einem Investitionsvolumen von schätzungweise 71,5 Milliarden Euro zu bauen, bis zum Jahr 2030 auf Eis gelegt.

Grundlage für die Entscheidung sollen „unzureichende Haushaltsmittel“ sein. Laut Energieminister Jeff Radebe sei der Bau der Atomkraftwerke durch die russische Staatsfirma Rosatom „schlichtweg zu teuer“. Neueren Schätzungen zufolge soll der Energiebedarf bis 2030 um 30 Prozent geringer ausfallen als im Energieplan „Integrated Energy Plan (IEP)“, der Atomkraft ausdrücklich empfohlen hatte, berechnet worden war.

Südafrika goes Solar

Künftig sollen erneuerbare Energien und Erdgas stärker als bisher gefördert werden. Die Pläne umfassen allerdings auch die Steigerung der Kohlekraft, welche derzeit der Hauptenergielieferant des Landes ist.

Südafrika betreibt als einziges afrikanisches Land am Standort Koeberg zwei Atomreaktoren. Gebaut wurden die Meiler nach Plänen der französischen Framatome und gingen 1984 bzw. 1985 in Betrieb. Fallen sie aus, kam es in der Vergangenheit schon zu großflächigen Stromausfällen.

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Quelle (Auszug): 2010sdafrika.wordpress.com, de.wikipedia.org, 4.8.2019

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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