.ausgestrahlt-Blog

19.12.2018 | von Jan Becker

Nach Brand: Lingen-Betreiber angezeigt

Wegen möglicher Verunreinigung und unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen im Zusammenhang mit dem Brand am 6. Dezember haben Atomkraftgegner*innen den Betreiber der Brennelementefabrik Lingen angezeigt. Die Staatsanwaltschaft soll nun die Aufklärung der Ereignisse vorantreiben.

Brand in der Brennelementefabrik Lingen, Unterlagen aus dem NMU
Foto: https://twitter.com/MiriamStaudte Brand in der Brennelementefabrik Lingen, aus Unterlagen des NMU

Durch ein Feuer wurde ein Labor in dem Uranproben untersucht werden, zerstört. Wie das niedersächsische Umweltministerium mitteilt, hätten zwei chemische Stoffe, Natronlauge und Aluminium, ein brennbares Gas gebildet. Dieses entzündete sich an der Luft und explodierte. Wie es allerdings dazu kommen konnte, nachdem angeblich in dem Labor drei Tage keine Stoffe verdampft wurden, ist weiterhin - zumindest offiziell - unklar.

Nachdem der Betreiber der Brennelementefabrik Lingen, der französischen Framatome/ANF, immer neue Versionen zum Vorfallhergang veröffentlichte, habe man „kein Vertrauen in eine sachgemäße Aufklärung“, so Kritiker*innen. Deshalb habe man nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück erstattet. Dabei geht es zunächst um die möglichen Tatbestände der Bodenverunreinigung (§ 324 StGB), der Luftverunreinigung (§ 325 StGB) sowie des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven und anderen gefährlichen Stoffen (§ 328 StGB).

„Wir erwarten von der Staatsanwaltschaft Osnabrück, dass sie die Aufklärung mit Nachdruck voranbringt“, so Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt Schüttorf.

Freigesetztes Uran nicht auffindbar?

Pikant ist auch, dass der Betreiber erst behauptete, Radioaktivität sei nicht freigesetzt worden. Nun kann er keine Angaben machen, wo das freigesetzte Uran konkret verblieben ist, da alles vom Löschschaum der Feuerwehr bedeckt sei. Kritiker*innen zweifeln an der Angabe, es seien keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangt. Angesichts der schweren Schäden und möglichen radioaktiven Belastung des Labors stelle sich auch die Frage, ob der betroffene Bereich nicht gänzlich abgerissen und als Atommüll „entsorgt“ werden müsse.

Nachdem sich am vergangenen Donnerstag über hundert Aktivist*innen in Lingen zu einer Mahnwache versammelt hatten, protestierten am Montag anlässlich einer Sitzung des Umweltausschusses erneut 40 Atomkraftgegner*innen vor dem Rathaus der Stadt für die Stilllegung der Brennelementefabrik.

„Wenn Framatome den Atomausstieg in Deutschland akzeptieren würde, würden sie von sich aus die Produktion von Brennelementen beenden. Die Bundesregierung muss nun die Zügel in die Hand nehmen und die gefährlichen Lücken im Atomgesetz schließen“, fordert Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Gestern traf sich erstmals eine größere Runde aus sechs Bundesministerien im Kanzleramt, um über die Zukunft der Brennelementefertigung und der Urananreicherung in Deutschland im Allgemeinen zu diskutieren.

„Eine gute Nachricht zu Weihnachten wäre, wenn sich das Kanzleramt und die betroffenen Bundesministerien auf einen sofortigen Exportstopp für Brennelemente aus Lingen und angereichertes Uran aus Gronau einigen würden“, so Eickhoff.

weiterlesen:

  • Feuer in der Brennelementefabrik
    10.12.2018 - Zu einem Großeinsatz hat Ende vergangener Woche ein Feuer in der umstrittenen Brennelementefabrik Lingen geführt. Über 370 Anti-Atom-Organisationen und Verbände fordern die sofortige Stilllegung der Anlage.

  • Streit um Brennstoff-Exporte eskaliert
    13.08.2018 - Nachdem die Atomexporte von AKW-Brennstoff aus Deutschland in alle Welt heftig unter öffentlichen Druck geraten sind, hat Framatome, Betreiberin der Brennelementefabrik in Lingen, Behörden und Politik rechtliche Schritte angedroht. Atomkraftgegner*innen mobilisieren kurzfristig zu Protesten.

Quellen (Auszug): ndr.de, bbu-online.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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