.ausgestrahlt-Blog

Mit einer Demonstration und einer Blockadeaktion haben in den letzten Tagen Aktivist*innen den Druck für die Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen weiter erhöht.

21.1.2019 - Blockade der ANF Lingen
Foto: contratom/poddig

Seit 40 Jahren wird in der Lingener Brennelementefabrik Nuklearbrennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt. Zu den Kunden gehören zum Beispiel die wegen Rissen in den Reaktorbehältern umstrittenen belgischen Meiler in Tihange und Doel als auch das älteste AKW Frankreichs, Fessenheim. Damit verbunden sind zahllose Atomtransporte von und nach Lingen, quer durch das Emsland, durch Niedersachsen und NRW, durch die Niederlande und andere Regionen. Während alle Atomkraftwerke in Deutschland zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschaltet werden müssen, gibt es für diese Fabrik keine Laufzeitbegrenzung.

Am 6. Dezember letzten Jahres hat sich mit einem Brand der wohl bisher schwerste Störfall in der Fabrik ereignet. Es folgten Erklärungsversuche des französischen Betreibers, nur häppchenweise kamen Informationen an die Öffentlichkeit. Den 40. Jahrestag der Anlage und den Störfall nahmen am vergangenen Wochenende 200 Menschen zum Anlass, mit einer Demonstration durch die Lingener Innenstadt erneut die sofortige Stilllegung der Anlage zu fordern.

„Wir haben uns zum Atomausstieg bekannt, also müssen ANF und alle anderen Atomfabriken stillgelegt werden - und zwar sofort!“, forderte einer der Redner*innen. Der deutsche Atomausstieg sei „inkonsequent“, solange alte und pannengeplagte AKW im Ausland von Deutschland aus mit Brennstoff versorgt werden.

Blockade der Werkszufahrt

Eine spektakuläre Protestaktion sorgte dann am Montagmorgen vor der Brennelementefabrik für eine Überraschung: Zwei meterhohe Dreibeine aus Metall, sog. Tripods, wurden in der Hauptzufahrt aufgestellt. Aktivist*innen kletterten daran empor und und machten damit die Straße unpassierbar.

„Das Uran, welches in Lingen verarbeitet wird, vergiftet in den Herkunftsländern Kanada, Kasachstan, Australien und Namibia jeden Tag die Umwelt und hinterlässt riesige radioaktive Müllberge“, so eine Beteiligte. „Das hat nichts mit regionaler, verantwortungsvoller Energieproduktion zu tun, sondern ist bewusst in Kauf genommene Zerstörung von Lebensgrundlagen anderer.“

Nach fünf Stunden Blockade räumte ein Sonderkommando der Polizei die Aktivist*innen ab. Diese kündigten an, so lange wiederzukommen, „bis die Anlage endgültig stillgelegt ist.“

weiterlesen:

  • Nach Brand: Lingen-Betreiber angezeigt
    19.12.2018 - Wegen möglicher Verunreinigung und unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen im Zusammenhang mit dem Brand am 6. Dezember haben Atomkraftgegner*innen den Betreiber der Brennelementefabrik Lingen angezeigt. Die Staatsanwaltschaft soll nun die Aufklärung der Ereignisse vorantreiben.

  • Streit um Brennstoff-Exporte eskaliert
    13.08.2018 - Nachdem die Atomexporte von AKW-Brennstoff aus Deutschland in alle Welt heftig unter öffentlichen Druck geraten sind, hat Framatome, Betreiberin der Brennelementefabrik in Lingen, Behörden und Politik rechtliche Schritte angedroht. Atomkraftgegner*innen mobilisieren kurzfristig zu Protesten.

  • Gutachten: Atomfabriken Gronau und Lingen dürfen stillgelegt werden
    17.11.2017 - Laut neuer Rechtsgutachten im Auftrag der scheidenden Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wäre die Stilllegung der AKW-Brennstoff-Fabriken in Gronau und Lingen nicht verfassungswidrig. Bislang sind die Anlagen vom "Atomausstieg" ausgeklammert. Wegen des Zeitpunkts für die Veröffentlichung der Gutachten ist Hendricks aber aus der Verantwortung. Atomkraftgegner*innen fordern nun Taten von der kommenden Regierungskoalition.

Quellen (Auszug): lingen-demo.de, contratom.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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