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12.11.2019 | von Jan Becker

World Nuclear Waste Report

In einem neuen Report warnen diverse Organisationen und Verbände vor den Folgen der langfristigen Atommülllagerung: Die Finanzierung ist unklar, die Lager-Kapazitäten teilweise erschöpft, die Lösungen nicht in Sicht.

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Die Autor*innen des Atommüllreports warnen vor „unberechenbaren Risiken“ auf der Suche nach Atommüllagern für den hochradioaktiven Abfall. Allein in Europa lagern 60.000 Tonnen abgebrannte Brennstäbe in Zwischenlagern, die nicht für die dauerhafte Aufbewahrung geeignet sind. Bislang betreibt weltweit kein einziges Land ein langfristiges Atommüllager. Lediglich Finnland ist dabei, eines zu bauen, Frankreich und Schweden haben sich auf einen Ort festgelegt.

„Der große Teil der Länder ist gerade nur daran, die Standortsuche zu planen, beziehungsweise macht im Moment nichts anderes als Zwischenlagern. Und das ist das ganz große Problem, dass man die hochradioaktiven Abfälle in Zwischenlager tut und in die Zukunft abschiebt, und zwar in einer Art und Weise, die wirklich gefährlich ist“, so Marcos Buser, einer der Autor*innen der Studie.

Zu den hochradioaktiven Brennstäben kommen große Mengen schwach- und mittelradioaktiven Atommülls. Allein in Europa sind bisher mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter angefallen, insgesamt sei mit 6,6 Millionen Kubikmetern zu rechnen, heißt es im Report. In Europa komme der größte Teil davon aus Frankreich, Großbritannien, der Ukraine und Deutschland. Trotz Atomausstiegs in Deutschland wächst der Atommüllberg etwa durch den Abriss der Meiler weiter an - sogar "deutlich", so Buser. Ein weiteres Problem: Schon heute stoßen die vorhandenen Zwischenlager, etwa in Finnland, an ihre Kapazitätsgrenzen.

Erhebliche Finanzierungslücken

Doch neben den Sicherheitsaspekten warnt der neue Report vor schwer kalkulierbaren Kosten der Zwischen- und langfristigen Atommüllagerung. Die betroffenen Regierungen und Betreiber „unterschätzten diese“, so Ben Wealer, Wirtschaftsingenieur an der Technischen Universität Berlin und Co-Autor der Studie. Die Kostenschätzungen würden „häufig noch auf veralteten Studien aus den 1970er- und 80er-Jahren basieren“. Ermittelt wurden in dem Report „erhebliche Finanzierungslücken“.

Deutliche Kritik wird auch an dem deutschen Modell geäußert, die AKW-Betreiber haben sich bekanntlich mit 24 Milliarden Euro von ihrem Atommüll „freigekauft“. Dieser Fonds macht aber Verluste und wird womöglich nicht ausreichen, um die anstehenden Kosten zu decken. Schließlich müssen alle Mehrkosten, die aus „unvorhersehbaren Pannen“ resultieren könnten, aus diesem Fonds beglichen werden. Das havarierte Atommülllager Asse-2 ist ein Beispiel dafür, dass am Ende wohl der Steuerzahler für zusätzliche Ausgaben aufkommen muss.

Finanziert wurde die Erstellung dieses Reports, der in seiner Form bisher einzigartig ist, von Protestinitiativen aus dem Wendland, der Heinrich Böll-Stiftung, dem BUND, schweizerischen Anti-Atom-Inis unter Federführung der Grünen im Europäischen Parlament.

weiterlesen:

  • Hochradioaktiver Müll: Die Jahrhundert-Lager
    Die Zwischenlagerung des hochradioaktiven Atommülls wird sehr viel länger dauern, als ursprünglich behauptet. Doch die Politik nimmt das Problem nicht ernst.

  • Atommüll – Strahlendes Erbe
    Beim Betrieb von Atomkraftwerken entsteht täglich hochgiftiger, radioaktiver Abfall, der etwa eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss. Tatsächlich ist noch kein einziges Gramm davon schadlos „entsorgt“.

  • Jülich: „Keine Prognose“ für den Verbleib des Atommülls möglich
    21.08.2019 - Weil die „Sicherheit“ der 152 Castorbehälter im Zwischenlager Jülich nicht mehr nachgewiesen werden konnte, ordnete die nordrhein-westfälische Atomaufsicht vor fünf Jahren die unverzügliche Räumung an. Passiert ist nichts. Heute heißt es, es sei „keine Prognose möglich“, wann und ob etwas mit dem Atommüll geschieht.

  • Ist Russland wieder unsere Atommüllhalde?
    08.10.2019 - Die Lagerung von deutschem Uranmüll in rostigen Fässern unter offenem Himmel in Russland sorgte vor zehn Jahren für heftige Proteste. Die Lieferungen aus der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau wurden dann eingestellt. Offenbar nutzt URENCO diese „billige Atommüllverschiebung“ wieder.

Quelle (Auszüge): deutschlandfunk.de, worldnuclearwastereport.org

 

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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