.ausgestrahlt-Blog

11.06.2020 | von Jan Becker

„Jeglicher Transport muss sofort gestoppt werden!“

Umweltaktivist*innen fordern in einem Schreiben an die Bundesumweltministerin ein sofortiges Ende des Transports von Produktionsabfällen aus der deutschen Urananreicherungsanlage Gronau nach Russland.

7.6.2020: Protest gegen Atommüllexport aus Gronau vor dem Wahlkreisbüro der Bundesumweltministerin in Münster
Foto: twitter.com/urantransport 7.6.2020: Protest gegen Atommüllexport aus Gronau vor dem Wahlkreisbüro der Bundesumweltministerin in Münster

Es ist erst knapp eine Woche her, dass ein weiterer Zug mit Atommüll die Anlage in Nordrhein-Westfalen verlassen hat. Erneut wurden etwa 600 Tonnen abgereichertes Uran, ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Brennstoff für Atomkraftwerke, bis nach Amsterdam gebracht und von dort weiter mit dem Schiff nach Sankt Petersburg. Die Reise endet in einer Atomanlage in Sibirien, wo laut des deutschen Absenders Urenco ein Teil des gelieferten Uranhexafluorid wieder angereichert und nutztbar gemacht werden soll. Kritiker*innen wissen: Der Großteil verbleibt als Abfall dort. Ein ökologisches Desaster, denn eine nach deutschen Maßgaben „sichere Lagerung“ ist auf dem Gelände der russischen Atomfabriken ausgeschlossen.

Russland nehme aus „kommerziellen Gründen“ den Müll an, kritisieren Atomkraftgegner*innen auf einer Demonstration in Münster, die am 7. Juni stattfand. Der deutsche Anlagenbetreiber Urenco wird seinen Müll so los, statt ihn verantwortungsbewusst im eigenen Land langfristig zu lagern. Der Trick, den Abfall als Wertstoff zu deklarieren, weil er angeblich wieder verwendet wird, macht den sonst verbotenen Export von Atommüll überhaupt möglich. Derzeit profitiere Urenco zudem von der Corona-Pandemie, „weil sie ihren gefährlichen Atommüll extrem einfach loswerden“.

Alle drei bis vier Wochen starten in den letzten Monaten die Züge mit Ziel Russland. In Deutschland sind kleinere Protestmahnwachen gegen den illegalen Atommüllexport wieder möglich geworden, doch in Russland gibt es weiter strenge Ausgangsbeschränkungen.

„Während die Menschen sehr strikte Beschränkungen akzeptieren müssen, genießt die Atomindustrie unbegrenzte Freiheiten“, heißt es in einem Schreiben der Organisation Ecodefense an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Protest wird systematisch unterbunden. Auch deshalb müsse „jeglicher Transport von Atommüll sofort gestoppt werden", fordern die Aktivist*innen.

Beim Atomausstieg ausgeklammert

Die Urananreicherungsanlage beliefert rechnerisch jeden zehnten Reaktor weltweit mit Brennstoff - zeitlich unbegrenzt, auch nach der Abschaltung des letzten deutschen Meilers. Die Anlage ist vom Atomausstieg ausgenommen worden, eine politisch absolut inkonsequente Entscheidung. Schon heute sorgt deutscher Brennstoff für den Weiterbetrieb maroder Meiler in vielen Ländern, die selbst von der Bundesregierung als „unsicher“ bezeichnet werden.

weiterlesen:

  • Widerspruch gegen Brennstoffexporte
    24.04.2020 - Einen nächsten juristischen Schritt sind jetzt Atomkraftgegner*innen aus dem Münsterland gegangen: Weil die Bundesregierung den Export von deutschem Brennstoff an grenznahe marode Meiler nicht unterbindet, legten sie nun offiziellen Widerspruch dagegen ein.

  • Atomares Business-as-usual in Krisenzeiten
    25.03.2020 - Alle Menschen sind dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben. Das öffentliche Leben steht weitestgehend still. Die Atomindustrie hingegen macht trotz aller Risiken einfach weiter wie bisher.

  • 50 Jahre Urenco - kein Grund zum Feiern
    07.03.2020 - Erneut haben Atomkraftgegner*innen diese Woche gegen den Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau protestiert. Neue Atommülltransporte nach Russland zeichnen sich ab. Gemeinsam erinnerten 30 internationale Initiativen daran, dass vor genau 50 Jahren ein Vertrag zum Aufbau der Uran-Industrie geschlossen wurde.

Quellen: twitter.com/urantransport, Ecodefence Brief an BMU Schulz

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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