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11.11.2020 | von Jan Becker

Deutsche Energiekonzerne planen Beteiligung an AKW-Bau

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Foto: klimaalarm-ms.de Protest gegen Urenco, Münster 31.10.2020

Der Atomkonzern URENCO plant die Beteiligung am Bau von Atomkraftwerken in England und in den Niederlanden. Die deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON sind Anteilseigner*innen an URENCO. Die Bundesregierung hat ein Veto-Recht gegen diese Atompläne.

Atomkraftgegner*innen haben recherchiert, dass der Atomkonzern URENCO offenbar die direkte Beteiligung am Bau neuer Atomkraftwerke plant. In England soll es sich dabei um ein Konsortium unter der Führung von EDF Energy zum Bau des geplanten Atomkraftwerks Sizewell C an der englischen Nordsee-Küste handeln. In den Niederlanden plane Urenco laut Medienberichten den Bau eines „Modulreaktors“ mit bis zu 300 MW Leistung. An Plänen für solche „kleinen Reaktoren“ (Small Modular Reactors, SMR) arbeitet URENCO schon seit mehr als zehn Jahren. In diesem Jahrzehnt soll nun der erste gebaut werden, dafür würden auch dutzende Standorte in Großbritannien und Kanada untersucht.

Atomkraft ist „durch“?

Es ist knapp eine Woche her, da kritisierten Umweltministerin Svenja Schulze, Olaf Lies (nds. Umweltminister), Jochen Flasbarth (Staatssekretär Umweltministerium) oder auch Jürgen Trittin (Grüne) Proteste gegen einen Atommülltransport zum Zwischenlager Biblis und betonten den beschlossenen Atomausstieg. Mit dem Thema Atomkraft seien wir hier in Deutschland „durch“, sagte etwa der niedersächsische Umweltminister.

„Wir sind fassungslos, dass die Auseinandersetzung um die Atomenergie zehn Jahre nach Fukushima von vorne beginnt,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Urenco ist ein britisch-niederländisch-deutscher Urananreicherer, der zu je einem Drittel dem britischen und niederländischen Staat gehört. Das deutsche Drittel teilen sich die deutschen Energiefirmen RWE und E.ON. Die Urananreicherungsanlagen in Gronau/Westfalen, Almelo (NL), Capenhurst (UK) oder Eunice (USA) dienen zur Herstellung von Brennstoff für AKW, können aber auch zur Produktion von Atomwaffenmaterial missbraucht werden. Wegen dieser Brisanz erhielten die Regierungen von England, Deutschland und der Niederlande 1970 im Urenco-Gründungsvertrag weitgehende Aufsichtspflichten und -rechte. Strategische Entscheidungen können nur im Einvernehmen zwischen allen Anteilseigner*innen und Regierungen getroffen werden. Die Bundesregierung hat somit ein Veto-Recht für die Urenco-Atompläne – wir gehen davon aus, dass es umgehend genutzt wird!

weiterlesen:

  • Bundesregierung unterstützt illegalen Reaktorbetrieb
    26.03.2020 - Das Bundesumweltministerium hat den Export von Brennstoff für ausgerechnet die beiden belgischen Atomkraftwerke genehmigt, die illegal betrieben werden.

  • Castor-Protest – wichtig und richtig
    10.11.2020 - Anfang November rollte trotz Corona-Lockdown ein Castor-Transport aus dem britischen Sellafield ins hessische Biblis – der erste Rücktransport aus den Plutonium-Fabriken im Ausland seit neun Jahren. Begleitet wurde er von einem Großaufgebot der Polizei, von Protesten und von einer Kontroverse in den (sozialen) Medien.

  • Debatte um Atomkraft: Der Atommüll bleibt
    27.04.2020 - Ausgerechnet am neunten Jahrestag der Fukushima-Katastrophe schreibt der MDR: „Die Kernkraft ist in Europa wieder gefragt“. CSU-Chef Söder fordert parallel ein „neues Energiekonzept für Deutschland“ - und stellt damit den Atomausstieg in Frage. Doch die Realität heißt: Über Jahrtausende hochgefährlicher Atommüll mit einem fehlenden langfristigen Lagerungskonzept.

Quellen (Auszug): PE u.a. SofA Münster, haz.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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