.ausgestrahlt-Blog

27.01.2016 | von Jan Becker

Streng geheimer Atomtransport durch Deutschland gerollt

Schwer bewacht, abgeschirmt und erfolgreich geheim gehalten hat ein Atomtransport quer durch Deutschland stattgefunden. In Nordenham sind LKW auf ein Schiff mit Ziel USA verladen worden. In Lingen formiert sich unterdessen der Protest gegen Brennelementelieferungen nach Belgien und Frankreich.

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Foto: publixviewing.de MOX-Laster am 18.11.2012 in Nordenham

Die Polizei berichtet von einem „Gefahrgut- und Schwerlasttransport“, der von einem „weltweit agierenden Logistikunternehmen angemeldet und durchgeführt“ wurde. Drei Spezial-Lastwagen hätten „unbestrahlten Kernbrennstoff“ geladen und wurden von einem Großaufgebot an Einsatzkräften von der Hessischen Grenze bis zum Hafen von Nordenham bei Bremen eskortiert. Laut Polizei fuhren die Lastwagen durch Nordrhein-Westfalen „auf dem Weg vom Süden Deutschlands nach Niedersachsen“ und pausierten auf dem Rastplatz „Siegerland Ost“ an der Autobahn 45 von Montag abend bis Dienstag früh.

Auf dem Rastplatz beobachteten Medienvertreter „über 30 Einsatztransporter und eine zweistellige Zahl an Zivilfahrzeugen“, eine Annäherung an die LKW sei von den Einsatzkräften der Polizei „mit Nachdruck unterbunden“ worden. Auch Auffahrten und Brücken über die Autobahn seien von der Polizei kontrolliert worden. In „Zivilfahrzeugen der Luxusklasse“ hätten zudem „Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos“ gesessen. Auf der Weser hätten dann „mehreren Schiffe und ein Hubschrauber“ das Schiff mit seiner Abfahrt am Dienstag um 13.30 Uhr bis auf die Nordsee eskortiert.

Offenbar gab es neben den Sicherungs-Vorschriften für solche Atomtransporte auch Angst vor Protestaktionen oder sogar Anschlägen. Auf einem Bild der „NWZ Online“ ist ein vermummter Polizist eines Spezialkommandos mit Maschinenpistole auf der Zufahrt des Midgart-Hafens in Nordenham zu erkennen. Nachdem die LKW passiert hatten sei die Straße mit einem großen Radlader versperrt worden.

Auf der zeitweise vollgesperrten Bundesstraße 211 zwischen Oldenburg und Brake (kurz vor Nordenham) sei es zu einem technischen Defekt an einer der Zugmaschinen gekommen. Die Ladung sei davon aber „nicht betroffen“ gewesen, betont die Polizei.

Vielleicht ist es ein redaktioneller Irrtum oder einer der LKW war tatsächlich nicht mehr fahrfähig - aber wo ist er dann geblieben?

Die „Dill Post“ berichtet von „drei gepanzerten Atomtransportern“ auf der Raststätte Siegerland Ost. Die „NWZ Online“ meldet hingegen, dass „am Dienstagmorgen gegen 5.30 Uhr ZWEI Spezialtransporter das Stadtgebiet Nordenham und anschließend zur Verschiffung den Midgardhafen in der Innenstadt erreicht“ hätten.


Über die Herkunft der Atomtransporter und ihre genaue Fracht macht die Polizei keine Angaben, außer dass sie „aus mehreren europäischen Staaten“ stammt. Es könnten sich laut „NWZ Online“ um Mox-Brennelemente, die das Ultragift Plutonium beinhalten, gehandelt haben.

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Foto: publixviewing.de Nov '12: Proteste gegen MOX-Lieferung

Brennelemente-Transporte stoppen!

MIt Aktionen wollen ab dem kommenden Wochenende AtomkraftgegnerInnen in Lingen für den Stopp von Brennelemente-Transporten protestieren. Anlass sind nachgewiesene Lieferungen aus der dortigen Brennstofffabrik zu den Pannenmeilern in Belgien und Frankreich. Ein breites Bündnis von Anti-Atom-Initiativen in NRW und Niedersachsen ruft zu einer Demonstration am Sonntag, den 31. Januar auf. Darüber hinaus haben AktivistInnen angekündigt, am nächsten Morgen die Brennelementefabrik in Lingen zu blockieren.

weiterlesen:

Quellen (Auszug): siegerlandkurier.de, nwzonline.de, radiobremen.de, polizei-oldenburg.de, mittelhessen.de; 26.1.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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