Dank Atomkraft zur Atombombe

Die zivile Atomkraft stellt Schlüsseltechniken und Schlüsselrohstoffe zum Bau von Atomwaffen zur Verfügung. Sie versetzt damit viele Staaten oder Organisationen in die Lage, binnen kurzer Zeit eigene Atomwaffen zu entwickeln.

Urananreicherung für Atomkraftwerke und Atombomben

Weil Natururan nur etwa 0,7 Prozent des spaltbaren Uranisotops U-235 enthält, wird es für die Herstellung von Brennelementen auf einen Spaltstoffgehalt von 3,5 bis 6 Prozent angereichert. Mit derselben Technologie und im Prinzip derselben Urananreicherungsanlage kann allerdings auch ein für Atombomben nötiger Anreicherungsgrad von 80 bis 90 Prozent erreicht werden. Besonders einfach und effektiv funktioniert das bei Anlagen mit Zentrifugentechnik – wie im nordrhein-westfälischen Gronau.

Die Urananreicherung ist die größte technische Hürde beim Bau einer Atombombe. 25 Kilogramm hoch angereichertes Uran („highly enriched uranium“, HEU) genügen; der Rest ist dann vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen. 

Wiederaufarbeitung von Brennstäben für Bomben-Plutonium

Neben hoch angereichertem Uran ist Plutonium die zweite Möglichkeit, eine Atombombe zu bauen. Der hochgiftige Stoff, der in der Natur praktisch nicht vorkommt, entsteht in rauen Mengen bei der Kernspaltung im Atomreaktor – pro AKW und Jahr etwa 250 Kilogramm. Um dieses Plutonium verwenden zu können, muss es aus den abgebrannten Brennelementen herausgelöst werden. Dies geschieht in einer Wiederaufarbeitungsanlage (WAA), auf französisch schlicht und ehrlich „usine plutonium“ („Plutoniumfabrik“) genannt – denn die Plutoniumgewinnung für militärische Zwecke war der eigentliche Grund, überhaupt Wiederaufarbeitungsanlagen zu bauen. Weltweit liegen inzwischen 250 Tonnen aus AKW-Brennstäben abgetrenntes Plutonium auf Halde. Für den Bau einer Bombe reichen schon rund sechs Kilogramm. 

Plutoniumwirtschaft dank MOX-Brennelementen

Seit einigen Jahren setzen einige AKW in Deutschland auch sogenannte MOX-Brennelemente ein, die aus einer Mischung von Uran(oxid) und Plutonium(oxid) bestehen. Für die Produktion dieser Brennelemente müssen große Mengen Plutonium transportiert und gelagert werden. Damit steigt die Gefahr, dass das atomwaffentaugliches Material unbemerkt „verschwindet“ bzw. entwendet wird. MOX-Brennelemente stellen darüber hinaus bei und nach ihrem Einsatz im Atomkraftwerk ein zusätzliches Risiko dar: Die Regelung des Reaktors ist komplizierter, die potenziellen Schäden bei einem Unfall sind größer und abgebrannte MOX-Brennstäbe strahlen stärker als solche aus Uran.

Atomwaffensperrvertrag zu schwach

Im so genannten Nicht-Verbreitungs-Vertrags (NVV) von 1968, auch bekannt als Atomwaffensperrvertrag, verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten, die damals noch keine Atomwaffen besaßen, auch künftig keine zu entwickeln. Im Gegenzug sichert ihnen der NVV Unterstützung bei der zivilen Nutzung der Atomkraft zu – und sorgt so paradoxerweise für eine Weiterverbreitung sensibler nuklearer Technologien und atomwaffentauglicher Materialien.

Schmutzige Bomben

Schon geringe Mengen radioaktive Spaltprodukte aus irgendeiner Atomanlage reichen zum Bau einer sogenannten „schmutzigen Bombe“. Bei der Explosion des (konventionellen) Sprengsatzes verteilen sich die strahlenden Stoffe und kontaminieren weiträumig Luft, Boden und Wasser – ein übles Drohpotenzial und gar nicht mal so unwahrscheinliches Szenario für terroristische Anschläge.

Depleated Uranium – Atommüll als Waffe

Abgereichertes Uran, auf englisch: depleated uranium (DU), ein Abfallprodukt der Urananreicherung, wird seit den 1970er Jahren zur Herstellung von Munition genutzt – offiziell wegen seiner panzerbrechenden Eigenschaften. Bei Aufprall und Explosion der Geschosse zerstäubt das radioaktive Schwermetall zu feinsten Partikeln. Aufgenommen über die Atmung, Nahrung oder Haut verursacht dieser „Todesstaub“ schwere Gesundheitsschäden – auch noch Jahre nach den Kampfhandlungen. 

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