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06.04.2016 | von Jan Becker

Frankreich: Dampferzeuger im AKW Paluel umgestürzt

Im französischen Atomkraftwerk Paluel in der Normandie hat sich ein schwerer Unfall ereignet: Bei Wartungsarbeiten in dem abgeschalteten Reaktor stürzte ein Dampferzeuger um und sorgte für „erhebliche Beschädigungen“.

Frankreich: Atomstandorte
Frankreich: Atomstandorte

Der Druckwasserreaktor Paluel Block 2 war im Mai 2015 für seine dritte Zehn-Jahres-Inspektion abgeschaltet worden, die den Betrieb um weitere zehn Jahre ermöglichen soll. Im Rahmen dieser in Frankreich üblichen umfangreichen Prüfungen und Erneuerungen sollten alle vier Dampferzeuger im Innern des Reaktors ausgetauscht werden. Dafür werden die 22 Meter hohen und 465 Tonnen schweren Bauteile mithilfe des „Polar Krans“ aus ihrer eigentlichen vertikalen Lage in die horizontale überführt.

Aus der Horizontalen stürzte ein Dampferzeuger um und landete auf den Betonboden des Reaktorgebäudes. Es sei zu „erheblichen Beschädigungen“ im Innern des Reaktors gekommen. Ein Arbeiter wurde leicht verletzt, zwei weitere erlitten einen Schock. Ein Team der Atomaufsicht ASN hat mit der Begutachtung der Schäden bekommen.

Der Reaktorkern war zum Zeitpunkt des Unglücks am 31. März 2016 entladen, alle hochradioaktiven Brennelemente befinden sich im Lagerbecken.

Am Standort stehen vier baugleiche Druckwasserreaktoren. Mit dem Bau von Block 1 wurde 1977 begonnen. Die Inbetriebnahme des ersten Reaktors erfolgte 1984, 1986 ging als letzter Block 4 ans Netz.

Damals hatte das Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) gefordert, die Folgen eines Dampferzeuger-Absturzes zu prüfen. Der Betreiber des Kraftwerks EDF hatte das aber abgelehnt. Ein solches Szenario sei „unmöglich“.

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Quellen (Auszug): asn.fr, lexpress.fr, world-nuclear-news.org; 4.4.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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