.ausgestrahlt-Blog

25.04.2016 | von Jan Becker

Hinkley Point: Prestigeprojekt der Atomlobby wackelt heftig

Der französische Energieversorger EDF hat seine Entscheidung in England ein neues Atomkraftwerk zu bauen, erneut um Monate verschoben. Nun soll es im September ein Votum des angeschlagene Staatskonzerns geben, das heftig umstrittene Kraftwerk zu realisieren oder nicht.

Atomstandort Hinkley Point / GB
Foto: maps.google.de Atomstandort Hinkley Point / GB

Im März hatte Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron noch einen Beschluss über das Projekt für Anfang Mai in Aussicht gestellt. Nun verschiebt er diesen auf September und knüpft eine Entscheidung für oder gegen Hinkley Point C an drei Bedingungen: Die finanzielle Lage von EDF müsse gestärkt sein. Zudem müsse sichergestellt werden, dass die Pläne zum Bau des AKW „realisierbar“ seien. Außerdem müssten Beratungen mit den Gewerkschaften stattfinden.

Die Kosten für den ersten AKW-Neubau in der EU seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima werden auf mindestens 23 Milliarden Euro geschätzt. Trotzdessen hatte die französische Regierung den krisengeschüttelten Atomkonzern EDF kürzlich aufgefordert, an Hinkley Point festzuhalten. Ein Vertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet.

AtomkraftgegnerInnen warnen vor diesem „Prestigeprojekt der Atomlobby“, das wegen staatlicher Subventionen hoch umstritten ist. Großbritannien will eine Strompreisgarantie gewähren, die den Wettbewerb vor allem gegenüber der Erneuerbaren Energien verzerrt.

weiterlesen:

  • England: Neues AKW rechnet sich trotz Milliarden-Subventionen nicht
    10.03.2016 - Trotz langjähriger, garantierter Einspeisevergütungen und milliardenschweren Staatshilfen rechnet sich der Neubau des Atomkraftwerks am britischen Standort Hinkley Point nicht. Dieser Ansicht ist zumindest der bisherige Finanzchef des französischen Energiekonzerns Electricité de France (EDF), Thomas Piquemal - und schließt sich damit offenbar der Kritik von AtomkraftgegnerInnen an.

  • AKW-Bau in England plant mit Billig-Atommülllagerung
    05.02.2016 - Die Gesamtkosten für den Bau des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point könnten laut einer neuen Studie um weitere Milliarden Euro steigen. Die nötigen Ausgaben für die Atommülllagerung der hochradioaktiven Abfälle seien bisher „zu niedrig“ angesetzt worden.

  • Hinkley Point: Anfang vom Ende des Atomzeitalters
    24.06.2015 - Mehr als 171.000 Menschen und 30 deutsche und internationale Umweltschutzorganisationen richten eine Beschwerde an die EU-Kommission: Kein AKW-Neubau im britischen Hinkley Point! Denn dieser Bau soll nach neuesten Informationen mit über 100 Milliarden Euro Steuergeldern subventioniert werden. In dieser Woche beschloss die österreichische Regierung zudem offiziell ihre Klage gegen die EU-Subventionen. Eingereicht werden soll sie am Montag.

Quellen (Auszug): derstandard.at, volksblatt.at; 24.4.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

« zurück