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24.06.2016 | von Jan Becker

Schweiz: Nachgerüstet wird am St. Nimmerleinstag

Erdbeben sind die größte Gefahr für eine Kernschmelze in Schweizer Atomkraftwerken. Doch die Atomaufsicht gewährt den Betreibern weiter Aufschub bei wichtigen Sicherheits-Nachweisen.

Atomkraftwerk Beznau, Schweiz
Foto: Georg Bischoffs Schweiz/Beznau: Ältestes AKW der Welt

Die Atomaufsichtsbehörde ENSI gab Ende Mai bekannt, dass die Betreiber erneut bis 2020 Zeit bekommen, um Nachweise für die Erdbebensicherheit ihrer AKW darzulegen.

Die Gefährdungsannahmen für Erdbeben werden seit 1999 revidiert. Die aktuellen Veröffentlichungen der ENSI belegen, dass die Gefährdung sogar noch höher liegt, als nach Fukushima angenommen.

„Die Taktik der Betreiber, kostspielige aber sicherheitsrelevante Nachrüstungen möglichst bis zur Stilllegung aufzuschieben, findet eine erfolgreiche Fortsetzung“, kritisieren AtomkraftgegnerInnen. „Ein nun bereits 17-jähriges Verfahren wird damit weiter verschleppt.“

Eine objektive Bewertung der Gefährdungsannahmen ist für die Öffentlichkeit schwierig: Stillschweigeklauseln oder die Abhängigkeit der involvierten ExpertInnen von den Auftraggebern „verunmöglichen praktisch eine offene Debatte“.

weiterlesen:

  • 46 Jahre - ältestes AKW der Welt
    20.04.2016 - Mit einem riesigen Wegweiser machen AtomkraftgegnerInnen aufmerksam auf den ältesten noch in Betrieb befindlichen Atomreaktor der Welt. Er befindet sich im schweizerischen Beznau.

  • 1.000 Risse im ältesten AKW der Welt
    09.10.2015 - Mitten in Europa befindet sich das älteste Atomkraftwerk der Welt: Der Block 1 des AKW Beznau in der Schweiz wurde am 1. September 1969 in Betrieb genommen. Im Herzen des Meilers, dem Reaktorbehälter, sollen sich 1.000 Risse oder sogar Löcher befinden. Das zur Zeit abgeschaltete Kraftwerk wird deshalb wohl nie wieder in Betrieb gehen können.

  • Katastrophenschutzpläne in der Schweiz: Bern müsste evakuiert werden
    09.07.2015 - Vor drei Tagen ist es zu einer Reaktorschnellabschaltung im Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg gekommen. Neue Bundesvorgaben fordern jetzt als Konsequenz aus den Havarien von Fukushima, dass bei einem Super-GAU die Evakuierung von Großstädten, wie Bern, sichergestellt werden muss. Zumindest theoretisch. Denn möglicherweise werden diese – in ihrer Wirkung umstrittenen – Anpassungen ohnehin nie umgesetzt.

  • Die Unsicherheit von Atomkraftwerken
    Alle AKW sind „sicher“ – behauptet die Bundesregierung. Und angeblich soll bei deren Betrieb Sicherheit „oberste Priorität“ haben. Zweifel sind angebracht.

Quelle (Auszug): energiestiftung.ch, 30.5.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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