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05.09.2016 | von Jan Becker

„Halbzeit“ bei Atomausstieg: Versorgungssicherheit ist gewährleistet

Die Stabilität der deutschen Stromversorgung hat sich trotz des Atomausstiegs verbessert: Unabhängig vom Strommix werden die Ausfallzeiten und benötigte „Regelenergien“ immer geringer.

Im Jahr 2011, als der erneute Atomausstieg bis 2022 beschlossen wurde, lag der Beitrag der Atomkraftwerke an der deutschen Spitzen-Stromlast bei mehr als zehn Prozent. Heute liefern die letzten acht Reaktoren keine sechs Prozent des Primärenergieverbrauchs mehr. Parallel ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von damals 20 auf inzwischen deutlich über 30 Prozent angestiegen.

„Trotz Kernenergieausstieg und Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien“, so die Kurzstudie im Auftrag von Greenpeace Energy, bestehe „ein weiterhin hohes und von der Tendenz sogar steigendes Maß an Versorgungssicherheit“.

Die Gesamtleistung der seit 2011 vom Netz gegangenen neun Meiler beläuft sich auf rund 10 Gigawatt, die weitgehend durch wetterabhängige erneuerbare Energien ersetzt wurden. Trotzdem ist die Stromversorgung deutlich seltener ausgefallen, heißt es in der Untersuchung.

Nur noch zwölf Minuten Stromausfall

Laut dem von der Bundesnetzagentur jährlich erhobenen Index - dem so genannten SAIDI - summierte sich die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung im Jahr 2014 auf rund zwölf Minuten. Das ist deutlich kürzer als vor dem Atomausstieg: 2010 fiel der Strom noch knapp 15, im Jahr 2006 sogar mehr als 21 Minuten aus.

Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland mit seinem relativ hohen Anteil erneuerbaren Stroms gut ab: Frankreich (81 Prozent Atomstrom) und Ungarn (36 Prozent) kamen 2013 auf Ausfallzeiten von jeweils rund 68 Minuten. In Großbritannien (19 Prozent) fiel der Strom im Schnitt für immerhin 55 Minuten aus.

Neben den geringeren Netzausfällen müssen die Netzbetreiber heute weit seltener als noch 2011 Ungleichgewichte mit sogenannter „Regelleistung“ ausgleichen, so die Studie. Eine bessere nationale und internationale Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber sowie eine Stärkung des kurzfristigen Stromhandels seien die Ursache für diese Entwicklungen. Nicht aber die Zusammensetzung des Strommixes.

„Die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung der europäischen AKW-Lobby, die Atomkraft garantiere eine besonders stabile Stromversorgung, ist falsch", so Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy zum Ergebnis der Kurzstudie des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergieanbieters.

Kraftwerkskapazitäten & Strombedarf in Deutschl.
Sofortausstieg ist möglich

Gehen ohne Atomkraftwerke die Lichter aus? .ausgestrahlt hat im letzten Jahr zu dieser Frage eine umfassende Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Auch ohne alle AKW stehen ausreichend Kraftwerkskapazitäten zur Verfügung, um jederzeit mehr Strom zu produzieren, als benötigt wird. Nirgendwo in Deutschland würden also ohne AKW die Lichter ausgehen.

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Quellen (Auszug): greenpeace-energy.de, taz.de; 5.9.2016

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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