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07.11.2017 | von Jan Becker

COP23: Don't nuke the climate!

Am Montag hat die Klimakonferenz COP 23 in Bonn begonnen. Mit Protesten und einen Appell fordern Anti-Atom-Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen: Don't nuke the climate! Angriffe der Atom-Lobby auf Klimafonds stoppen.

„Atomkraft ist keine geeignete Lösung für den Klimawandel: Sie ist zu schmutzig, zu gefährlich und auch im Bau zu langsam, um eine nennenswerten Beitrag zur Lösung der Klimakrise liefern zu können. Außer den bekannten Risiken ist die CO2-Bilanz von Energie aus Atomkraft vergleichsweise noch nicht einmal niedrig, wenn man die gesamte Brennstoffkette berücksichtigt“, heißt es in dem offenen Brief, der von 69 internationale Universitätsprofessor*innen und Wissenschafter*innen an den Premierminister des Vorsitzlandes Fiji, Frank Bainimarama, sowie an UNO-Klimasekretärin Patricia Espinosa gesendet wurde.

Protestaktionen in Bonn

Seit vergangenen Freitag nehmen Anti-Atom-Aktivist*innen an den Protesten anlässlich der Weltklimakonferenz teil. Mit Beginn des alternativen Gegengipfels „People’s Climate Summit“ hieß es auf einer Pressekonferenz der Kampagne „Don't nuke the climate!“ (DNTC): „Die Atomindustrie drängt in den Green Climate Fund, mit der Fake-News, Atomkraft sei geeignet, dem Klimawandel zu begegnen.“

Der Green Climate Fund wird jährlich mit 100 Milliarden US- Dollar ausgestattet. Das Geld soll zur Anpassung an den Klimawandel und für Emissionsminderungen ausgegeben werden. Seit Jahren lobbyiert die Atomindustrie unter dem Motto „Nuclear for Climate“ für den Neubau von Atomkraftwerken, um an diesen und weiteren Klimafinanzierungsmechanismen bzw. entsprechende Subventionen heranzukommen. Das will die Kampagne DNTC verhindern.

„Atomenergie stellt weder eine CO-2 freie noch eine CO-2 arme Energie dar, Atomenergie ist teuer und unzuverlässig in der Bereitstellung von Energie“, so Angelika Claußen, Europavorsitzende der IPPNW. „Deshalb fordern wir die Klimarahmenkonventionen der Vereinten Nationen (UNFCCC) auf, Atomenergie als falsche Lösung auszuschließen, um dem Klimawandel zu begegnen.“

Tatsache ist: Atomkraft ist keinesfalls CO2-neutral

Es ist über zehn Jahre her, da veröffentlichte das Öko-Institut Darmstadt die Studie „Treibhausgasemissionen und Vermeidungskosten der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Strombereitstellung“Die Autor*innen sprachen damals schon von einem „scheinbaren Vorteil“, weil Atomkraftwerke im Betrieb tatsächlich keine direkten CO2-Emissionen verursachen. Allerdings erfordert die nukleare Erzeugung von Elektrizität den Abbau und die Verarbeitung von Uranerz, die Anreicherung des Urans, die Brennelementeherstellung usw. – die so genannte vorgelagerte Prozesskette. Dass die Treibhausgasemissionen größtenteils der Stromproduktion vor- und nachgelagert sind, bestätigt auch das Umweltbundesamt.

Tatsache ist, heißt es in der Untersuchung des Ökoinstituts, dass Atomkraft „keinesfalls CO2-neutral ist“. Das Institut erechnete 2007 für „deutschen Atomstrom“ rund 32 Gramm CO2-Äquivalente je Kilowattstunde (g/kWh). In Russland oder den USA liegt dieser Wert doppelt so hoch. Aktuellere Studien geben Werte bis zu 146 g/kWh an.

Risikopotential verbietet Atomkraft als Lösung

Der hochradioaktive, tausende Jahre tödlich strahlende Atommüll wird in der aktuellen Klimadebatte unverständlicherweise so gut wie ganz ausgeklammert. Kein Land der Erde hat eine „Lösung“ für die Ewigkeitslasten. Die Atomlobby ignoriert zudem die permanente Gefahr eines schweren Unfalls und somit das Risiko der Freisetzung von Radioaktivität und eine mögliche Verseuchung ganzer Landstriche.

weiterlesen:

  • Klimaschutz in Europa ist ohne Atomkraft möglich
    08.11.2016 - Ein vollständiger Atomausstieg in Europa bis 2050 würde weder die Klimaschutzziele noch die Versorgungssicherheit gefährden, so das Fazit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin. Setze die EU weiter auf Atomkraftwerke, werde die Stromproduktion künftig die teuerste Variante zur Herstellung von Elektrizität.

  • Atomkraft: Ein „seltsamer Weg“ für mehr Klimaschutz
    18. Dezember 2015 - Als „wegweisendes“ Klimaabkommen werden die COP21-Vereinbarungen von Paris gefeiert. Doch sie öffnen auch Tür und Tor für den Ausbau der Atomkraft. Lobbyorganisationen und Atomfirmen wittern neue Überlebenschancen. In internationalen Abkommen wird ein Comeback verhandelt und auch die EU schafft Möglichkeiten. Doch dieser „seltsame Weg“ für Klimaschutz beinhaltet ein hohes Risiko, enorme Folgekosten und kann nur durch staatliche Milliardensubventionen funktionieren.

  • Klimaschutz: Risikopotential verbietet Atomkraft als Lösung
    01.12.2015 - Eine weltweite Initiative unter dem Motto „Nuclear for Climate“ wirbt derzeit dafür, dass die politischen Entscheidungsträger die Atomkraft im Rahmen der Pariser Klimakonferenz COP21 berücksichtigen. Sie sei „Teil der Lösung, um den Klimawandel zu bekämpfen“, schreiben die Lobbyverbände. Doch betrachtet man allein das Risikopotential, muss (nicht nur) der Zubau von Atomkraftwerken verboten werden.

Quellen (Auszug): don't-nuke-the-climate.org, bi-luechow-dannenberg.de, erneuerbareenergien.de, oeko.de; 5.11.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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