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21.12.2017 | von Jan Becker

Erneuerbare Energien legen kräftig zu

Die Energiewende in Deutschland schreitet voran: Die Windkraft überholt in 2017 erstmals die Atomenergie und die Steinkohle und ist damit zur zweitwichtigsten Stromquelle geworden. Nur die Braunkohle hat noch größere Bedeutung.

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.ausgestrahlt-Aktion für einen schnelleren Atomausstieg

 

Spiegel-online schreibt von einer „historischen Verschiebung in der deutschen Energieversorgung“: Die Windenergie ist 2017 zur zweitwichtigsten Stromquelle geworden. Der Vorsprung beim Wind sei so groß, „dass er nicht mehr eingeholt werden kann“, so Bruno Burger, Professor am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Bis einschließlich dem 18. Dezember hätten Windkraftanlagen an Land und auf See 97 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt. Braunkohle lieferte mit 130 TWh am meisten Strom.

Aus den letzten acht deutschen Atomkraftwerken wurden 69 TWh geliefert. Das Institut Agora Energiewende gibt allerdings zu bedenken, dass für einen tatsächlichen Vergleich der Energieträger noch der Eigenverbrauch der Kraftwerke abgezogen werden müsse. Der Vorsprung der Erneuerbaren Energien wächst also weiter.

Windstrom-Schwemme gleicht Atomausstieg mehr als aus

Insgesamt ist der Anteil der erneuerbarer Energien in diesem Jahr stark gestiegen: Sie kommen auf einen Netto-Anteil von etwa 38 Prozent (2016: gut 33 Prozent). Auf die Windkraft entfielen 2017 bisher gut 18 Prozent - damit liegt sie in der Jahresbilanz erstmals vor Atomkraft und Steinkohle. Atomkraftwerke haben mit 11,6 Prozent zum Strommix beigetragen (2016: 13 Prozent).

Zum Jahresende wird das nächste große AKW stillgelegt. Mit Block B im bayerischen Gundremmingen gehen 1.300 Megawatt Leistung für immer vom Netz. Im Jahr wurden hier nach Betreiberangaben ca. 10 TWh Strom produziert, damit sinkt künftig der nukleare Anteil am Strommix noch einmal deutlich.

Die Zahlen zeigen, dass die erneuerbaren Energien „auf dem Sprung sind, die Nummer eins in der Bruttostromerzeugung zu werden“, so Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Defizite gibt es allerdings beim Netzausbau. Wehen im Norden starke Winde, müssen Windkraftanlagen teilweise abgeschaltet werden, weil die Kapazitäten fehlen, den Strom zu transportieren. Würden die letzten norddeutschen Atomkraftwerke schneller als bisher geplant vom Netz gehen, würden Netzkapazitäten frei - für noch mehr erneuerbare Energien.

weitere Infos:

  • Atomkraft ist am teuersten
    20.10.2017 - Das Öko-Institut hat die Kosten neuer Stromerzeugungsanlage verglichen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat nicht im Strompreis enthaltene Zusatzkosten untersucht. Das Ergebnis: Erneuerbaren Energien sind deutlich günstiger als Atomkraft.

  • Solarstromrekord im Mai
    14.06.2017 - Die deutschen Windenergieanlagen liefern schon lange mehr Strom als die letzten acht Atomkraftwerke. Nun haben auch die Solaranlagen die AKWs fast eingeholt.

Quellen (Auszug): spiegel.de, dpa, manager-magazin.de, kkw-gundremmingen.de; 20.12.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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