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05.03.2019 | von Jan Becker

Acht Jahre Fukushima - das Risiko wächst

Am 11. März jährt sich die mehrfache Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima zum achten Mal. Eine Beherrschung der Folgen ist noch lange nicht in Sicht. Parallel wird der Meilerpark in Europa immer älter - mit jedem Tag wächst das Risiko schwerer Unfälle.

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Fukushima-Demo in Dannenberg

Auf dem Gelände des havarierten AKWs in Japan befinden sich Tanks mit einer Millionen Tonnen kontaminierten Kühlwassers, in dem sich trotz Filterung noch Strontium und Tritium befinden. Der Betreiber TEPCO will den flüssigen Atommüll ins Meer ablassen. Protest aus der Bevölkerung verhinderten diese Pläne bisher. Hunderte von Kanistern mit Filterrückständen warten außerdem auf ein Atommülllager, das Japan nicht hat. Rund um das AKW wurde belastete Erde abgetragen, es sollen bis zu 22 Millionen Kubikmeter sein. Auch dafür gibt es keine „Lösung“, sondern nur große Zwischenlager.

Die Atomlobby versucht mit aller Macht zu suggerieren, in Fukushima sei „alles unter Kontrolle“. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Täglich wächst das Risiko

Natürlich ist an keinem der europäischen AKW-Standorte kein so schweres Erdbeben mit Tsunami wie in Fukushima zu erwarten. Doch das Risiko dramatischer Unfälle in dem veralteten Meilerpark wächst mit jedem Tag.

Anlässlich des achten Fukushima-Jahrestages warnt das Freiburger Ökoinstitut vor den Gefahren, die von Europas alternder AKW-Flotte ausgehen. Insgesamt 14 Reaktoren sind bereits seit 40 Jahren in Betrieb. Einer davon, der Reaktor 1 im Schweizer AKW Beznau, der erst im vergangenen Jahr für den weiteren Betrieb freigegeben wurde, läuft sogar bereits seit fast 50 Jahren.

Sicherheitskonzepte sind veraltet. Auch kostenintensive Nachrüstungen können nicht das heute von Neuanlagen geforderte Sicherheitsniveau gewährleisten. Viele Reaktoren sind schlecht gegen Flugzeugabstürze geschützt. Mit der Zeit versprödet der Stahl des Reaktordruckbehälters. Sicherheitsmargen nehmen dadurch ab, urteilt das Ökoinstitut. Notstromaggregate und Notkühlpumpen fallen immer wieder aus oder stehen länger nicht zur Verfügung.

Für die Stilllegung aller Atomanlagen!

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Für die Stilllegung aller Atomanlagen werden rund um den Fukushima-Jahrestag wieder zahlreiche Menschen auf die Straße gehen. Zum Beispiel sind am Samstag, 9. März, in Ahaus oder in Berlin Aktionen angekündigt. Am Sonntag, 10. März, findet eine Demonstration zum AKW Neckarwestheim statt.

  • Nie wieder Super-GAU! – Aktionen zum Jahrestag
    .ausgestrahlt ruft auch in diesem Jahr dazu auf, der zahllosen Opfer zu gedenken und den traurigen Anlass dafür zu nutzen, der Öffentlichkeit die Gefahren von Atomkraft ins Gedächtnis zu rufen. - mehr

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  • Hundertausende Tonnen radioaktive Abwässer sollen im Meer verklappt werden
    29.08.2018 - Tag für Tag entstehen bei die Kühlung der zerstörten Reaktoren von Fukushima hunderte Tonnen kontaminiertes Kühlwasser. Laut Betreiber TEPCO wird es gefiltert und in Tanks aufgefangen. Doch der Platz auf dem Kraftwerksgelände wird knapp und die Filter versagen.

  • Fukushima: Radioaktive Hotspots gefunden
    21.08.2018 - Sieben Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima haben Wissenschaftler alarmierende Funde gemacht. Der Betreiber glänzt hingegen mit Lobbyarbeit und will die Havarie ins Museum verbannen.

Quellen (Auszug): tagesspiegel.de, atommuell-protest.de, endlich-abschalten.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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