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07.05.2019 | von Jan Becker

Protest wirkt: AKW-Start verschoben

In Österreich reicht der Protest gegen die geplante Inbetriebnahme des slowakischen Schrottreaktors Mochovce bis auf höchste Ebene. Jetzt hat der Betreiberkonzern eine Verzögerung um mehrere Monate angekündigt.

Österreich: Bundeskanzler schließt sich Protest gegen AKW Mochovce an
Foto: global2000.at

Mit russischer Uralt-Technik werden am Standort Mochovce zwei weitere Reaktorblocks gebaut. Das Projekt befindet sich seit 34 Jahren „im Bau“, Kritiker*innen warnen vor gravierenden Sicherheitsmängeln: Die Inbetriebnahme eines solchen Meilers im 21. Jahrhundert sei „fahrlässig“. Obwohl sie direkt unter einer viel genutzten Flugroute liegt, ist die Anlage beispielsweise nicht gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeugs gesichert.

„Die von mehreren Ingenieuren mit langjähriger Erfahrung im Bau und Betrieb von Atomkraftwerken ans Tageslicht gebrachten Probleme müssen jetzt gründlich untersucht werden und eine interne Revision der slowakischen Atomaufsicht ist nötig, die das Bau-Chaos seit zehn Jahren zu verantworten hat“, fordert Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher der Initiative GLOBAL 2000.

Vor wenigen Tagen sprach sich selbst der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz gegen die für Juni diesen Jahres angekündigte Inbetriebnahme von Block 3 aus - und macht so den Protest zur Chefsache.

Politik soll sich nicht einmischen

Die Politik solle sich „nicht in das Bauprojekt einmischen“, forderte vergangene Woche der slowakische Premierminister Peter Pellegrini. Er sei über die Debatte zu Mochovce „besorgt“, weil sie von „irrationale Fakten“ bestimmt wäre.

Der Protest zeigt jetzt Wirkung. Der Generaldirektor der AKW-Betreiberfirma Slovenske Elektrarne (SE), Branislav Strycek, teilte Montag vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments in Bratislava mit, dass der Start des Meiler verschoben werden müsse. Die Inbetriebnahme von Block 3 verzögere sich mindestens bis November 2019, möglicherweise sogar bis März 2020. Grund seien vor allem erwartete Einsprüche aus Österreich.

Protest wirkt!

weiterlesen:

  • Slowakei: Uralt-Meiler soll ans Netz
    28.02.2019 - Nach 34 Jahren Bauzeit soll der Reaktor Mochovce-3 trotz völlig veralteter Technologie und gravierender Sicherheitsmängel im Juli ans Netz gehen. Die Inbetriebnahme eines solchen Meilers im 21. Jahrhundert ist fahrlässig, sagen Atomkraftgegner*innen.

  • Atomprojekte in Osteuropa müssen gestoppt werden
    26.04.2018 - Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kann bei gleicher Versorgungssicherheit günstiger sein als derzeit geplante Atomkraftwerke in mehreren osteuropäischen Staaten, belegt eine neue Studie, die anlässlich des 32. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe veröffentlich wurde. Die AKW-Projekte müssen gestoppt werden – weder ist das Sicherheitsrisiko tragbar, noch rechnen sie sich.

  • Atomdeal in der Slowakei: Deutscher Braunkohlekonzern Mibrag beteiligt
    08.01.2016 - Die tschechische Muttergesellschaft der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) will große Anteile des slowakischen AKW-Betreibers Slovenské Elektrárne (SLE) übernehmen. Vereinbart ist auch die Fertigstellung von zwei umstrittenen Reaktoren am Standort Mochovce.

Quellen (Auszug): dpa, global2000.at

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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