Fragen und Antworten zum Stresstest 2.0 der Übertragungsnetzbetreiber

Stand: 07.09.2022

 

  • Die Stromversorgung in Deutschland im kommenden Winter ist nach den Ergebnissen von zwei Sonderanalysen der Übertragungsnetzbetreiber (Stresstest 1.0 und Stresstest 2.0) selbst unter realistischen Extrembedingungen („Extremszenario (+)“) gesichert. Deutschland hat genügend Strom und ausreichend Stromleitungen. Dies gilt selbst dann, wenn ungeachtet der Strompreise monatelang viele Hunderttausend elektrische Heizlüfter laufen würden.

     

  • Unter noch deutlich extremeren Annahmen zu Kraftwerksausfällen sowohl im Ausland (z.B. Frankreich) als auch gleichzeitig im Inland (aufgrund Niedrigwasser) und einer gleichzeitigen erheblichen Gasmangellage (Gasverfügbarkeit in Süddeutschland nur 75% oder gar nur 50%) prognostizieren die Netzbetreiber im Szenario einer sogenannten „Dunkelflaute“, wie sie sich aus den extremen Wetterbedingungen des Februars 2012 ergibt, eine mögliche punktuelle Lastunterdeckung von 1–2 Stunden (1 GWh, max. 700 MW; „Extremszenario (++)“) bzw. über 3–12 Stunden (17–53 GWh, max. 7.000-8.000 MW; „Extremszenario (+++)“). Nicht berücksichtigt ist dabei, dass Großverbraucher in solchen Situationen aufgrund des kurzfristig stark ansteigenden Strompreises ihren Verbrauch reduzieren, was die Situation entschärft, wie die Netzbetreiber selbst anmerken

  • In Situationen mit besonders hohem Windstromangebot (starker Wind im Norden Deutschlands) decken sich wegen der dann fallenden Börsenstrompreise auch viele Stromkunden aus dem Ausland mit günstigem Strom aus Deutschland ein. Die vorhandenen Stromleitungen reichen dann u.U. nicht aus, um diese große Menge Strom quer durch die Republik bis in die Nachbarländer zu transportieren. Nach gängiger Praxis wird der nicht-transportierbare Strom dann im Norden abgeregelt und stattdessen Kraftwerke im Süden oder im benachbarten Ausland hochgefahren, die ihn dann ersatzweise erzeugen („Redispatch“). In den Extremszenarien (+), (++), und (+++) des Stresstests 2.0 reicht die im Süden in solchen Situationen zur Verfügung stehende Kraftwerkskapazität – einschließlich der eigens für diesen Zweck unter Vertrag genommenen Reservekraftwerke – der Simulation zufolge nicht aus, um den gesamten nicht-transportierbaren und deshalb im Norden abgeregelten Strom ersatzweise im Süden zu erzeugen. De facto schränkt dies den Stromexport in solchen Situationen ein, nicht aber die Versorgungssicherheit in Deutschland.

  • In der simulierten „Dunkelflaute“ reduzieren die AKW die im Extremszenario (++) errechnete theoretische Lastunterdeckung von 1–2 Stunden (1 GWh, max. 700 MW) um eine (!) Stunde auf 0–1 Stunden (0,2 GWh, max. 200 MW). Da, wie oben erwähnt, in einem solchen Fall aber aufgrund der kurzzeitig sehr hohen Strompreise mit einem geringeren Stromverbrauch zu rechnen ist, dürfte der Nutzen der AKW hier gleich null sein.

    In der „Starkwind/Starklast“-Situation reduzieren die AKW – relevant sind in diesem Fall nur die beiden süddeutschen Anlagen – die nötige Kapazität an Ersatzkraftwerken für den Redispatch um insgesamt etwa 0,5 GW. Dies entspricht lediglich 10% der laut Simulation nötigen Kapazität von 5,1 GW. Ein Betrieb der beiden AKW könnte in einer solchen Situation also einen leicht erhöhten Stromexport ermöglichen. Für die Versorgungssicherheit in Süddeutschland sind die AKW überflüssig.

  • Nein. Die aktuell in Bau befindliche und insbesondere für Bayern wichtige Stromleitung Redwitz–Mechlenreuth (380 kV) ist in dem Stromnetzmodell des Stresstests nicht enthalten. Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat allerdings Ende August schriftlich bestätigt, dass mit einer Inbetriebnahme der Leitung noch in diesem Herbst zu rechnen ist. Die Leitung wird die Versorgungssicherheit in Bayern deutlich verbessern und auch den Bedarf an Redispatch-Kraftwerken im Süden Deutschlands reduzieren. Der Stresstest 2.0 berücksichtigt beides nicht.

  • Nein. Der Stresstest 2.0 ignoriert den tatsächlichen Zustand der Reaktoren und blendet akute Sicherheitsprobleme aus, etwa die in Neckarwestheim auftretende und in Isar zu vermutende Spannungsrisskorrosion (Risse im Reaktorkreislauf). Ein Betrieb der AKW nach dem 31.12.2022 wäre nur unter Aushebelung und Missachtung grundlegender Sicherheitsanforderungen möglich, die das Bundesverfassungsgericht definiert hat. Siehe auch die Pressemitteilung von .ausgestrahlt dazu.

  • Unter anderem:

    • Stromleitungen witterungsabhängig besser ausnutzen
    • Vertragliche Regelungen mit Großverbrauchern (Lastmanagement)
    • Industriekraftwerke und die vielen bisher unberücksichtigten kleinen Kraftwerke zur Stromnetzstabilisierung mit nutzen
    • Absprachen mit Nachbarländern über Redispatch-Kraftwerke treffen

     

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