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17.02.2018 | von Jan Becker

Aktionstag gegen Atomtransporte

Wöchentlich rollen durch Norddeutschland Atomtransporte mit Brennstoff zur Versorgung der Atomindustrie in aller Welt. Den Stopp von Lieferungen in Skandal-AKW will die neue Bundesregierung wenigstens „prüfen“.

Für schnelleren Atomausstieg: Protestaktion am 6.2.2018 in Düsseldorf
Foto: K. Rudek / BI Lüchow-Dannenberg

Am 15. Februar verließ ein Transport den Hamburger Hafen Richtung Frankreich. Der Zug hatte vier Container „Yellow Cake“ (Uranerzkonzentrat) geladen. Das Uran wurde mit dem Schiff Blue Master 2 der Hamburger Reederei MACS aus Namibia nach Hamburg zum Süd-West Terminal von C. Steinweg befördert.

„Uns reicht es schon lange, doch ein Ausstieg ist nicht in Sicht und die Atomindustrie fährt fort, die Erde zu verseuchen. Uran wird abgebaut, umgewandelt, angereichert, in Brennelemente gepresst, zu Atomkraftwerken transportiert und in hochradioaktiven Müll verwandelt. Täglich fährt die tödliche Fracht um die Welt, um Atomanlagen mit dem nötigen Brennstoff zu versorgen. Die Transporte sind Lebensader und zugleich Achillesferse der Atomindustrie.“ (aus: Einladung zu einer Infoveranstaltung am 13.3.18 zu Atomtransporten durch Hamburg und der Widerstand dagegen)

Hamburg ist eine internationale Drehscheibe zur Versorgung von Atomanlagen mit Uranbrennstoff weltweit. Durch die Stadt fährt alle zwei Tage ein Atomtransport. Neuerdings werden über den Hafen sogar Brennelemente aus Lingen (Niedersachsen) für ein neues Atomkraftwerk in Finnland verschifft.

Aktionstag am 23./24. Februar

Entlang möglicher Transportstrecken planen Aktivist*innen nun einen Aktionstag. Dafür wurden für den 23. und 24. Februar Mahnwachen und Aktionen in Kiel, Hamburg, Bonn, Buchholz (Nordheide) und Trier angekündigt. Mit „gelbem Pulver“ soll sichtbar gemacht werden, „was sich auf unseren Schienen (und Straßen) abspielt und was da ohne Sinn und Vernunft durch Bahnhöfe und Ortschaften rollt“, heißt es im Aufruf.

Bundesregierung will Lieferungen an Skandal-AKW „prüfen“

Nach jahrelangen Protesten und Aktionen lenkt die neue Bundesregierung möglicherweiser ein. Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU heißt es, man wolle „verhindern, dass Kernbrennstoffe aus deutscher Produktion in Anlagen im Ausland, deren Sicherheit aus deutscher Sicht zweifelhaft ist, zum Einsatz kommen.“ Das rechtssichere Erreichen dieses Ziels soll „geprüft“ werden.

Offiziell „zweifelhaft“ sind mindestens die Meiler im belgischen Tihange und Doel sowie das französische AKW Fessenheim. Zwei Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums haben vor wenigen Wochen bestätigt, dass eine Stilllegung der Atomanlagen in Gronau und Lingen rechtssicher möglich ist. Damit wären dann auch alle Transporte unterbunden.

Am Ende zählen nur Fakten. Und die Zeit drängt: In 2018 sollen nach aktuellen Medienberichten 48 neue Brennelemente von der Atomfabrik in Lingen in das belgische Skandal-AKW Doel geliefert werden. 150 Atomkraftgegner*innen demonstrierten Anfang Februar bereits in Düsseldorf, unter anderem um die Forderungen nach einem Stopp der Atomtransporte zu unterstreichen.

weiterlesen:

  • Urantransport fuhr durch Sturmtief
    01.11.2017 - Anfang Oktober fegte das Sturmtief „Xavier“ mit Windgeschwindigkeiten von 113 km/h durch Norddeutschland. Mitten drin ein Zug, beladen mit hochgiftigem Uranhexafluorid.

  • Gronau: Beton im Gleisbett
    12.10.2017 - Mit einer Doppel-Blockade wurde ein Urantransport in die Anreicherungsanlage in Gronau (UAA) gestoppt. Die Aktivist*innen protestieren erneut für die sofortige Stilllegung der Brennstoff-Fabrik.

  • Entgegen Versprechen: Mehr Urantransporte durch Hamburg
    25.04.2017 - Anders als der rot-grüne Senat in Hamburg es versprochen hatte, steigt die Anzahl der Atomtransporte durch den dortigen Hafen an. Atomkraftgegner*innen nahmen das kürzlich zum Anlass für eine spektakuläre Aktion.

Quellen: cdu.de, urantransport.de, bi-luechow-dannenberg.de, atomtransporte-hamburg-stoppen.de; 5./14./15.2.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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