.ausgestrahlt-Blog

05.04.2018 | von Jan Becker

Castor-Alarm auch im Süden

Die kommenden Jahre könnten zu „Jahren der Castor-Proteste“ werden. Nun haben auch AKW-Betreiber im Süden die Anlieferung von hochradioaktiven Abfällen aus dem Ausland beantragt. Atomkraftgegner*innen sprechen von „sinnlosen und gefährlichen Transporten“.

castor_640.jpg
Foto: PubliXviewinG

Mitte März war bekannt geworden, dass möglicherweise schon dieses Jahr Norddeutschland Ziel von Castor-Transporten werden könnte. Sieben Behälter sollen von Sellafield (GB) ins Zwischenlager am Atomkraftwerk Brokdorf rollen.

Hintergrund sind Atommüll-Behälter, die in der britischen und französischen Wiederaufarbeitung auf die Rückführung nach Deutschland warten. Man „erfülle vertragliche Pflichten“, verkündet nun auch EnBW. Der Konzern ließ nun die Anlieferung von voraussichtlich fünf Castor-Behältern aus La Hague (F) in sein Standort-Zwischenlager am Atomkraftwerk Philippsburg beantragen. Parallel hat RWE die Beförderung von bis zu sieben Castoren in das Standort-Zwischenlager am AKW Biblis beantragen lassen.

Der Start der „gesetzlich vereinbarten Rückführung“ des deutschen Mülls wurde seit 2013 mehrfach angekündigt. Für den Transport nach Philippsburg wird laut EnBW das Jahr 2019 „angestrebt”. Nach Biblis soll die radioaktive Fracht 2020 rollen.

Perspektivlose Transporte

Eine der Ursachen für die Verzögerungen sind - aus gutem Grund - verschärfte Sicherheitsregelungen gegen Terroranschläge.

Denn das Verschieben der hochgefährlichen Fracht von einem Zwischenlager in das nächste ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich. Das Risiko eines schweren Unfalls oder mögicher Anschläge kann bei den umstrittenen Transporten nicht ausgeschlossen werden.

Außerdem sind die Fragen, an welchem Ort ein „endgültiges“ Atommüll-Lager für den deutschen Atommüll entstehen soll, wie dieses aussieht und wann es betriebsbereit ist, völlig offen. Klar ist jedoch, dass die Castoren irgendwann erneut auf die Schiene oder die Straße müssen, um dorthin zu gelangen.

Aus gutem Grund wird es also Proteste gegen diese perspektivlosen Transporte geben.

weiterlesen:

  • Zwischenlager sind keine Lösung
    16.10.2017 - Das aktuelle Konzept für die Zwischenlagerung von hochradioaktivem Atommüll ist mangelhaft. Castor-Behälter müssen deutlich länger als 40 Jahre zur Aufbewahrung von Atommüll verwendet werden.

  • Castor-Alarm in Norddeutschland?
    13.03.2018 - Mit dem „Neustart“ der Suche nach einem Atommüll-Lager wurde auch vereinbart, dass ins Wendland vorerst keine Castor-Transporte mehr rollen sollen. Dafür werden 26 Behälter mit hochgiftigen Abfällen auf diverse Zwischenlager an AKW-Standorten verteilt. Die Transporte könnten schon in diesem Jahr beginnen.

  • Drohen Ahaus mehrere Castortransporte?
    21.03.2018 - Am 20. März 1998 rollte der erste - und bis heute einzige - Castor-Transport mit Brennelementen aus Atomkraftwerken ins Zwischenlager Ahaus. 23.000 Polizist*innen standen damals tausenden Demonstrant*innen gegenüber. Diese Szenen könnten sich bald wiederholen.

Quellen (Auszug): bfe.bund.de, enbw.com, rwe.com, dpa; 3./4.4.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

« zurück