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08.08.2019 | von Jan Becker

„Eine irre kostspielige Technologie“

Eine aktuelle Berechung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die absolute Bankrott-Erklärung für alle Atomkraftwerke. Die Meiler dienen weder dem Klimaschutz, noch laufen sie, um Energie herzustellen.

 

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Atomkraftwerke schreiben erhebliche Verluste

 

„To cheap to meter” (zu günstig, um zu messen), hieß es in den Anfängen der Atomenergie hinsichtlich des prognostizierten Strompreises aus Urankernspaltung. Entgegen der ursprünglichen Erwartungen ist der Bau und Betrieb von Atomkraftwerken, so aktuelle Berechnungen des DIW, nicht günstiger geworden, sondern deutlich teurer. Betrachtet wurden in der neuen Studie alle 674 Atomkraftwerke, die weltweit seit 1951 gebaut wurden. Und alle schreiben Verluste, im Schnitt sind es zwischen zwei und neun Milliarden Euro. In dieser rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung sind die unkalkulierbaren Kosten für die Atommüll-Lagerung nicht berücksichtigt worden.

„Wir sehen eben, dass nur der Bau dieser Anlagen mittlerweile drei bis 10-mal so teuer ist, als man es in der Vergangenheit kalkuliert hat“, so Claudia Kemfert, Leiterin der DIW-Energieabteilung.

Eindringlich warnt die Expertin vor der Planung neuer Atomkraftwerke, etwa für den Klimaschutz: Neue Meiler lohnen sich „wegen der hohen Kosten und der Umweltrisiken nicht“. Atomkraft sei „eine irre kostspielige Technologie“. Doch die Meiler laufen trotzdem. Dafür hätten „keine privatwirtschaftlichen oder wettbewerblichen Investitionen eine Rolle gespielt“, heißt es.

„Eine Investition in ein Atomkraftwerk ist stets privatwirtschaftlich unrentabel, egal welche plausiblen Werte für den zukünftigen Strompreis, die spezifischen Investitionen und die Kapitalkosten angenommen werden.“

 

AKW-Betrieb aus militärischem Interesse

Wegen der hohen Kosten würden Atomkraftwerke betrieben „weder um Klimaschutz zu machen, noch um Energie herzustellen“, so Kemfert. „Was wir in unserer Studie festgestellt haben, wird Atomenergie eben genau deswegen nicht gebaut oder genutzt, sondern zu militärischen Zwecken.“

Schon in der Frühphase, vor 1950, ist die Entwicklung vom sich abzeichnenden Kalten Krieg geprägt gewesen. Atomkraftwerke wurden als „Plutoniumfabriken mit angehängter Stromproduktion“ geplant und in der Regel staatlich betrieben. Im Fokus des Interesses war der Bau von Atombomben. Nur in wenigen Ländern, wie in Deutschland, konnten später privatwirtschaftliche Energieunternehmen für den Betrieb der Anlagen gewonnen werden, allerdings nur mit Hilfe hoher Subventionen.

Atomkraft ist keine Option!

Die Beschreibung der Atomkraft als „saubere Energie“ ignoriert die erheblichen Umweltrisiken und die nicht zu vernachlässigenden Emissionen, darunter auch CO2, über die gesamte Prozesskette, resumiert die Studie. Atomkraft ist deshalb keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung. Es ist deutlich günstiger, auf anderen Wegen Klimaschutz und CO2-Einsparungen zu erreichen.

weiterlesen:

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    20.06.2019 - Interview | Der Wirtschaftswissenschaftler Christian von Hirschhausen über die Laufzeiten von AKW, über Kohlefans, die für Atomkraft werben, und über effektiven Klimaschutz.

  • Atomkraft? Nicht schon wieder!
    06.06.2019 - Seit einigen Monaten erleben wir, dass die Atom-Fans angesichts der Klima-Debatte Morgenluft wittern. Zwar sind Atomkraftwerke denkbar ungeeignet für den nötigen radikalen Umbau des Energiesystems. Aber das scheint die Pro-Atom-Fraktion nicht zu stören.

Quellen (Auszug): br.de, diw.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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